Elternbesuchstage und noch mehr „Muzungus“
Die Woche stand ganz im Zeichen von Elternbesuchstagen in diversen Schulen. Am Sonntag wurden wir sehnlichst in „Ssingo Senior School“ in Mityana erwartet, wo unsere Senior 5 Schüler ja seit ein paar Wochen im Internat sind. Rachel, Josephine, Habiba und James geht es augenscheinlich sehr gut. Vor allem die Mädels haben schon einige Freundschaften geschlossen und sind auch mit der Wahl ihrer Fächer zufrieden. James beklagt sich, dass sein Geografieunterricht erst letzte Woche begonnen hat, aber ansonsten ist auch er zufrieden. Wir sitzen alle gemeinsam in der Bibliothek der Schule (wobei diese Bezeichnung ein wenig übertrieben scheint, da es im Verhältnis zur Anzahl der Schüler kaum Bücher zum Leihen gibt. Aber immerhin ein paar…) und ratschen ausführlich. Wir sind um 10:00 morgens gekommen, so wie Habiba es Ian am Telefon gesagt hat. Natürlich sind wir die ersten „Eltern“, die anderen verstehen unter 10:00 Uhr irgendwas zwischen später Vormittag und früher Nachmittag. Eigentlich sollten wir das mittlerweile ja wissen, aber das afrikanische Zeitverständnis ist doch nach wie vor nicht in uns übergegangen. Nachdem wir die mitgebrachten Essensvorräte (Brot, Obst, Kekse) übergeben haben und auch jedem ein T-Shirt geschenkt haben laden wir die Kids noch in die Stadt ins Internetcafé und zum anschließenden Mittagessen ein. Der Besuch im Internetcafé ist sicherlich DAS Highlight schlechthin für die Kinder. Sie haben ja bereits die Grundkenntnisse des Schreibmaschine-Schreibens erlernt und auch die ersten Erfahrungen am Laptop gesammelt. Nun haben wir ihnen allen eine Emailadresse eingerichtet und die Begeisterung ist grenzenlos, als sie uns zum ersten Mal eine Nachricht senden können. Auch das gemeinsame Mittagessen ist sehr lustig. Was die Jugendlichen verdrücken können ist faszinierend! Aber kein Wunder, schließlich bekommen sie in der Schule jeden Tag Posho (Maisbrei) mit Bohnen. 7 Tage die Woche! Als wir in die Schule zurückkommen sind mehr oder weniger alle Eltern eingetroffen und wir kommen gerade rechtzeitig zur Rede des Direktors. Zufrieden mit dem Befinden unserer Schützlinge verlassen wir Ssingo und besuchen auch noch Lucy, unsere erste Senior 6 Schülerin im Patenprogramm. Lucy’s Schule wurde vor zwei Jahren von einer privaten Gruppe gegründet und ist daher noch entsprechend klein. Aber dafür werden die Schüler wirklich persönlich betreut und wir hoffen, dass Lucy gut auf ihre Abschlussprüfung im Herbst vorbereitet wird. Ein Senior 6 Abschluss ist mit unserer Matura zu vergleichen und keine Selbstverständlichkeit in Uganda. Lucy freut sich sehr uns zu sehen und wir lernen ihre Freundinnen und die Direktorin kennen. Natürlich liefern wir auch hier Brot und Getränke ab, bevor wir uns auf den Heimweg machen.
In Zigoti hat sich die „Muzungu“ (= wir Weißen) Population mittlerweile verdoppelt. Stefans Bruder Wilfrid ist angekommen, er wird bis Anfang Mai hier bleiben, und sich vor allem um den Computerunterricht für Lehrer und Schüler kümmern. Seine Freundin Michaela begleitet ihn für die ersten drei Wochen. Die ersten Tage ihres Aufenthaltes haben die beiden mit einem kleinen Trip in den Westen Ugandas verbracht und nun nimmt sich Michaela dem Schreibmaschinen-Unterricht an. Helen, die Lehrerin und Bibliothekarin, und Betty, unsere angehende Lehrerin, wird Michi in den kommenden Tagen so weit bringen, dass sie dann selber wiederum Unterricht geben können. Einige andere Lehrer werden zumindest in die Fingergrundstellung (fdsa und jklö) eingeführt. Es ist eine ganz schöne Herausforderung Erwachsene dazu zu bringen, den Anweisungen der Lehrerin zu folgen. Die Lehrer sind es eben nicht gewöhnt, auch selber mal zuzuhören. Michaela ist schon erfreut, dass eine der Damen am zweiten Tag zumindest die Tasten trifft und nicht mehr immer zwei Buchstaben gleichzeitig schreiben will. Die Kinder sind auch wieder fleissig bei der Sache und Michis Nachmittage sind voll ausgebucht. Wilfrid kann sich natürlich auch nicht über mangelndes Interesse beklagen, im Gegenteil. Alle wollen an den neu mitgebrachten Laptops arbeiten. Mittlerweile haben wir 5 Laptops hier zur Verfügung. Wie teilt man Gruppen ein? Die Lehrer müssen zuerst die Grundkenntnisse der Schreibmaschine beherrschen, bevor sie an den Computer dürfen, denn sie sollen später ja dann ihr Wissen an die Kinder weitergeben. Die kleineren Kinder werden dann eben durch die Lehrer in den Genuss des Computerunterrichts kommen und so wird gemeinsam mit den Direktoren Cesar und Faith beschlossen, dass die Senior 4 Schüler und Schülerinnen die ersten sein werden, die Wilfrid unterrichtet, da sie ja das letzte Jahr in der St. Mary’s School sind. Jeden Nachmittag um 15:20 Uhr finden sich die Jugendlichen nun pünktlich in der Bibliothek ein und folgen brav den Ausführungen ihres österreichischen Lehrers. Die Wissbegierde ist enorm und sehr viele arbeiten abends dann noch weiter am Laptop und fordern Wilfrid am nächsten Tag mit durchdachten Fragen über das Gelernte heraus. Wir sind uns sicher, dass wir in den verbleibenden Wochen bis Wilfrids Heimreise hier wirklich mehr als nur das Grundwissen über die Arbeit am PC weitergeben können und so wieder einmal den Kindern bessere Chancen für ihre Zukunft geben können.
Am Freitag ist dann wieder ein Tag der offenen Tür, diesmal in unserer St. Mary's School. Die für die Region zuständige Parlamentsabgeordnete hat sich angesagt und jede Menge Eltern und Erziehungsberechtigte haben sich heraus geputzt und verfolgen stolz die Darbietungen ihrer Kinder. Von der Baby Class angefangen wir gezeigt, was man in den ersten Wochen des Trimesters schon gelernt hat. Die Kleinsten buchstabieren uns Wörter wie „girl“ oder „eight“, erklären uns die Farben und die Zahlen von 0 bis 9. Die größeren unterhalten uns mit Gedichten, Liedern und Tänzen. Natürlich gibt es jede Menge Reden und Ansprachen. Direktor Cesar Lukango bedankt sich vor den Anwesenden sehr nette bei Ian für all seine Bemühungen und sein Engagement. Ein toller Moment, der für Ians Selbstbewusstsein sehr wichtig ist. Ian arbeitet wirklich rund um die Uhr und unermüdlich für die Kinder und es tut einfach gut, wenn das auch von anderen gesehen und in aller Öffentlichkeit ausgesprochen wird. Abschließend wird sogar noch Essen wird für alle rund 300 Gäste serviert. Ein wirklich sehr netter und kurzweiliger Tag, an dem sich eindrücklich zeigt, wie dankbar unsere Unterstützung hier angenommen hat und wie sehr die Gemeinschaft unsere Arbeit auch honoriert.
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