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Home Reise-Tagebücher Februar 2008 29. Februar - Brief aus Zigoti
29. Februar - Brief aus Zigoti

Liebe Patinnen und Paten, liebe Interessierte,

Ich will Euch heute einfach mal schreiben, was hier in Zigoti so los ist, und versuchen Euch das Projekt noch etwas näher zu bringen. Ich kann mir vorstellen, daß es nicht leicht ist nach zu vollziehen wie die Situation hier so ist.

Gerade komme ich von einem Besuch bei einer Großmutter zurück. Sie hat 4 ihrer verwaisten Enkelkinder vor einiger Zeit ins Projekt gebracht, in der Hoffnung dort Unterstützung zu bekommen. Mit weiteren 4 Enkelkindern lebt sie auf engstem Raum, geschlafen wird am Boden. Ihr kleines Feld erbringt gerade so viel um nicht zu verhungern. Es ist nur zu verständlich, daß sie vier ihrer Enkel ins Projekt brachte.

Ian, der 22 jährige Gründer des Projektes hier hat große Hoffnungen geweckt, als er das Waisenkinderprojekt startete. Viele haben darin eine Chance gesehen, den Kindern denen sie nie selbst den Schulbesuch finanzieren könnten, so doch eine Ausbildung zukommen zu lassen.
 
Ian und Simon (zwei Waisen, die selbst Untertützung erhielten, und jetzt etwas zurückgeben wollen) haben unheimlich viel Energie und praktisch alles was sie durch ihre eigenen Jobs verdient haben in die Schulgelder der Kinder gesteckt.
 

Ich habe versucht in den letzten Tagen mehr über die Kinder zu erfahren. Die Schicksale ähneln sich meist.
Die Jüngeren kommen fast alle aus der Gegend hier. Fast alle sind Vollwaisen. Viel waren bis sie ins Projekt kamen bei ihren Großmüttern, die meist das Schicksal der alten Frau teilen, die ich eben besuchte. 
 
Die Älteren kommen zwar größtenteils auch aus der Gegend hier, verbrachten aber zwischenzeitlich einige Zeit auf der Straße in Kampala. Ian kennt sie von dort. Die Älteren sind auch fast alle in der „Artistengruppe" die versucht Geld für das Projekt auf zu treiben. Das bedeutet natürlich auch, daß sie nicht zur Schule gehen, auch wenn sie das gerne würden.
 

Ian und Simon, aber auch Grace und Francis, das ältere Ehepaar indessen Haus das Projekt jetzt beheimatet ist investieren unheimlich viel Herz und Engagement. Aber leider sind ihre „Managmentqualitäten" nur recht mangelhafte. Am liebsten würden sie jedes Waisenkind aufnehmen, das hierher gebracht wird. Jetzt arbeiten wir daran irgendwie ein Limit zu finden wieviele Kinder im Projekt wohnen können sollen. Für all diese wollen wir dann Paten gewinnen. Außerdem überlegen wir wieviele Waisenkinder zwar bei Verwandten leben, aber mit Schulgeld unterstützt werden können.  

Auch ganz konkret hat sich schon einges getan. Die kleine Küche, deren Rohbau hier aufgestellt worden ist, ist jetzt innen verputzt und hat einen Estrich bekommen. Auch ein gemauerter Waschtisch soll demnächst fertig werden. Das wir die Arbeit von Grace und Mariette die für die Kids kochen unheimlich erleichtern. Speziell wenn es wie jetzt draußen schüttet. Marietta ist übrigens Esthers Mutter und arbeitet im Projekt mit, ursprünglich hatte ich geglaubt sie sei Vollwaise. Sorry.  

Grundstück an Verein überschrieben

Wir haben bereits ein Grundstück erhalten, und zwar liegt es direkt beim jetzigen Projekt. Es gehörte Francis und Grace. Das Grundstück auf dem das, bzw die neuen Gebäude entstehen sollen ist im Beisein von der Bürgermeisterin und einem „Districtoffical" feierlich an das Projekt übertragen worden. Der Vertrag wurde nicht nur von Francis als Eigentümer des Grundstückes, sondern auch von Grace und allen ihren 4 noch lebenden Kindern unterzeichnet. Beglaubigt natürlich mit  Stempel und Fingerabdrücken. Von Seiten des Projektes haben Simon und Ian unterzeichnet und ich musste natürlich auch meinen Fingerabdruck daruntersetzen.  

Schule besucht

Natürlich habe ich auch ausführlich mit dem Direktor der nahegelegenen St. Marys Schule gesprochen. Das ist die Schule in die jetzt die Kinder gehen, für die wir schon die Patenschaften übernommen haben. Ich habe von mehreren seiten bestätigt bekommen, daß die Schule ein  sehr gutes Rating bekommen hat. Trotzdem ist der Standard mit dem unserer Schulen kaum zu vergleichen. In den unteren Klassen sind bis zu 50 Kindern, in den oberen Schulstufen werden es dann viel weniger, teilweisen nur noch 6 oder 7 Schüler. In den nicht privaten „Govermantalschools" die nur die unteren Schulstufen haben, sind es manchmal 150 Kinder auf einen meist nicht recht motivierten Lehrer.  
Das Schuljahr hat jetzt für die Kleinen um den 11. Feber, für die Älteren am 18.Feber angefangen. Das Schuljahr hat 3 Terms zu je 3 Monaten, dazwischen je einen Monat frei. Anfangen tun die Kinder in der „Baby Class" danach geht's in die „Top Class", praktisch Kindergarten oder Vorschule.  Dann geht's in die Primary 1 bis 7. Das entspricht etwa dem Hauptschulabschluss. Danach kommt die Secondary 1 bis 4. Wer S 4 geschafft hat, hat sowas wie Matura, die ist praktisch Voraussetzung für eine Berufsausbildung. Viele der Kinder gehen hier etwa bis zu Primary 5 und verlassen dann die Schule weil es nicht mehr zu finanzieren ist.  

Aber zurück zum Projekt. Morgen kommen die Älteren von der Artistengruppe aus Kampala zurück, wo sie einen Auftritt hatten. Die meisten wären jetzt in Primary 5 oder 6. Für den Direktor wäre es ok wenn sie jetzt noch in das Schuljahr einsteigen. Ich möchte ihnen anbieten, daß sie zur Schule gehen können, allerdings unter der Voraussetzung, daß die Vorführungen nur noch am Wochenende bzw in den Ferien gemacht werden können. Das bißchen Geld, das sie mit ein paar Vorführungen mehr verdienen wäre zwar wichtig für das Projekt, dafür aber die  Schule nicht zumindest bis Primary 7 ab zu schließen wäre schade.  

Außerdem werde ich schauen, daß Cissy, die Primary 7 mit gutem Erfolg abgeschlossen, so schnell als möglich in die Secondary 1 gehen kann. Ian konnte ihr letztes Jahr den Abschluss  der Primary 7 ermöglichen. Und jetzt würde sie gerne in die Secondary School gehen.   

Geld sammeln für Hausbau 

Kurz noch zum Bauen. Der Raum für die Kinder ist unbeschreiblich beengt. Ich könnte garkeine Matratzen oder Moskitonetze für die Kids kaufen, weil es schlichtweg keinen Platz gibt. Und jetzt wo die Regenzeit einsetzt sind die Kinder nachmittags oft in dem einzigen Raum zusammen gepfercht. Daher starten wir jetzt sozusagen in einem ersten Bauabschnitt ein kleines Haus mit zwei Räumen von je 20 m2.  Später soll es einmal mit einem überdachten Vorplatz mit einem zweiten ähnlichen Haus verbunden sein. Für einen qm Wohnraum rechne ich nach dem was ich jetzt so hier gelernt habe mit Kosten von etwa 40 Euro. Also wenn jemand jemanden kennt, der oder die  „KINDERN EINE CHANCE" geben will indem sie oder er einen Quadretmeter Wohnraum zur Verfügung stellt wäre das natürlich toll.   

So aber jetzt sollte ich Schluss machen, ich versuche ein paar Fotos anzuhängen. Ich bitte Euch Alle in Eurem Freundes- und Bekanntenkreis unser Projekt zu bewerben. Es wird sicher nicht alles 100 % klappen, und es wird sicher Rückschläge geben. Aber ihr könnt mir glauben es macht Sinn sich hier zu engagieren.  

Danke und liebe Grüße aus Zigoti Stefan

 

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