| Woche 2: 13. bis 17.Januar 2009 |
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Das neue Gebäude bekommt Strom und die Kinder lernen tippen Stefan widmet sich am Dienstag vor allem seiner „Berufung“ als Elektriker. Er will das neue Schulgebäude an die Stromversorgung der Schule anschließen. Eine ziemliche Herausforderung, die er aber bravourös meistert. Die älteren Buben, die in der Schule leben, helfen beim Graben für das Kabel. Ein junger Absolvent der Schule hat sich angeboten, kostenlos die Endarbeiten zu erledigen und so hoffen wir, dass bereits nächste Woche in unserem neuen Schulgebäude Strom für den Computerunterricht vorhanden sein wird.Gabi widmet sich vor allem dem Schreibmaschinen-Unterricht. Wir teilen alle lernwilligen Kinder nun altersmäßig in Gruppen ein, und jede Gruppe erhält eine fixe Beginnzeit für den täglichen Unterricht. Mit den kleineren Kindern wird täglich eine halbe Stunde, mit den großen jeweils eine Stunde geübt. Am Nachmittag sind die Kinder aus dem Projekt dran, während am Vormittag die school dependers fleißig unter der Anleitung von uns tippen. Nachmittags von 15.00 bis 18.00 unterrichtet Aida (die wir letztes Mal fälschlicherweise als Aisha benannt haben, aber die Leute hier haben zig (Spitz-)Namen, da ist es oft schwer, den Überblick zu bewahren). Die Schüler der Senior School sind sehr lernfreudig und James, Gloria oder Babyrie haben schon fast alle Buchstaben drauf. Wir sind sehr froh, dass es sich gelohnt hat, die Schreibmaschinen von Völs nach Uganda zu transportieren (Danke an Bernhard Heuschneider für die tolle Spende!!!) Kohlernte und Besuch von der Behörde Den Mittwoch beginnen wir mit der Ernte auf unserer Farm, diesmal gibt es eine spezielle ugandische Gemüsesorte zu ernten (Vergleichbar mit Grünkohl). Gabi lernt das Gemüse nicht nur zu ernten sondern auch zu kochen (und es schmeckt auch wirklich gut!).Stefan verbringt den halben Tag mal wieder auf der Behörde in Mityana. Nach der Besprechung kommt „Mama Chamba“ das Projekt besuchen: sie ist in Uganda eine angesehene Persönlichkeit und arbeitet im Büro des Präsidenten. Es mag verwunderlich klingen, dass ein relativ kleines Projekt wie das unsere so rasch die Aufmerksamkeit aller möglichen Kreise auf sich gezogen hat. Die Erklärung - oder sagen wir ein Teil der Erklärung - ist sicher, dass wir uns strikt weigern für irgendwelche Genehmigungen, Bewilligungen ect. die weitgehend üblichen mehr oder weniger großen Bestechungsgelder zu zahlen. Das bedeutet, dass wir alle Genehmigungen hart erkämpfen müssen, und auch mal höhere Stellen angehen um uns zu helfen. Mama Chamba ist sehr angetan von unserer Arbeit und als sie sieht, dass es sogar Gemüse gibt, ist sie komplett aus dem Häuschen, wie gut es den Kindern geht. Sie will sich im Ministerium für uns einsetzen. Wir kommen unserem Ziel, ein in Uganda offiziell anerkanntes Waisenhaus zu sein, damit immer näher. In der Schule sind die Renovierungsarbeiten schon voll im Gang und die ersten beiden Klassenräume erhalten schon den neuen Boden und die Zwischenwand steht auch schon. Zwar muss Stefan immer mal wieder mit der Wasserwaage nachmessen, um das Gefälle des Bodens nicht zu steil werden zu lassen, aber die Arbeiter sind im Grunde sehr schnell und gewissenhaft bei der Arbeit. Einführung in ugandische Traditionen Am Nachmittag werden wir spontan von den Nachbarn der Schule zur „Farewell Party“ der Tochter eingeladen, die am Freitag in Kampala heiraten wird. Es ist Brauch, dass die Braut sich mit einem großen Fest (sofern das finanziell möglich ist) von ihrer Familie und der Dorfgemeinschaft verabschiedet. Diese Braut feiert richtig groß und es macht viel Spaß, alles live zu erleben. Wir kosten lokales Bier (wird aus Bananen gebraut) und beobachten fasziniert die diversen Reden und Rituale. Alle Gäste, auch die, die wie wir spontan dazu gekommen sind, bekommen reichlich zu essen. Nicht mal unsere Kinder, die sich das Spektakel natürlich auch nicht entgehen lassen, werden vergessen und können sich die Bäuche voll schlagen. Bevor der Kuchen angeschnitten wird, tanzt die Braut mit ihrer Trauzeugin für die Gäste und bedankt sich so bei allen für’s Kommen. Eine Soundanlage ist aufgebaut, deren Lautstärke wohl bis nach Mityana zu hören ist. Bis spät in die Nacht wird getanzt und musiziert.Neue Patenkinder Am Donnerstag beginnen Ian und Gabi mit den ersten Besuchen von Kindern, die gerne ins Patenprogramm aufgenommen werden wollen. Der erste Besuch führt uns ins 8km entfernte Malangala zu Aida Nazziwa und ihren Enkeln Justin Mariam, Jovia und Joel. Die alte Frau war vor einigen Tagen zu Fuß den ganzen Weg nach Zigoti marschiert, da sie von unserem Projekt gehört hatte und um Hilfe für ihre Enkel bat. Wir nehmen ein Motorcycle-Taxi („Boda-Boda“) und fahren los. Aida wartet schon an der Hauptstraße auf uns und wir folgen ihr ca. 15 Minuten zu Fuß bergauf zu dem Haus ihrer Schwester, wo sie mit ihren Enkeln lebt. Die beiden alten Frauen freuen sich unglaublich über unseren Besuch. Sie leben wirklich sehr einfach und finanzieren sich vor allem durch Matten-Flechten. Die Kinder sind zwischen 4 und 7 Jahren alt, besuchen die Baby Class, Top Class und Primary 2 der Bright Modern School in Malangala. Uns ist schnell klar, dass wir diese Familie unterstützen wollen und als wir mitteilen, dass wir die Kinder ins Programm aufnehmen, ist die Freude der Frauen enorm. Sie beten für uns, umarmen uns und schenken uns zum Abschied zwei Eier.
„Benchmarking“ in UgandaAuf der Rückfahrt sticht uns ein großes Anwesen auf einem Berg in Kiwawu ins Auge. Wir zweigen von der Hauptstraße dorthin ab und landen vor den Toren der „Royal School and Orphanage Kiwawu“. Wir werden sehr freundlich von zwei Guards am Hauptgate empfangen. Nachdem wir unsere Absicht, das Anwesen zu besuchen, da wir selber ein kleines Waisenhaus haben, kundgetan haben, macht sich ein Wärter auf, um unseren Besuch beim Direktor anzumelden. Leider dürfen wir keine Fotos machen, denn nur zu gerne hätte ich den Lesern des Tagebuchs das Anwesen gezeigt. Wir sehen zwei große Villen, in denen der Direktor und sein Stellvertreter wohnen. Dann sehen wir ein paar Schlaf- und Toilettenhäuser für die Kinder. Der Wärter erzählt uns, dass reiche Amerikaner aus Georgia die Schule finanzieren, dass rund 450 Kinder hier ein neues Zuhause finden und dass es sogar Wasserspülung in den Toiletten gibt. Irgendwie erscheint uns alles zwar total modern und schön aber einfach komplett abgehoben: Wasserklos für 450 Kinder, wenn rundherum die Kinder teils eine halbe Stunde laufen müssen um Wasser zu holen. Und selbst dann ist die Qualität des Wassers sehr schlecht. Leider kann uns der Direktor heute nicht empfangen aber wir wollen wiederkommen, wenn die Schule angefangen hat, und uns dann alles zeigen lassen (und Fotos machen!)Besuche bei „neuen“ und „alten“ Patenkindern. Die restliche Woche verbringen wir mit mehr Schreibmaschinen-Unterricht, mit Einkaufen von neuer Kleidung für die Kinder, die wir bei Familien unterstützen und mit einigen Besuchen bei neuen Patenkindern. Ian und Gabi fahren mit den Rädern zu den Familien und immer wieder ist Gabi beeindruckt von der Schönheit der Landschaft hier. Die Umstände, unter denen die Familien leben sind immer sehr einfach, aber meistens schaffen es die Frauen dennoch ein sauberes und ordentliches Umfeld für ihre Schützlinge zu schaffen. Wir besuchen aber auch jene Kinder, die bereits im Programm sind. Als wir zu Maria Nabiseres Haus kommen (wir unterstützen 5 ihrer Enkelkinder) läuft uns das älteste Mädchen Maria Nasozi (Patenkind von Herbert B.) freudestrahlend entgegen. Sie ist total aufgeregt, dass wir sie besuchen. Ihr Englisch ist richtig gut und sie erzählt, dass sie sich schon wieder sehr auf die Schule freut. Leider hat die Großmutter eine schwere Augenentzündung und ist im Krankenhaus und so kümmert sich die junge Tante Olivia um die 5 gesunden Kinder und vor allem um die behinderte Maria (II). Keine leichten Lebensumstände, die wir hier vorfinden, aber eine unglaubliche Lebensfreude, die uns entgegen schlägt. Beeindruckend. Für alle interessierten Paten: Es ist uns einfach aus Zeitgründen nicht immer möglich zu jedem einzelnen Kind ausführlich zu berichten, aber wir versuchen in unserer Fotogalerie möglichst viele Bilder zu veröffentlichen, die auch die Kinder und deren Lebensumstände zeigen.
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