Kindern eine Chance Uganda Pleger Zechmann Ziller Zigoti Hilfe für Afrika Spenden
Home Reise-Tagebücher Jänner-März 2009 Woche 10: 9. bis 16. März
Woche 10: 9. bis 16. März

Guten Morgen

huehnerstall.jpgEs ist 7.15 Uhr in der Früh an einem Wochentag . Stefan hat gerade Kaffee gemacht und Gabi wird irgendwie wach. Kinderstimmen nähern sich. Janet bringt uns ihre zerrissene Uniform, die sie gerne noch vor der Schule genäht hätte. Susan, Babi und Robinahs Bleistifte sind zerbrochen bzw. verloren gegangen, da müssen neue her. Wir schicken Janet also zum Schulschneider (ein alter Mann, der seine noch viel ältere „Singer“ Nähmaschine vor der Schule aufgebaut hat und von hier aus arbeitet) und die anderen drei zu Ian, der die Hefte und Stifte der Kinder verwaltet. In Ruhe trinken wir die ersten Schlucke Kaffee, als Thomas vor uns steht. Eigentlich hat die Schule doch schon angefangen, also warum ist der da? Er sei hingefallen und der Fuß tut zu weh, um in die Schule zu gehen. Dass er den Weg vom Projekt zu uns auf die Farm gemeistert hat, scheint ihn dabei nicht zu stören. Ausnahmsweise lassen wir vorerst Milde walten, geben ihm ein Erdnussbutterbrot und lesen gemeinsam mit ihm eine Geschichte. Aber anschließend begleiten wir ihn ins Projekt, lassen ihn seine Uniform anziehen und er geht etwas widerwillig in die Schule.  Einen freien Tag hat er sich wohl gewünscht, der kleine Knirps, aber ganz so leicht lassen wir uns nicht täuschen.

Während Gabi Tom begleitet und in der Bibliothek den Laptop auspackt, um Tagebuch zu schreiben, bleibt Stefan auf der Farm. Die Bauarbeiten schreiten zügig voran, unser Hühnerstall ist im Entstehen (Bild links). Einen Stall, wie wir ihn gerne hätten, haben die Arbeiter hier noch nie gebaut, daher bedarf es dann doch einiger Aufsicht durch Stefan.

Große Pause

In der Schule ist gerade große Pause. An Ruhe ist da nicht zu denken, und das Tagebuch-Schreiben kann man ja später machen. Benahs Heft ist vollgeschrieben und sie kann Ian nirgends finden. Also fragt sie Gabi, ob sie ein neues Heft bekommt. Die Senior Students brauchen alle ein „Art Book“ und Zeichenbleistifte für den Unterricht, am besten jetzt und sofort. Das geht aber nicht, schließlich ist Ian der Projekleiter und er verwaltet Hefte, Stifte und vor allem das Geld für die Schulmaterialien. Außerdem müssen die Kinder auch lernen, ihre Wünsche ein wenig zu „planen“, sich also zu überlegen, dass es einer gewissen Vorlaufzeit bedarf, bis wir die Sachen organisieren. Ian ist ja normalerweise wirklich rund um die Uhr greifbar und daher sind es die Kinder nicht gewohnt, wenn er einmal nicht vor Ort ist. Natürlich findet sich dann ein anderes Heft für Benah, denn sie hat ja zum Schulanfang wie alle anderen Kinder im Programm auch, 12 Hefte bekommen. Da sie aber nur 7 oder 8 Fächer hat, sollte da ja noch ein Heft sein. Und so ist es dann auch, wir kramen ein wenig in ihrem Plastiksack, der als Schultasche dient, und ein neues, leeres Heft taucht auf. Die Art Books werden dann doch erst morgen gebraucht. Und für Jane in der Senior 4, die ihr „Mathematical Set“ (Zirkel, Lineal, Bleistift) verlegt hat, jetzt aber eine Matheprüfung hat, leihen wir uns von Julius das Set aus. Alles kein Problem.

cesar_mit_schautafeln.jpgDie Kinder gehen zurück in die Klassen und Stefan kommt nun auch in die Schule. Cesar (der Schuldirektor, Bild links) hat die Liste für die gewünschten Bücher für die Senior School fertig. Natürlich geht das ganze weit über das ursprünglich vereinbarte Budget hinaus. Also gehen wir die Bücher gemeinsam durch und erstellen eine Prioritätenliste. Ian kommt dazu. Er war den ganzen Vormittag unterwegs in verschiedenen Schulen und hat die verbleibenden Schulgebühren für die Patenkinder außerhalb der St. Mary's School bezahlt. (In Uganda ist es üblich, dass man die Schulgebühren pro Trimester nicht auf einmal bezahlt. Selbst, die die es sich leisten könnten, zahlen die erste Hälfte zu Beginn und die zweite Hälfte in der Mitte des Trimesters. So eben auch wir.) Gemeinsam besprechen wir nun alle den nächsten Lehrerworkshop, der am Wochenende ansteht. Diesmal soll es um die Erstellung von pädagogischem Material gehen. Unser Gespräch wird durch Geraldine unterbrochen, Sie ist die Klassenlehrerin der Primary 2. Ihr Vorbereitungsbuch ist schon voll und sie braucht ein Neues. Das weckt natürlich unsere Neugierde, wenn nach nur 4 Wochen Unterricht das 120 Blatt starke Buch schon vollgeschrieben ist. Nachdem wir den Lehrerworkshop fixiert haben, setzen wir uns in Geraldines Klasse, um zuzuhören. Unterrichtet sie wirklich das, was auch in ihrem Buch steht? Offenbar ja. Wir sind begeistert.

Mittagessen im Restaurant

Gabi will nun endlich Tagebuch schreiben, aber es gibt keinen Strom derzeit und der Laptop ist nicht aufgeladen. Stefan war währenddessen erfolgreicher, er hat beim Tischler die Türen für das neue Gebäude auf der Farm bestellt. Ein leerer Bauch studiert nicht gern und kann sich auch nicht um die Probleme der Kinder kümmern, also besuchen wir das Restaurant im Ort. Wenn wir schon mal da sind schauen wir auch gleich bei Florence vorbei. Sie war die, die im Februar einen Kreativworkshop für die Kinder gemacht hat. Sie bastelt sehr schöne Karten, die wir ihr nun abkaufen. Sie war wieder sehr fleißig und wir fahren mit 15 Karten zurück in die Schule. Immer noch kein Strom. Aber der Besuch bei Florence hat uns erinnert, dass wir noch den Kurs organisieren sollen, wie man die hier üblichen Matten flechtet.

Eines unserer Patenkinder, Brian, hat eine Tante, die unter ärmsten Verhältnissen lebt, aber das Mattenflechten beherrscht. Super, sie wird unsere Workshoplehrerin. Also fahren wir da hin und besprechen mit der Frau die Details. Sie wird die Farben zum Färben der Gräser besorgen. Wo man die Gräser findet und wie man die behandelt, wird sie den Kindern am Wochenende beibringen. Wir werden 6 Mädchen auswählen, die als erste Gruppe das Flechten lernen und ihr Wissen dann an andere Interessierte weitergeben können.

Nachmittag: Ernten und Spielen

feld.jpgZurück auf der Farm berichtet uns Josephine, dass die Tomaten reif zum Ernten sind. Ob sie das tun soll oder ob wir das den Kindern überlassen? Ein klarer Fall für Abdul unseren „Farmer“ unter den Kindern. Als er mit einer Gruppe Burschen nach der Schule Wasser zum Gießen bringt, übernimmt er gleich die Rolle des Lehrers. Er zeigt den Kleineren, welche Tomaten gepflückt werden sollen und welche noch ein paar Tage zum Reifen benötigen. Auch die Kleinsten wollen auf der Farm mitarbeiten, sie jäten gemeinsam mit Josephine Unkraut.

Nach getaner Arbeit wird gespielt – natürlich pädagogisch wertvoll. Wir machen Puzzles. Es ist unglaublich, was wir dabei erleben. Kaum eines der Kinder – und damit meinen wir alle Kinder von 5 bis 18 Jahren – hat je ein Puzzle gemacht. Es fehlt nicht nur an der Feinmotorik, um die passenden Teile zusammen zu fügen, sondern auch am Wahrnehmungsvermögen. Das Puzzle, das für dreijährige gedacht ist, bereitet unseren 8-jährigen echte Probleme. Und Aminah, bereits ins Senior 4, müht sich gemeinsam mit ihrer Schwester ab, um das 35 Teile Puzzle zusammen zu bauen. Da es kurz vor sieben ist, müssen die Kinder heim. Denn um 19:00 ist „Sperrstunde“ im Projekt und es gibt Abendessen. Auch die Schooldependers machen sich auf den Heimweg, nur Jacent, Viola und Gloria bleiben noch hier. Schüchtern fragen sie Gabi, ob sie mit ihr reden dürfen. Sie haben ihre Menstruation aber es fehlt an Damenbinden. Ob Gabi da vielleicht aushelfen könnte?  Klar, kann sie. Zwar nicht mit den Binden, aber immerhin mit dem Geld, um die zu kaufen. Die Mädels sind total happy und laufen gleich ins Geschäft.

Der Tag neigt sich dem Ende zu

Ein typischer Tag neigt sich dem Ende zu, aber nicht, bevor mindestens 7 oder 8 Senior Students noch mit Elephant Grass, Potato Leaves oder Banana Peels für die Kühe aufgetaucht sind. Es ist immer was los in Zigoti. Und da war doch noch was mit dem Tagebuch...

 

spendenbutton_rechts

Ihre Spende an uns ist steuerlich absetzbar!

Wir im Netz

facebook twitter youtube picasa

Aktuelle Bilder