Österreicher in Uganda
Am Sonntag besuchen wir die Schwestern in Kyengeza. Dort leben
österreichische Ordensschwestern, dir eine Schule und eine Farm
betreiben. Wir treffen Sr.Elisabeth (Bild links), die Stefan bereits von früheren
Besuchen kennt. Sie ist vor allem für die Landwirtschaft zuständig und
wir wollen uns mit ihr über den Aufbau unserer Demonstration Farm
unterhalten. Als wir im ca. 15 Minuten entfernten Kyengeza eintreffen,
geht die Frühmesse gerade zu Ende. Die Kirche ist brechend voll und
obwohl wir die Sprache nicht verstehen, können wir dem Ablauf der Messe
dennoch folgen. Einige unserer Kinder aus dem Projekt sind auch hier.
Die Mädchen gehen jeden Sonntag brav um 7:00 zur Kirche. Sr.Elisabeth
freut sich sehr über unseren Besuch. Wir lernen, dass sie mittlerweile
eine neue Aufgabe in Mityana übernommen hat – sie baut dort das
katholische Seminarzentrum „Mizigo“ auf. Aber Kyengeza ist und bleibt
ihr Zuhause. Sie ist erfreut, dass wir uns nun auch für Landwirtschaft
interessieren und sie empfiehlt uns auch gleich einen ihrer
Schützlinge, Josephine, für den Unterricht der Kinder auf der Farm. Wir
lernen die junge Frau kurz kennen und verabreden uns mit ihr für den
nächsten Tag in Zigoti. Sr.Elisabeth wird uns hoffentlich auch bald
besuchen und wir wollen dann gemeinsam Kaiserschmarrn kochen. Außerdem
sagen wir der engagierten Ordensfrau zu, drei ihrer Schützlinge
zukünftig in der Berufsausbildung ein wenig finanziell zu unterstützen,
da sie sich hart bemüht haben, aber Schwester Elisabeth nicht für alle
der Kinder eine gute Ausbildung finanzieren kann.
Nachdem wir uns noch ein wenig auf dem Klostergelände umgesehen haben
machen wir uns wieder Richtung Zigoti auf, wo wir einer Einladung
folgen: die Nachbarn des Projektes haben uns eingeladen, an der
Geburtstagsfeier des Sohnes teilzunehmen. Die Feier besteht aus einigen
Reden (vor allem durch die Bürgermeisterin) und aus viel Essen. Wir
können alles probieren, was es in der Region so gibt: Matoke (Kochbananen, Bild links),
Kartoffeln, Süsskartoffeln, Reis, Erdnuss-Sauce, Melanzani, Gemüse und
Huhn. Von allem gibt es reichlich und alles schmeckt vorzüglich.
Wiedersehen mit Father Joseph
Montag Vormittag widmen wir uns vor allem der Besichtigung der Farm mit
Josephine (Bild links: Vorstellungsgespräch von Josephine), Ian und unserem Arbeiter David. Josephine hat viel
theoretisches Wissen, wie es mit der Umsetzung in die Praxis aussieht,
muss sie uns noch beweisen. Wir können uns auf ein Arbeitsverhältnis
einigen und sie wird am Mittwoch ihr Zimmer im Projekt beziehen.
Am Nachmittag treffen wir Father Joseph aus Madudu in Mityana, wo er an
einem Diozösen-Treffen teilnimmt. Das Wiedersehen ist sehr herzlich und
freundschaftlich. Leider ist sein Motorrad kaputt und daher bringt ein
Besuch bei ihm derzeit wenig, da wir unsere Patenkinder in Madudu
eigentlich nur per Motorrad besuchen können. Father Joseph will die
Ersatzteile am Dienstag in Kampala besorgen und danach werden wir uns
einen Termin ausmachen. Er berichtet, dass es den Kindern großteils
sehr gut geht. Im Herbst hat es in Madudu ungewöhnlich viel geregnet
und daher waren sehr viele Kinder lange krank, was sich auf die
schulische Leistung teils drastisch ausgewirkt hat. Wir können nur
ahnen unter welch widrigen Umständen die Kinder wohl gelebt haben
müssen. Ist das Leben in den Lehmhütten in der Trockenzeit schon
beschwerlich, so muss es während wochenlangen Regenphasen ein absoluter
Albtraum sein. Positiv ist, dass es Gertrud besser geht, dass sie die
Nähmaschine die wir ihr finanziert haben fleißig einsetzt und dass sie
plant, nun alle ihre Kinder (auch Sylvia) wieder zu sich zu holen.
Wir gehen noch mit Shane, dem irischen Buchhalter der Diozöse,
Abendessen, bevor wir wieder nach Zigoti fahren. Während es in Mityana
nur wenig geregnet hat, hat es in Zigoti ein richtiges Unwetter
gegeben. Unser Zimmer und die Küche sind ziemlich nass, da wir leider
das Haus mit offenen Fenstern verlassen haben. Aber es soll nichts
Schlimmeres passieren, so wird wenigstens gleich mal alles ausführlich
gewischt.
Verfrühte Regenzeit und unser erster Gast
Als ob es gestern nicht genug geregnet hätte, beginnt der Dienstag
wieder stark bewölkt und der Himmel öffnet immer wieder seine
Schleusen. Nicht nur wir sind überrascht, dass die Regenzeit wohl jetzt
schon beginnt. Wir checken nochmal in unserem Reiseführer - nein, wir
haben uns nicht getäuscht: hier steht es schwarz auf weiß, Jannuar und
Februar seien die trockensten und heißesten Monate. Heiß war es bis
gestern auch, aber trocken ist es jetzt erstmal nicht mehr. Während wir
noch die letzten Spuren vom gestrigen Unwetter beseitigen, ruft uns
Father Joseph an, dass er heute bei uns übernachten will. Unser erster
richtiger Besuch! Die Mädchen helfen uns fleißig beim Wischen des
Bodens, Bett machen und aufräumen. Als der junge Priester am Nachmittag
eintrifft erwartet ihn ein schönes Gästezimmer und er ist sehr angetan
von unserem Heim, aber vor allem von dem, was sich im Projekt und bei
den Kindern so getan hat. Der Abend ist wirklich total nett und wir
tratschen bei Spagetti und Bier bis spät in die Nacht.
Noch mehr Regen und Bauarbeiten auf der Farm
Die letzten zwei Wochen waren schon sehr intensiv und irgendwie sind
wir heute müde. Dazu trägt sicher auch das trübe und kühlere Wetter
bei. Heute beginnen die Bauarbeiten für den Schweinestall auf der Farm
und Josephine plant das erste Gemüsebeet. Die Kinder werden zum
Mitarbeiten eingeteilt und erwartungsgemäß sind nicht alle vom Arbeiten
begeistert. Aber schlussendlich trägt jeder seinen großen und kleinen
Teil bei: die einen graben den Acker um, die anderen holen Wasser und
die restlichen jäten Unkraut. Unterbrochen wird die Arbeit immer wieder
durch Regengüsse, während denen sich die Kinder und auch die Arbeiter
immer wieder in unser Gästezimmer zurückziehen. Wir bemühen uns, die
Kinder mit Spielen bei Laune zu halten. Gott sei Dank hat uns Theresia
zu unserer Abreise mit einigen Ideen für einfache Spiele, für die man
keine Utensilien braucht, ausgestattet und wir testen mal, was auf
kleinstem Raum so durchführbar ist. Nicht immer sehr erfolgreich, aber
doch lustig!Wenn das mit dem Wetter so weitergeht, werden sich die
Bauarbeiten wohl länger hinziehen als erwartet. Mal schauen.
Gesunde Kinder, neue Lehrer und hoher Besuch
Die ohnehin sehr aufregende und intensive Woche endet mit einem
arbeitsintensiven Freitag: Im Projekt checkt eine Ärztin alle unsere
Kinder durch. Gabi spielt Arzthelferin und dokumentiert die Diagnose
und die Krankengeschichte für jedes Kind. So soll es in Zukunft
einfacher sein, die Kinder zu behandeln. Alle müssen entwurmt werden,
einige sollen Antibiotika gegen hartnäckige Bronchitis bekommen. Vor
allem von den Kleinen werden viele den Zahnarzt aufsuchen müssen, denn
die schlechten Zähne führen oft zu zusätzlichen Infektionen in der
Lunge oder im Darm. Bei drei Kindern werden Bluttests gemacht, die
zweimal Typhus und drei Mal Malaria nachweisen. Zwei ältere Mädchen
fahren am Samstag gleich mit der Ärztin nach Kampala um ihre Augen
kontrollieren zu lassen, denn hier vermuten wir Sehschwächen. Die
Untersuchungen haben sich auf alle Fälle ausgezahlt und wenn die
Behandlung nun auch anschlägt, haben wir bald lauter „pumperl g'sunde“
Kinder. Erfreulich war, dass die Kinder grundsätzlich körperlich in
guter Verfassung sind und dass die Ärztin auch die gute Ernährung lobt.
Nur einmal wöchentlich soll es nun eine spezielle Fischart geben, die
in die Bohnensauce gemischt wird, und die Köchin soll ab und zu
Knoblauch verwenden, um die Abwehrkräfte zu stärken. Wenn's nicht mehr
ist!
Stefan widmet sich einer anderen interessanten Aufgabe: Er ist bei den
Interviews für die neuen Lehrer in der Schule anwesend. Wir wollen ja
nicht nur die Gebäude der Schule renovieren (Bild links) sondern auch das Niveau des
Unterrichts verbessern. Aus diesem Grund wurde in den letzten Tagen im
Radio Werbung für die freien Stellen gemacht. Einige neue Bewerbungen
sind eingetroffen, aber auch die bisherigen Lehrer müssen sich erneut
bewerben, was auch fast alle getan haben. Zwei Herren der Schulbehörde
aus Kampala, der Direktor und Stefan bilden also die Kommission, vor
der sich die Bewerber einzeln präsentieren. Teilweise ist das Niveau
wirklich erschreckend. Die Mathematik Aufgabe (eine einfache Gleichung)
kann keiner der Bewerber auf Anhieb lösen. Teilweise stellen sich aber
auch sehr engagierte Leute vor, von denen man sich vorstellen kann,
dass sie die Kinder zum Lernen animieren und ihnen was beibringen
können. Am Samstag gehen die Vorstellungsgespräche weiter und dann
unterbreitet die Schulbehörde einen Vorschlag, wer aufgenommen werden
soll. Caesar kann und will sich dann an diesen Vorschlag halten. Wir
sind gespannt, wie viele aus dem bisherigen Lehrkörper erneut
aufgenommen werden.
Am Nachmittag besucht uns Maria, die ja im Herbst mit dem Aufbau der
Demonstration Farm beginnen sollte. Nachdem sie aber ihr Baby bekommen
hatte, konnte sie sich der Aufgabe nicht mehr im von uns gewünschten
Ausmaß widmen. Wir erfahren, dass sie mittlerweile die Lebensgefährtin
von Joseph Musoke, dem Landeshauptmann der Region hier ist. Wir haben
ihn bereits bei der der Eröffnung der Schule kennen gelernt. Maria
erzählt uns, dass unser Projekt in der Regierung bereits bekannt ist
und vor allem sehr begrüßt wird, da wir wohl die einzige Organisation
sind, die sich in der Region Zigoti engagiert. Joseph will Maria abends
abholen und uns treffen. Da er erst sehr spät aus Kampala kommt,
schlafen die Kinder bereits und so laden wir ihn zu uns ein und
verschieben den Besuch des Projektes auf nächste Woche. Er will dann
auch einige seiner Mitarbeiter aus diversen Ämtern einladen, nach
Zigoti zu kommen. Für uns eine große Ehre und eine Chance, uns in den
politischen Kreisen noch bekannter zu machen. Nach wie vor gibt es ab
und an Quertreiber in der Bevölkerung, die aus purem Neid versuchen,
dem Projekt zu schaden. Da kann politische Unterstützung gegebenenfalls
hilfreich sein und daher freuen wir uns sehr auf das Treffen am
Mittwoch.
Davor haben wir aber noch eine andere Einladung, der wir gerne folgen.
Am 26.1. haben wir eine Einladung zu den offiziellen Feierlichkeiten
des 23. Geburtstages des NRM (National Resistance Movements), der
Bewegung von Präsident Museveni, in Kampala. Unser Schulchor (bestehend
ausschließlich aus von von unterstützten Kindern) wird dort als einer
von nur 2 Chören des ganzen Landes zwei Lieder vortragen. Und wir
dürfen das alles von der VIP Tribüne aus verfolgen!
Wir sind schon sehr
gespannt, was uns da erwartet!
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