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Home Reise-Tagebücher Jänner-März 2009 Woche 3: 18. bis 21. Januar
Woche 3: 18. bis 21. Januar

Österreicher in Uganda

1_schwester_elisabeth_und_gabi.jpgAm Sonntag besuchen wir die Schwestern in Kyengeza. Dort leben österreichische Ordensschwestern, dir eine Schule und eine Farm betreiben. Wir treffen Sr.Elisabeth (Bild links), die Stefan bereits von früheren Besuchen kennt. Sie ist vor allem für die Landwirtschaft zuständig und wir wollen uns mit ihr über den Aufbau unserer Demonstration Farm unterhalten. Als wir im ca. 15 Minuten entfernten Kyengeza eintreffen, geht die Frühmesse gerade zu Ende. Die Kirche ist brechend voll und obwohl wir die Sprache nicht verstehen, können wir dem Ablauf der Messe dennoch folgen. Einige unserer Kinder aus dem Projekt sind auch hier. Die Mädchen gehen jeden Sonntag brav um 7:00 zur Kirche. Sr.Elisabeth freut sich sehr über unseren Besuch. Wir lernen, dass sie mittlerweile eine neue Aufgabe in Mityana übernommen hat – sie baut dort das katholische Seminarzentrum „Mizigo“ auf. Aber Kyengeza ist und bleibt ihr Zuhause. Sie ist erfreut, dass wir uns nun auch für Landwirtschaft interessieren und sie empfiehlt uns auch gleich einen ihrer Schützlinge, Josephine, für den Unterricht der Kinder auf der Farm. Wir lernen die junge Frau kurz kennen und verabreden uns mit ihr für den nächsten Tag in Zigoti. Sr.Elisabeth wird uns hoffentlich auch bald besuchen und wir wollen dann gemeinsam Kaiserschmarrn kochen. 1_matoke_schaelen_fuer_das_geburtstagsfest.jpgAußerdem sagen wir der engagierten Ordensfrau zu, drei ihrer Schützlinge zukünftig in der Berufsausbildung ein wenig finanziell zu unterstützen, da sie sich hart bemüht haben, aber Schwester Elisabeth nicht für alle der Kinder  eine gute Ausbildung finanzieren kann.

Nachdem wir uns noch ein wenig auf dem Klostergelände umgesehen haben machen wir uns wieder Richtung Zigoti auf, wo wir einer Einladung folgen: die Nachbarn des Projektes haben uns eingeladen, an der Geburtstagsfeier des Sohnes teilzunehmen. Die Feier besteht aus einigen Reden (vor allem durch die Bürgermeisterin) und aus viel Essen. Wir können alles probieren, was es in der Region so gibt: Matoke (Kochbananen, Bild links), Kartoffeln, Süsskartoffeln, Reis, Erdnuss-Sauce, Melanzani, Gemüse und Huhn. Von allem gibt es reichlich und alles schmeckt vorzüglich.

 

Wiedersehen mit Father Joseph

2_vorstellungsgespraech_josephine.jpgMontag Vormittag widmen wir uns vor allem der Besichtigung der Farm mit Josephine (Bild links: Vorstellungsgespräch von Josephine), Ian und unserem Arbeiter David. Josephine hat viel theoretisches Wissen, wie es mit der Umsetzung in die Praxis aussieht, muss sie uns noch beweisen. Wir können uns auf ein Arbeitsverhältnis einigen und sie wird am Mittwoch ihr Zimmer im Projekt beziehen.

Am Nachmittag treffen wir Father Joseph aus Madudu in Mityana, wo er an einem Diozösen-Treffen teilnimmt. Das Wiedersehen ist sehr herzlich und freundschaftlich. Leider ist sein Motorrad kaputt und daher bringt ein Besuch bei ihm derzeit wenig, da wir unsere Patenkinder in Madudu eigentlich nur per Motorrad besuchen können. Father Joseph will die Ersatzteile am Dienstag in Kampala besorgen und danach werden wir uns einen Termin ausmachen. Er berichtet, dass es den Kindern großteils sehr gut geht. Im Herbst hat es in Madudu ungewöhnlich viel geregnet und daher waren sehr viele Kinder lange krank, was sich auf die schulische Leistung teils drastisch ausgewirkt hat. Wir können nur ahnen unter welch widrigen Umständen die Kinder wohl gelebt haben müssen. Ist das Leben in den Lehmhütten in der Trockenzeit schon beschwerlich, so muss es während wochenlangen Regenphasen ein absoluter Albtraum sein. Positiv ist, dass es Gertrud besser geht, dass sie die Nähmaschine die wir ihr finanziert haben fleißig einsetzt und dass sie plant, nun alle ihre Kinder (auch Sylvia) wieder zu sich zu holen.
Wir gehen noch mit Shane, dem irischen Buchhalter der Diozöse, Abendessen, bevor wir wieder nach Zigoti fahren. Während es in Mityana nur wenig geregnet hat, hat es in Zigoti ein richtiges Unwetter gegeben. Unser Zimmer und die Küche sind ziemlich nass, da wir leider das Haus mit offenen Fenstern verlassen haben. Aber es soll nichts Schlimmeres passieren, so wird wenigstens gleich mal alles ausführlich gewischt. 

Verfrühte Regenzeit und unser erster Gast

3_das_erste_abendessen_mit_gaesten.jpgAls ob es gestern nicht genug geregnet hätte, beginnt der Dienstag wieder stark bewölkt und der Himmel öffnet immer wieder seine Schleusen. Nicht nur wir sind überrascht, dass die Regenzeit wohl jetzt schon beginnt. Wir checken nochmal in unserem Reiseführer - nein, wir haben uns nicht getäuscht: hier steht es schwarz auf weiß, Jannuar und Februar seien die trockensten und heißesten Monate. Heiß war es bis gestern auch, aber trocken ist es jetzt erstmal nicht mehr. Während wir noch die letzten Spuren vom gestrigen Unwetter beseitigen, ruft uns Father Joseph an, dass er heute bei uns übernachten will. Unser erster richtiger Besuch! Die Mädchen helfen uns fleißig beim Wischen des Bodens, Bett machen und aufräumen. Als der junge Priester am Nachmittag eintrifft erwartet ihn ein schönes Gästezimmer und er ist sehr angetan von unserem Heim, aber vor allem von dem, was sich im Projekt und bei den Kindern so getan hat.  Der Abend ist wirklich total nett und wir tratschen bei Spagetti und Bier bis spät in die Nacht.

Noch mehr Regen und Bauarbeiten auf der Farm

4_das_fundament_des_schweinestalls_ist_im_entstehen.jpgDie letzten zwei Wochen waren schon sehr intensiv und irgendwie sind wir heute müde. Dazu trägt sicher auch das trübe und kühlere Wetter bei. Heute beginnen die Bauarbeiten für den Schweinestall auf der Farm und Josephine plant das erste Gemüsebeet. Die Kinder werden zum Mitarbeiten eingeteilt und erwartungsgemäß sind nicht alle vom Arbeiten begeistert. Aber schlussendlich trägt jeder seinen großen und kleinen Teil bei: die einen graben den Acker um, die anderen holen Wasser und die restlichen jäten Unkraut. Unterbrochen wird die Arbeit immer wieder durch Regengüsse, während denen sich die Kinder und auch die Arbeiter immer wieder in unser Gästezimmer zurückziehen. Wir bemühen uns, die Kinder mit Spielen bei Laune zu halten. Gott sei Dank hat uns Theresia zu unserer Abreise mit einigen Ideen für einfache Spiele, für die man keine Utensilien braucht, ausgestattet und wir testen mal, was auf kleinstem Raum so durchführbar ist. Nicht immer sehr erfolgreich, aber doch lustig!Wenn das mit dem Wetter so weitergeht, werden sich die Bauarbeiten wohl länger hinziehen als erwartet. Mal schauen.

Gesunde Kinder, neue Lehrer und hoher Besuch

5_aerztliche_untersuchung_unserer_kinder.jpgDie ohnehin sehr aufregende und intensive Woche endet mit einem arbeitsintensiven Freitag: Im Projekt checkt eine Ärztin alle unsere Kinder durch. Gabi spielt Arzthelferin und dokumentiert die Diagnose und die Krankengeschichte für jedes Kind. So soll es in Zukunft einfacher sein, die Kinder zu behandeln. Alle müssen entwurmt werden, einige sollen Antibiotika gegen hartnäckige Bronchitis bekommen. Vor allem von den Kleinen werden viele den Zahnarzt aufsuchen müssen, denn die schlechten Zähne führen oft zu zusätzlichen Infektionen in der Lunge oder im Darm. Bei drei Kindern werden Bluttests gemacht, die zweimal Typhus und drei Mal Malaria nachweisen. Zwei ältere Mädchen fahren am Samstag gleich mit der Ärztin nach Kampala um ihre Augen kontrollieren zu lassen, denn hier vermuten wir Sehschwächen. Die Untersuchungen haben sich auf alle Fälle ausgezahlt und wenn die Behandlung nun auch anschlägt, haben wir bald lauter „pumperl g'sunde“ Kinder. Erfreulich war, dass die Kinder grundsätzlich körperlich in guter Verfassung sind und dass die Ärztin auch die gute Ernährung lobt. Nur einmal wöchentlich soll es nun eine spezielle Fischart geben, die in die Bohnensauce gemischt wird, und die Köchin soll ab und zu Knoblauch verwenden, um die Abwehrkräfte zu stärken. Wenn's nicht mehr ist!

5_schule.jpgStefan widmet sich einer anderen interessanten Aufgabe: Er ist bei den Interviews für die neuen Lehrer in der Schule anwesend. Wir wollen ja nicht nur die Gebäude der Schule renovieren (Bild links) sondern auch das Niveau des Unterrichts verbessern. Aus diesem Grund wurde in den letzten Tagen im Radio Werbung für die freien Stellen gemacht. Einige neue Bewerbungen sind eingetroffen, aber auch die bisherigen Lehrer müssen sich erneut bewerben, was auch fast alle getan haben. Zwei Herren der Schulbehörde aus Kampala, der Direktor und Stefan bilden also die Kommission, vor der sich die Bewerber einzeln präsentieren. Teilweise ist das Niveau wirklich erschreckend. Die Mathematik Aufgabe (eine einfache Gleichung) kann keiner der Bewerber auf Anhieb lösen. Teilweise stellen sich aber auch sehr engagierte Leute vor, von denen man sich vorstellen kann, dass sie die Kinder zum Lernen animieren und ihnen was beibringen können. Am Samstag gehen die Vorstellungsgespräche weiter und dann unterbreitet die Schulbehörde einen Vorschlag, wer aufgenommen werden soll. Caesar kann und will sich dann an diesen Vorschlag halten. Wir sind gespannt, wie viele aus dem bisherigen Lehrkörper erneut aufgenommen werden.

Am Nachmittag besucht uns Maria, die ja im Herbst mit dem Aufbau der Demonstration Farm beginnen sollte. Nachdem sie aber ihr Baby bekommen hatte, konnte sie sich der Aufgabe nicht mehr im von uns gewünschten Ausmaß widmen. Wir erfahren, dass sie mittlerweile die Lebensgefährtin von Joseph Musoke, dem Landeshauptmann der Region hier ist. Wir haben ihn bereits bei der der Eröffnung der Schule kennen gelernt. Maria erzählt uns, dass unser Projekt in der Regierung bereits bekannt ist und vor allem sehr begrüßt wird, da wir wohl die einzige Organisation sind, die sich in der Region Zigoti engagiert. 6_stefan_mit_unserem_hiesigen_landeshauptmann_und_maria_in_unserem_zimmer.jpgJoseph will Maria abends abholen und uns treffen. Da er erst sehr spät aus Kampala kommt, schlafen die Kinder bereits und so laden wir ihn zu uns ein und verschieben den Besuch des Projektes auf nächste Woche. Er will dann auch einige seiner Mitarbeiter aus diversen Ämtern einladen, nach Zigoti zu kommen. Für uns eine große Ehre und eine Chance, uns in den politischen Kreisen noch bekannter zu machen. Nach wie vor gibt es ab und an Quertreiber in der Bevölkerung, die aus purem Neid versuchen, dem Projekt zu schaden. Da kann politische Unterstützung gegebenenfalls hilfreich sein und daher freuen wir uns sehr auf das Treffen am Mittwoch.

Davor haben wir aber noch eine andere Einladung, der wir gerne folgen. Am 26.1. haben wir eine Einladung zu den offiziellen Feierlichkeiten des 23. Geburtstages des NRM (National Resistance Movements), der Bewegung von Präsident Museveni, in Kampala. Unser Schulchor (bestehend ausschließlich aus von von unterstützten Kindern) wird dort als einer von nur 2 Chören des ganzen Landes zwei Lieder vortragen. Und wir dürfen das alles von der VIP Tribüne aus verfolgen!

Wir sind schon sehr gespannt, was uns da erwartet!




 

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