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07.07.2020

Uganda und unsere Arbeit in Zeiten von Corona

Uganda und unsere Arbeit in Zeiten von Corona

Gerne möchten wir euch heute einen Einblick in unsere aktuelle Arbeit in Uganda geben und euch auch auf unseren Jahresbericht 2019 hinweisen, den wir auf unserer Website für euch online gestellt haben. 

Auch wenn in Uganda die COVID-19 Fallzahlen vergleichsweise niedrig sind (821 bestätigte Fälle mit Stand 26.6., davon 214 aktive Erkrankte bei ca. 44 Millionen Einwohnern) sind die Beschränkungen, die die Regierung der Bevölkerung auferlegt massiv und anhaltend: 
Alle Bildungseinrichtungen sind geschlossen und es ist nicht absehbar, wann der Unterricht wieder aufgenommen werden darf. Dass „homeschooling“ in Uganda mit wenigen Ausnahmen nicht funktionieren kann, ist sicherlich nachvollziehbar. Die Familien in den Regionen, in denen wir tätig sind, haben keinen Zugang zum Internet, Radios gibt es wenige und Fernseher sowieso so gut wie keine. Seit 31. März herrscht zwischen 19 Uhr abends und 6 Uhr morgens Ausgangsbeschränkung. Die vor allem im ländlichen Raum unverzichtbaren Motorradtaxis (Boda-bodas) sind für den Personenverkehr verboten. Auch alle Grenzen sind zu, der Flughafen bis auf weiteres geschlossen.
Doch die Arbeit von KINDERN EINE CHANCE geht weiter. Wir haben ein fantastisches Team vor Ort auf das wir uns zu 100% verlassen können und das unglaublichen Einsatz zeigt. Mehr im Detail dazu weiter unten.

PATENPOST und -GESCHENKE
Davor noch eine Bitte an alle von euch, die eine Patenschaft haben:  Bitte heuer keine Patenbriefe mehr schicken. Es gibt derzeit keine Flugverbindungen nach Uganda und wir wissen auch nicht, wann es für uns wieder möglich sein wird nach Uganda zu reisen. Bei dieser ersten Reise werden wir all jene Geschenke mitnehmen, die wir bereits jetzt erhalten haben. Alle jene, die ihrem Patenkind gerne eine Geschenk machen möchten, bieten wir an, Schuhe für die Kinder aus unserer vereinseigenen Schusterei zu besorgen. Das funktioniert so: Ihr spendet einen zusätzlichen Betrag (ein Paar Schuhe kostet etwa 10 ,- Euro) und schickt uns ein Email mit dem Betreff: „Schuhe für NAME DES KINDES“. Unsere Sozialarbeiterinnen werden die Schuhe in der Schusterei bestellen und dann mit einem Gruß von Euch zu den Kindern bringen.
 
UNSERE ARBEIT IN ZEITEN VON CORONA

Unsere Patenkinder und Schulen
Auch in Uganda sind alle Schulen von staatlicher Seite geschlossen worden und eine baldige Öffnung ist noch nicht in Sicht. Damit fiel auch die Ausgabe der täglichen warmen Mahlzeit in den Schulen weg, was vor allem für die von uns betreuten Kinder massive Auswirkungen hatte. Bei vielen der Familien entfiel aufgrund der Krise auch die Möglichkeit der informellen Beschäftigung und damit das ohnehin schon geringe Einkommen. Hunger war die Folge. Über mehrere Wochen war es verboten das Haus zu verlassen. Wir bemühten uns umgehend eine Ausnahmegenehmigung vom Staat zu erhalten, um so rasch als möglich Lebensmittel und Seife an unsere Patenkinder und deren Familien verteilen zu können. Diese Lebensmittelhilfen dauern immer noch an. Unsere Sozialarbeiterinnen, aber auch die Mitarbeiter, die normalerweise im Porridge Programm arbeiten, leisten hier tolle Arbeit. Tausende Kilometer werden Woche für Woche mit schwer beladenen Motorrädern zurückgelegt, um die Familien zu erreichen.

Nach 8 Wochen gab es eine Lockerung der Ausgangssperre und wir haben unser Unterrichtssystem auf Kleingruppen Unterricht in den Dörfern umgestellt. Zu unterschiedlichen Zeiten treffen sich kleine Schülergruppen mit ihrer Lehrperson an verschiedenen öffentlichen Plätzen. Die Kinder bekommen dort kurze Lerneinheiten, können Fragen stellen, geben ihre gemachten Hausaufgaben ab und erhalten neue Arbeitsblätter oder Aufgaben, die sie in ihre Arbeitsbücher schreiben. Die Hausübungen werden dann von den Lehrerinnen und Lehrern kontrolliert und beim nächsten Treffen auch wieder korrigiert zurückgegeben.
 
Behindertenarbeit
Zumindest 3 unserer 4 Behinderteneinrichtungen durften mit strengen Auflagen den Betrieb wieder aufnehmen. Damit ist sichergestellt, dass zumindest der Großteil der Kinder mit Behinderung wieder gut versorgt ist. Denn für Kinder mit Therapiebedarf würde eine zu lange Therapiepause enorme Rückschritte bedeuten.  Auch unsere Therapeuten und Sozialarbeiter dürfen wieder Hausbesuche machen. So können wir auch die Kinder, die bei ihren Familien geblieben sind, zumindest regelmäßig zuhause besuchen, therapieren und ihnen Lebensmittel und die oft dringend benötigte Aufbaunahrung bringen.
 
HIV-Programm
Normalerweise müssen alle HIV-positiven Personen einmal monatlich zur Kontrolle ins Krankenhaus. Dort erhalten sie auch ihre Medikamente, die sie täglich einnehmen müssen. Nach wie vor ist das Fahren mit Motorrad Taxis verboten. Dies ist aber in den meisten Fällen die einzige Möglichkeit ins Krankenhaus zu kommen. KINDERN EINE CHANCE hat bereits sehr früh eine Ausnahmegenehmigung bekommen, um zumindest medizinische Notfälle ins Krankenhaus transportieren zu können. Damit die Betroffenen die Medikamente aber regelmäßig erhalten haben wir einen Lieferdienst aufgebaut, um die etwa 150 HIV positiven Kinder und Mütter zu versorgen. Dafür wird von unseren Sozialarbeiterinnen zuerst das Kontrollheft der HIV-positiven abgeholt, ins Krankenhaus gefahren, um schließlich die Tabletten zurück zu bringen.
 
Unser Wasserprogramm
Händewaschen, Händewaschen und nochmals Händewaschen. Die Hygieneratschläge sind hier wie dort dieselben. Doch in Uganda müssen die Kinder oft 30 Minuten und mehr zur nächsten Wasserstelle gehen, die dann nur ein offenes, schmutziges Wasserloch ist. Umso wichtiger ist die Arbeit unserer Wasserteams, die auch in Corona Zeiten unterwegs sind um Brunnen zu richten und zu rehabilitieren. In den letzten Wochen waren es im Durchschnitt jeweils 4 Tiefbrunnen pro Woche die rehabilitiert und der Dorfbevölkerung übergeben werden konnten. Ein enormer Beitrag zur Gesundheitsversorgung. Nicht nur in Corona Zeiten. 14.000 Todesfälle sind es laut WHO in Uganda, die jährlich die auf schlechte Wasserversorgung zurückzuführen sind.
 
Die Werkstätten und Baustellen
Sowohl in den Werkstätten als auch auf den unterschiedlichen Baustellen läuft der Betrieb wieder in vollem Umfang. So wird in Kamusenene ein vollkommen neuer Schulstandort aufgebaut. In Butimba wird an einem neuen Schulkomplex mit 12 Klassenräumen gearbeitet, und in Nateete entsteht ein umfangreiches Werkstättenareal für die Ausbildung in unterschiedlichen Handwerksberufen.
 
Die Einschränkungen die wir hier in Europa aufgrund der Pandemie erleben sind groß. Doch die ärmsten Bevölkerungsschichten in Ländern wie Uganda trifft es noch viel schlimmer. Darum bitten wir jene von euch, die die Möglichkeit haben zu spenden, unsere Arbeit auch weiterhin zu unterstützen und zu fördern. Wer das tun will kann das hier tun. Außerdem bitten wir euch uns auf Facebook und Instagram zu folgen und mal wieder einen Blick auf Youtube zu werfen. 
 
Mit Dank für all eure Unterstützung, den besten Wünschen und lieben Grüßen
 
Stefan Pleger und Gabi Ziller für das gesamte Team von KINDERN EINE CHANCE

#kinderneinechance #achanceforchildren