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Home Reise-Tagebücher Jänner-März 2009 Woche 4: 26. bis 31.Januar
Woche 4: 26. bis 31.Januar

Ein Lied für den Präsidenten

chor1.jpg6:42 Uhr. Das Telefon klingelt. Cesar der Direktor der Schule ruft an, der Chor sitzt schon im Bus. Mehr als verwunderlich, sollte die Abfahrt doch um 7:00 sein... Normalerweise bedeutet das hier in Uganda dann losfahren so gegen 7:45. Ein Zeichen höchster Anspannung und Nervosität. Heute ist ja auch nicht irgendein Tag, sondern Nationalfeiertag, und somit jener Tag an dem unser Chor vor dem Präsidenten auftritt. Als wir 10 Minuten später zum Bus kommen, tönen uns schon die Lieder entgegen. Die Fahrt nach Kampala verspricht trotz des Spaßes den wir im Bus haben nichts Gutes. Denn es fängt sehr stark zu regnen an. Am Flugfeld, das als Festareal dient, steht alles unter Wasser. Binnen Minuten sind unsere Kinder bis auf die Knochen nass. Die einzige Zuflucht bietet das Klozelt.
Nicht alle sind zeitlich aber so diszipliniert wie unser Chor: die Ehrengäste treffen Stunden später ein, als im Programm angegeben. Die Diplomaten aus aller Welt wissen was sie erwartet. Kaum einer der nicht ein paar Arbeitsunterlagen, die aktuelle Zeitung, oder schlichtweg einen Roman dabei hat, um sich das Warten zu verkürzen.

Das Militär nimmt Aufstellung. Jede Kompanie wird vom Zeremonienmeister einzeln vorgelesen, ebenso deren Kommandant und Vizekommandant. Die Korrektur zu Namen und Dienstgraden erfolgt eine halbe Stunde später und dauert fast ebenso lange. Ordnung muss sein...
chor2.jpgDie Parade dauert eine gefühlte Ewigkeit, speziell wenn man bis auf die Knochen nass ist. Hinter den Militäreinheiten marschieren alle erdenklichen Gruppen auf, von der Aidsaktivistengruppe über die Frauenorganisationen,  der Abordnung der Parkplatzwächter (nein kein Scherz) und jene der Städtischen Müllabfuhr, bis hin zur Belegschaftsvertretung der Coca Cola Fabrik. Und dahinter gleich jene von Pepsi Cola.

Dann klart das Wetter endlich auf. Es folgt der beinahe Höhepunkt der Zeremonie - Präsident Museveni trägt seine Rede vor. Es geht darum wo das Land 1983 stand als seine National Resistance Army (NRA) Uganda befreite. Daher auch der Name des Tages- Liberationday. Heute ist aus der NRA die NRM , das National Resistance Movement geworden. Also eine Partei, die eine überwältigende Mehrheit in Uganda hält. Dass der Tag der Machtergreifung der NRA, der  lange kriegerische Auseinandersetzungen voran gingen heute der wie ein Parteitag gefeierte Nationalfeiertag ist, ist bei vielen internationalen Vertretungen Stein des Anstoßes. So entsendet auch die österreichische Vertretung nicht die höchsten, sondern nur untere Dienstgrade zur Feier.

Dann, der wahre Höhepunkt, zumindest für uns. Direkt nach der Rede Musevenis wird unser Chor aufgerufen. Schön in Formation marschieren sie ein. Ein berührender Augenblick, der nebenbei gesagt live im ugandischen Fernsehen übertragen wird.
Wir bringen unserer Freude unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass wir alle 34 in ein Restaurant einladen. Ein ganz besonderes Erlebnis für die Kinder.

Zähne ziehen und die liebe Bürokratie

brille.jpgDer Dienstag ist für viele unserer Kinder im Projekt weniger erfreulich als der vorherige Tag für den Chor. Ian startet um 5:00 früh mit 15 Kindern Richtung Mityana zum Zahnarzt. Da wir so viele Kinder auf einmal checken lassen, fahren wir ins öffentliche Krankenhaus, da dort die Behandlung günstiger ist. Man zahlt nur für die Einweghandschuhe des Arztes und die Medizin der Kinder. Spritzen und Nadeln bringen wir selber mit, die haben wir bereits vorrätig, da die sonst auch extra zu zahlen sind. Da wir aber eben das öffentliche Krankenhaus aufsuchen und es dort keine Terminvereinbarung gibt, wollen wir die ersten sein, die drankommen. Fast schaffen wir es auch, als wir um 5:30 eintreffen, nur 2 Personen sind vor uns. Es dauert fast den ganzen Tag bis alle Kinder kontrolliert wurden. Der Zahnarzt will aber nicht alle an einem Tag behandeln, da wir kein offizielle Bescheinigung vorweisen können, dass wir ein Waisenheim sind. Ohne die ist der Arzt skeptisch, warum wir 15 Kinder mit so schlechten Zähnen auf einmal bringen. Da hilft auch kein Einreden und Überzeugen, er behandelt erstmal nur die Hälfte und so werden 5 von 8 Kindern gleich je ein Zahn gezogen. Der Zwischenfall mit der Bescheinigung macht uns erneut deutlich, wie wichtig auf einmal die Bürokratie in Uganda ist, denn noch vor einem Jahr hat sich kein Mensch geschert, wo und wie die Kinder leben, und jetzt werden nicht mal alle behandelt, weil wir noch keinen offiziellen Status haben. Nun ja. Die Kinder nehmen den Verlust der Zähne gelassen und bei der Rückkehr nach Zigoti zeigen sie stolz ihre Löcher her.
Sarah und Christine haben seit heute auch eine Veränderung: sie haben ihre ersten Brillen bekommen. Sie sind beide kurzsichtig und durch die Sonneneinstrahlung sind die Augen zusätzlich geschädigt. Daher sind die Brillen auch getönt. Soweit wir wissen sind die Mädels die einzigen Jugendlichen in Zigoti mit Brillen. Das macht die Girls auch ein bisschen stolz...

Hoher Besuch

landeshauptmann_1.jpgUnser hiesiger Landeshauptmann macht sein Versprechen wahr, das er uns bei seinem privaten Besuch in unserem bescheidenen Heim gegeben hat. Am Nachmittag, mit der hier durchaus nicht verwunderlichen Verspätung von über einer Stunde, trifft er in Zigoti ein. Begleitet wird er vom obersten Sicherheitschef, dem höchsten Verwaltungsbeamten, dem Vertreter der Polizei und der Bürgermeisterin. Wir besichtigen die Schule, gehen durch die Klassenräume die wir gerade renovieren und schauen uns die Bücherei an, wo auch die Schreibmaschinen stehen. Dann geht’s weiter zum Projekt, wo jedes einzelne Haus genau inspiziert wird. Die Beamten sind angetan. Das hätten sie hier in Zigoti nicht erwartet.
Das folgende zweistündige Gespräch ist für uns aus mehrfacher Sicht wichtig. Vor allem wollen wir, dass die Zukunft des Projektes etwas konfliktfreier abläuft, und Querschüsse von Personen, die nur darauf abzielen ein Stück vom Kuchen der investierten Gelder zu bekommen, aufhören. Möglichst klar, doch ohne jemanden direkt an zu sprechen versuchen wir wiedereinmal unmissverständlich klar zu machen, dass wir nicht bereit sind Bestechungsgelder zu zahlen. Dafür ist es besonders wichtig, dass wir einmal alle zuständigen Stellen an einem Tisch haben. Jeder soll wissen, dass wir es umgehend an die oberste Stelle, unseren Freund und Landeshauptmann Joseph Musoke, weiterleiten werden, wenn jemand nach Geld fragt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir jetzt offiziell die Unterstützung für die Registrierung der Organisation haben, und uns Musoke zusichert, dass innerhalb einer Woche das Dokument  ausgestellt sein wird.

Friseurbesuch

friseur.jpgDie von Dr.Immy besorgten Salben und das Spezialshampoo gegen den Pilzbefall unserer Kinder sollen ab heute verwendet werden. Doch davor ist noch ein Besuch beim Friseur notwendig. Also marschieren wir alle gemeinsam Richtung Friseursalon. Unsere kleine Yudaja ist die erste die in den Genuss des Rasierapparates kommt. Denn die Haare müssen zur Gänze weg. Was hier aber nicht weiter auffällt, weil sehr viele Kinder Glatzen haben. Ungut ist nur, dass nach halb getaner Arbeit der Strom weg ist, und Yudaya nur halbseitig geschoren ist. Sie nimmt's gelassen und wartet geduldig, während wir auf den nahe gelegenen Fußballplatz gehen und alle möglichen Spiele spielen. Irgendwann übersiedeln wir in die Bücherei in der Schule und beschäftigen die Kleinen hier. Es ist toll einen großen überdachten Raum zu haben, den wir auch zum Spielen nutzen können.
Erst am frühen Abend kommt der Strom zurück und ein Kind nach dem anderen bekommt eine Glatze verpasst. Damit ist das Auseinander-Halten der Kinder noch schwerer als es ohnehin schon war.

Vorbereitungen für die Schule

neue_schule.jpgDa am Montag die Schule beginnt, muss noch einiges vorbereitet werden. In der Schule selber beeilen sich die Handwerker die ersten Klassenräume bezugsfertig zu bekommen. Wir stempeln alle Schulhefte durch, damit am Wochenende alle Kinder, die wir unterstützen, ihre Hefte abholen können. Grace und Agnes spitzen ca. 100 Bleistifte, Cissy und Christine helfen beim Sortieren und Markieren der Hefte. Die beiden großen Mädchen beginnen am Montag in der Mityana Standard Senior School, worauf sie sich sehr freuen. Da die Schule aber ein wenig mehr kostet, als die Schule in Zigoti, müssen sie natürlich auch weiterhin fleißig mithelfen, egal ob auf der Farm oder eben bei administrativen Arbeiten. Viele Leser werden sich vielleicht fragen, warum die beiden Mädchen in eine andere, teurere Schule gehen? Das Niveau der Senior School in Zigoti ist nicht das Beste und die beiden sind sehr gute Schülerinnen und wollen viel lernen. Letzte Woche erfuhren wir, dass Christine die beste aller von uns unterstützen P7 Schüler war. Die Mädchen legten uns dann die Ausschreibung für die Mityana Standard Senior School vor uns Ian und Gabi besuchten die Schule mit den Mädchen. Die Schule ist nur 30 Minuten zu Fuß vom Projekt entfernt. Das heißt die beiden werden weiterhin im Projekt wohnen können.  Zwar ist die bauliche Infrastruktur der Schule nicht wesentlich besser als in Zigoti, aber das akademische Niveau ist nachweislich besser. Die monatliche Gebühr ist nicht viel mehr als in Zigoti, lediglich die Einschreibgebühr ist verhältnismäßig hoch. Wir beschließen, den Mädels die Chance für die Schule zu geben. In Zigoti wollen wir weiterhin in die Schule investieren und so wie wir jetzt die Primary School aufbauen, werden wir auch die Senior School verbessern und bald wird das Niveau der Schule in Zigoti ebenfalls viel höher sein.

 

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