| 14. Septmeber - AIDS |
Computerkenntnisse gefragtIch war gerade dabei meine Duschwasserration aus den gelben Kanister in die zwei 1,5 Liter Flaschen zu füllen, als Ronaldo an der Tür klopft. Ronaldo ist die gute Seele hier im Entertainmentcenter, in dem ich lebe. Er ist Manager, Barmann, Putzmann, Wasserträger und Kleiderwäscher in Personalunion und macht seinen Job echt gut. Jemand sei hier für mich. Für Sonntagmorgen um halb acht eher ungewöhnlich, denn die Kinder würden direkt klopfen. Ich schlüpfe also in die Hose und verschiebe das Duschen. Es ist eine junge Dame, die sich als Computerlehrerin vorstellt und einen Job will. Nicht dass wir gerade jetzt jemanden mit dieser Qualifikation bräuchten, aber allein die Aussicht jemanden zu haben der am Computer arbeiten und irgendwann mal in der Schule unterrichten kann, ist verlockend. Trotz der etwas ungewöhnlichen Zeit für ein Vorstellungsgespräch hole ich also den Laptop und will die gute Dame testen. Nein also mit einem Laptop hat sie noch nicht gearbeitet, da kann sie es nicht, nur mit den normalen Computern. Allein das Anstecken wird zur unlösbaren Aufgabe... Langer Rede kurzer Sinn, sie entspricht nicht unbedingt dem, was ich mir unter einer qualifizierten Lehrperson vorstelle. Doch leider ist das hier Gang und Gebe. Auch Ronaldo hat mit seinen 23 Jahren schon Erfahrungen als Lehrperson gesammelt, und das obwohl er gerade mal Senior 2, also so unsere Hauptschule 2. Klasse abgeschlossen hat. Er hat zum Beispiel Geographie für Primary 5 unterrichtet erzählte er mir, und fragt zwei Sätze später ganz ungeniert, ob Austria eigentlich ein Kontinent ist. Als ich ihm erkläre, dass Austria ein Teil Europas ist, nickt er verständnisvoll ehe er seine nächste Frage stellt: “Does everybody speak German in Europe?” HIV und AIDSAm Nachmittag hat sich wieder eine unsere Kleinen beim Spielen weh getan. Wenn auch weit weniger als Tränen, aber trotzdem, es fließt auch Blut. Und wenn ich hier in Afrika Blut sehe, denke ich fast reflexartig an AIDS. Speziell bei unseren Kindern hier wissen wir, dass viele ihre Eltern durch AIDS verloren haben, und die Wahrscheinlichkeit, dass das eine oder andere Kind HIV positiv ist, ist relativ groß. Bei unserem Infoabend im April in Innsbruck kam die Frage auf, ob wir unsere Kinder nicht auf HIV testen lassen sollten. Eine Frage die mich ehrlich gesagt auch beschäftigt, aber was bringt‘s? Ja, das Wissen die oder der ist HIV positiv, aber was sind die Konsequenzen? Zuerst mal, was wissen wir Nichtmediziner eigentlich schon über HIV/AIDS.
Was ich so bis dato über HIV und AIDS gehört, gelesen und mir gemerkt habe ist schnell zusammen gefasst und muss nicht der Wahrheit entsprechen. Also: Das HI-Virus wird durch Geschlechtsverkehr und Blutkontakt übertragen, wobei der direkte Kontakt mit infiziertem Blut zigfach gefährlicher ist als der Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person. An der Luft kann das HI Virus über mehrere Stunden (manche sagen auch Tage) gefährlich bleiben, was zum Beispiel bei Schnittverletzungen mit herumliegenden Rasierklingen von Bedeutung sein kann. Gelangt das Virus ins Blut, greift es die weißen Blutkörperchen, die die Gesundheitspolizei unseres Körpers sind, an und verwandelt sie sozusagen von „guten“ zu „bösen Polizisten“. Es dauert eine Weile, bis das Virus soviel weiße Blutkörperchen umgemodelt hat, dass das HI-Virus im Körper eines Menschen nachweisbar ist. Daher bringt der sofortige HIV Test nach einer vermeintlichen Risikosituation auch nichts. So und dann ist der Mensch also HIV positiv.
Immer weniger gute weiße Blutkörperchen sind dann im Laufe
der Zeit im Körper vorhanden, und der CD 4 Wert sinkt immer weiter ab. Dieser
Wert gibt praktisch die Anzahl der guten
Teilchen an. Je kleiner der Wert ist desto schwächer ist unser Immunsystem. Der
Normalwert ist je nach Mensch unterschiedlich, liegt aber glaube ich bei weit
über 1000. Sinkt er unter eine bestimmt Grenze, die ich mit 250 im Gedächtnis
habe, spricht man von AIDS. Sagt man die Menschen sterben an AIDS stimmt das
eigentlich nicht wirklich. Es sind vor allem Krankheiten wie Tuberkulose oder Lungenentzündung
an denen die Menschen sterben. AIDS ist nur die Ursache, dass der Körper sich
gegen diese Krankheiten nicht mehr wehren kann. AIDS ist nach wie vor nicht
heilbar, aber - und das ist die gute Nachricht - zumindest für jene die es sich
leisten können: Vor allem durch Anti-Retrovirale Medikamente. Diese Medikamente fördern die Produktion der weißen Blutkörperchen und erhöhen damit den CD 4 Wert. Das Immunsystem wird gestärkt. Diese Medikamente sind schweineteuer, ermöglichen dem HIV positiven Menschen aber ein relativ gutes Weiterleben. Waren anfänglich unheimlich schwere Nebenwirkungen die Folgen dieser Medikamente, sind sie wohl mittlerweile so weiterentwickelt, dass sich die Nebenwirkungen wesentlich verringert haben. Einziger Schwachpunkt der Sache: Diese Medikamente sind vor allem in jenen 3.Welt-Ländern, in denen die Aidsraten unheimlich hoch sind, lange nicht für alle verfügbar, sprich bezahlbar. Ein Faktum das wohl nicht zuletzt dem Gewinnmaximierungsbestreben großer Pharmakonzerne zu verdanken ist. Böse Zungen behaupten sogar, dass viele der AIDS Präparate nur solange in den armen Ländern günstig verfügbar waren, bis sie ausreichend auf ihre Wirkung getestet waren... aber wie gesagt, das behaupten böse Zungen, ich weiß es nicht. Aber zurück zu der Frage was bringt es wenn wir unsere Kinder auf HIV testen lassen?Wir könnten unseren Kindern ja nicht einfach sagen: „Passt speziell bei der und dem auf wenn sie bluten, den die sind HIV positiv!“ Für die betroffenen Kinder wäre das eine Katastrophe. Wenn es nur darum geht für uns selbst das Wissen zu haben, um speziell bei den HIV positiven Kindern auf zu passen wäre es schlichtweg eine Frechheit. Darüberhinaus müssten wir sicherstellen können bei Bedarf die notwendigen Medikamente finanzieren zu können. Ansonsten wäre es schon recht zynisch ... AIDS in Uganda - Abstinenz, Be faithfull, CondomsWeil ich mich grad so ins Thema AIDS geschrieben habe: Vielleicht noch ein bisschen was zum Thema HIV/AIDS in Uganda. Anfang der Neunziger gab die WHO (World Health Organisation) die HIV-positv-Rate in der Altersgruppe der 15 bis 50 jährigen über gesamt Uganda noch mit etwa 16% an. Heute wird die Zahl 6,8% angegeben. Häufig wird Uganda als ein Beispiel für relativ erfolgreiche Aidsbekämpfung in Afrika angeführt. Propagiert wird hier das ABC-Programm. Abstinenz, Be faithfull, Condoms. Das mit den Zahlen ist immer so eine Sache. Man weiß nicht so recht, wie sind sie erhoben etc. Das hab ich grad kürzlich auch mit einem weißen Doktor diskutiert, der seit 14 Jahren hier arbeitet, und TB und HIV Spezialist ist. Er hat mir gesagt er kann mir nur eine Zahl mit Sicherheit nennen, und das ist die der HIV positiven in der Gruppe aller gebärenden Frauen in einem großen Krankenhaus in Kampala. Diese werden seit 12 Jahren alle auf HIV getestet. Vor 12 Jahren waren 35% aller werdenden Mütter die in diesem Krankenhaus entbunden haben HIV positv. Heute liegt diese Zahl bei 19%. Großteils wird diesen Frauen nicht gesagt, dass sie positiv sind, denn es würde ihre Situation nicht verbessern sondern verschlechtern. Natürlich ist klar, dass die HIV Rate in Kampala sicher weit höher ist, als im Durchschnitt des Landes. Trotzdem schockierend. Gut dann stellt sich doch gleich noch die für unser Projekt recht relevante Frage wie viele Kinder HIV positiver Mütter sind auch HIV positiv. Bis jetzt hab ich bei dieser Frage immer gesagt etwa 20 bis 25%. Das hab ich so gelesen. Was mir bis zu dem Gespräch mit besagtem Doktor aber nicht bekannt war ist, dass bis zum Zeitpunkt der Geburt nur etwa 5 % der Föten HIV positiv sind. Erst während der Geburt werden weitere 10 bis 15% mit HIV infiziert. Etwa weitere 5% werden dann durch das Bruststillen infiziert. Spätestens jetzt werden die meisten sagen, aber dann muss man doch den HIV positiven Müttern sagen sie dürfen ihre Kinder nicht stillen, sondern müssen ihnen Milchpulver geben. Für uns Europäer logisch, blöd nur, dass sich die meisten dieses hier durchaus erhältliche Nestle-Produkt nicht leisten könnten. Ganz zu schweigen, dass aufgrund des verunreinigten Wassers vermutlich gleichviele Kinder an Durchfall sterben würden, als an den Folgen von AIDS.
So, das war‘s für heute. Bin mal gespannt, ob ich was auf den Deckel bekomme, weil ich was falsches geschrieben habe. Aber wie gesagt, das ist das was ich als Nichtmediziner so über AIDS glaube zu wissen. Links zum Thema AIDS
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