Das ugandische Schulsystem
Montags bringen wir Uli Huber zum Flughafen. Uli war ja hier, um sich über das Projekt im Allgemeinen und vor allem über die Schule, wo er ja ein Gebäude finanzierte, zu informieren. Dies nehmen wir zum Anlass, um euch heute einmal einen Einblick ins ugandische Schulsystem und die St. Mary's School, also die Schule, die die meisten unserer Patenkinder besuchen, zu berichten.
Eigentlich herrscht in Uganda Schulpflicht bis zur 7. Klasse der Primary School. Doch wie wir mittlerweile gelernt haben ist es mit der Schulpflicht genauso wie mit vielen Vorschriften in Uganda: es gibt sie zwar, aber das heißt nicht, dass sie auch befolgt wird (werden). Auch gibt es eigentlich in Uganda Schule, die kostenlos besucht werden können. Doch diese werden dann meist von Lehrern geführt, die selten ihr Gehalt (sollte vom Statt kommen) bekommen und folglich auch selten wirklich unterrichten. Außerdem ist in diesen Schulen der Schulbesuch an sich zwar gratis, aber die Hefte, Uniformen, der Bau der Latrine, die Jause, alles muss bezahlt werden. Also bleibt den Kindern, die wirklich was lernen wollen nur der Besuch einer Privatschule. Privatschule klingt für europäische Ohren vielleicht elitär, das ist hier aber nicht so. Privatschulen gibt es wie Sand am Meer. Manche Menschen gründen diese Schulen als persönliche Privatinitiative, d.h. Eine einzelne Person besitzt die Schule und hofft mehr Schulgebühren einzunehmen, wie er für die Lehrergehälter ausgeben muss, um so etwas zu verdienen. Dann gibt es Schulen wie unsere St. Mary's Primary School und die Zigoti Secondary School, die von einer Gruppe von Eltern und Lehrern gegründet wurden. Man spricht hier von einer „Community Based School“. Das heißt, dass die Eltern mit den den von ihnen gezahlten Schulgebühren direkt die Lehrergehälter finanzieren. Sollte Geld übrig bleiben, so wird das in die Erhaltung der Infrastruktur investiert. Und genau hier sitzt das Problem. Denn wo andere Schulen häufig Kinder nach Hause schicken, die die Schulgebühren nicht bezahlen, da zeigt der Direktor der St. Mary's School immer ein großes Herz. Cesar Lukango und seine Kollegin Faith, die Direktorin der Senior School, sind rundum bekannt, dass sie sich sozialen Härtefällen annehmen und diese Kinder auch unterrichten, wenn sie keine Schulgebühren zahlen können. Unsere Schulen sind also Sammelbecken für die ärmsten der Region, egal ob Waisen oder nicht. Dies war auch der ausschlaggebende Grund für unser Engagement in dieser Schule.
Unser erster Besuch in Zigoti - katastrophale Zustände
Als wir vor einem Jahr zum ersten Mal in Zigoti waren, stellte sich die Situation in der Schule wie folgt dar: gestampfter Erdboden in den heillos überfüllten Klassenzimmern, löchrige Dächer, kaum Zwischenwände, keine Tische, wenn überhaupt nur Bänke und in der ganzen Schule kein einziges Lehrbuch. Aber was uns positiv aufgefallen ist, sind die Personen, die dort agieren. Zwar waren und sind nicht alle Lehrer bestens qualifiziert, aber dennoch war der Großteil hochmotiviert. Allen voran natürlich Cesar Lukango. Ein Zeichen des sozialen Engagements des Lehrkörpers war auch, dass in der Schule nachts in zwei der Klassenräumen etwa 40 Waisenkinder, die sogenannten „School Dependers“, lebten.
Was wir bewirkt haben
Seit damals konnten wir einiges positiv verändern. Wir sichern durch regelmäßige Bezahlung der Schulgebühren für mittlerweile 130 Kinder einen großen Teil der Lehrergehälter. Der enorme Platzmangel konnte vor allem durch das von Uli Huber finanzierte Schulgebäude entschärft werden. In diesem Gebäude ist auch die neu installierte Schulbibliothek beheimatet. Außerdem finden hier der Schreibmaschinen- und der Förderunterricht statt und die „School Dependers“ haben einen Aufenthaltsraum, der intensiv genutzt wird. Mittlerweile ist die gesamte Schule an das zumindest ab und zu funktionierende öffentliche Stromnetz angeschlossen. Eine Voraussetzung für den in Zukunft hoffentlich regelmäßig stattfindenden Computerunterricht. Zwar konnten noch nicht für alle Unterrichtsgegenstände Lehrbücher angeschafft werden, doch zumindest gibt es 20 Bücher pro Klasse für die Hauptfächer der Primary School, sodass 2-3 Kinder in ein Buch schauen können.
Die Bibliothek besteht aus ein paar Büchern pro Altersklasse, aber das kann erst der Anfang sein, denn unsere lesebegeisterten Kinder kennen bald alle Bücher auswendig. Auch die Auswahl der Bücher, die wir hier anschaffen, ist nicht ganz unproblematisch, da wir natürlich die Erfahrungswelt der Kinder bedenken müssen. Denn was sollte ein Kind in Uganda mit dem Buch „The little snowman“ anfangen, wenn es sich überhaupt nicht vorstellen kann, was Schnee überhaupt ist. Oder für die älteren die Großstadterlebnisse mit U-Bahnen und Wolkenkratzern, wenn die Kinder noch nie mehr als ein zweistöckiges Haus gesehen haben. Wir sind sehr froh, dass Helen, die Bibliothekarin, sich sehr um die Auswahl der Bücher kümmert.
Was wir noch bewirken wollen
Auch konnten wir im letzten Jahr schon einige der Klassenräume renovieren und einige neue Schulmöbel anschaffen. Seit diesem Schuljahr gibt es auch Uhren und wir bemühen uns, nach unseren finanziellen Möglichkeiten, auch pädagogisches Material anzuschaffen. Trotzdem ist noch viel zu tun. Der finanziell sicher aufwendigste Brocken, der im nächsten Jahr auf uns zukommen wird, ist der Bau eines Internatsgebäudes für die School Dependers sowie einer Schulküche. Derzeit wird bei jeder Witterung im Freien auf dem offenen Feuer gekocht. Wahrlich keine leichten Arbeitsbedingungen für die Köchin, die alle rund 400 Schulkinder täglich mit Porridge versorgen muss und natürlich auch die dürftigen Mahlzeiten für die School Dependers zubereitet.
In weiterer Folge soll natürlich auch die Senior School renoviert werden. Derzeit sind die vier Klassen in einem einizigen großen, im Rohbau befindlichen, Raum untergebracht. Ohne Türen, Fenster oder Boden. Die Räume sind nur durch Bastmatten abgetrennt. Die Schüler sitzen gedrängt auf einfachen Holzbänken. Tische gibt es nur wenige.
Über die baulichen Maßnahmen hinaus haben wir auch begonnen, durch Lehrerfortbildungen die Qualität des Unterrichts zu verbessern.
Mit dem Abschluss der Senior 4 können die Schüler also in Zigoti das sogenannte “O”Level erreichen. Für besonders gute und eifrige Schüler haben wir uns aber vorgenommen, unsere Patenkinder zumindest bis zum “A” Level, den man für den Universitätsbesuch benötigt, zu unterstützen. Um dieses “A” Level zu erreichen müssen die Kinder auch noch Senior 5 und Senior 6 in Mityana, der 18 km entfernten Bezirkshauptstadt, besuchen. Derzeit haben wir 5 Jugendliche im Programm, die sich bereits auf ihr “A” Level vorbereiten.
Hans Ziller hat sich, als pensionierter Schuldirektor, während seines Besuchs in Zigoti intensiv mit der Schule befasst und seine Eindrücke (vor allem bildlich) auf einer kleinen Website dokumentiert
Schulinfos für Österreich, die Schweiz und DeutschlandBildung liegt uns aber nicht nur in Uganda am Herzen, sondern wir wollen auch in Österreich bei Schülern das Bewußtsein für die Lebensbedingungen in Uganda wecken. Daher gibt es ab jetzt auch eine eigene Rubrik auf dieser Homepage, die Unterrichtsmaterialien für Lehrer anbietet, die mit ihren Schülern zum Thema Afrika etwas erarbeiten wollen.
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