Kindern eine Chance Uganda Pleger Zechmann Ziller Zigoti Hilfe für Afrika Spenden
Home Reise-Tagebücher Jänner-März 2009 Woche 5: 1. bis 8. Februar
Woche 5: 1. bis 8. Februar

Morgen geht die Schule los – Zucker, Besen und Klopapier...

hefte.jpgDamit der Montag für die Kinder stressfrei beginnen kann, bekommen alle unsere Patenkinder, auch die, die wir ab diesem Schuljahr neu unterstützen, bereits am Samstag und Sonntag ihre Schulhefte, Bleistifte und Kugelschreiber. Unser Gästezimmer gleicht einem großen Bürolager. Vor allem die sehr dicken und dadurch teuren Hefte für die Senior School nehmen viel Platz ein. Und davon dann gleich 16 Stück. Es wundert uns eigentlich nicht, dass viele Eltern es sich nicht leisten können, ihren Kindern auch den Besuch der Senior School zu ermöglichen. Neben den Hefte- und Stiftelisten erhalten wir aber noch weitere „School Requirement“ Listen. Also Listen, auf denen genau steht, was ein Kind in die Schule mitbringen muss. Bei Cissy und Christine, die die Mityana Standard Senior School besuchen, ist das beispielsweise je eine Sichel (um den Rasen der Schule zu kürzen bzw. Futter für die Tiere zu schneiden), je zwei Packungen weißes Schreibpapier für die Prüfungen, je zwei Besen und jeweils 4 Rollen Klopapier. Besen und Toilettenpapier werden in fast jeder Schule erwartet, so werden von den Schulverwaltungen Kosten gespart. Für die St. Mary’s School in Zigoti haben wir eine eigene Lösung, schließlich gehen dort die meisten der von uns betreuten Kinder hin. Auch brauchen hier nicht alle Kinder Besen, was einiges an logistischem Aufwand verringert. Lucy und Ester, zwei unserer Kinder die ein Internat besuchen, müssen außerdem noch Seifen, Putzmittel, Waschschüsseln und je 3kg Zucker mitbringen. Am frühen Nachmittag des Sonntags haben wir dann an gut 120 Kinder alle Materialien ausgegeben. Ein paar sind nicht aufgetaucht, die werden dann direkt in der Schule von uns mit den Heften versorgt. 
Einige Kinder die nicht von uns betreut werden kommen auch vorbei und wollen gratis Schulhefte haben. Diesen Wunsch können wir natürlich nicht erfüllen.

Herbibu und Mustafalu - zwei besondere Burschen

herbibu_und_muzafalu.jpgZwei Burschen wecken dann aber doch unser besonderes Interesse: Herbibu (16) und sein Bruder Mustafalu (14) kommen nicht mit dem Wunsch nach Schulheften auf uns zu, sondern fragen, ob sie auf der Farm mitarbeiten dürfen, um sich so ihre Schulgebühren zu „verdienen“. Diese Eigeninitiative überrascht und freut uns. Es ist das erste Mal, dass Kinder nicht einfach um Unterstützung bitten, sondern von sich aus eine Gegenleistung bringen wollen. Am Nachmittag begleiten wir die Buben zu ihrer Großmutter, bei der sie bis vor kurzem gelebt haben (jetzt haben sie bei einer Verwandten in der Nähe der Schule Unterschlupf gefunden). Die  Großmutter lebt ca. 45min Fußmarsch von Zigoti entfernt in einer der armseligsten Hütten, die wir hier in der Gegend je gesehen haben. Nur von Madudu kennen wir noch ärmere Verhältnisse. Die alte Frau hat eine sehr saubere Hütte, in der es nur eine Bastmatte und ein Leintuch gibt, was ihr als Bett dient. Außerdem gibt es einen kleinen Kohlehaufen, auf dem sie offenbar kocht. Ihre Schwester lebt 20m daneben in einer 4m²-Lehmhütte. Wir stellen uns die ernsthafte Frage, wie man so überleben kann.
Wir entschließen uns Herbibu und Mustafalu ins Patenprogramm aufzunehmen Die Burschen freuen sich sichtlich, dass der Schulbesuch gesichert ist. Sie kommen ab sofort auch jeden Tag nach der Schule, um Jospehine 2 Stunden bei der Farmarbeit zu unterstützen.

Am Sonntagabend sind alle Kinder total aufgedreht, für einige steht ja doch eine neue Schule bzw. der erste Schultag überhaupt bevor. Aber auch Gabi ist ein wenig nervös, denn schließlich kommen morgen ihre Eltern für zwei Wochen zu Besuch. Deren erstes Mal in Afrika überhaupt. Ob es ihnen gefallen wird?

Besuch aus Österreich

begruessungsfeier.jpgWir nehmen am Montag 7 Kinder mit zum Flughafen, und zwar die school dependers, die in die Senior 1 bzw. in die Senior 5 kommen, da diese Schulstufen erst später beginnen. Selbst für James, den ältesten, ist es das erste Mal, dass er ein Flugzeug aus der Nähe sieht. Gabis Eltern Hans und Renate kommen leicht verspätet, etwas übermüdet, aber sehr glücklich um 10:00 an und werden natürlich, wie es sich gehört, gleich mit einem Lied der Kinder begrüßt. Auf dem Rückweg laden wir noch Ian auf, der noch mal 250 Schulhefte kaufen musste.

In Zigoti findet am Nachmittag ein standesgemäßer großer Empfang für die Besucher aus Österreich statt. Es wird gesungen und getanzt, Reden werden gehalten und alle Kinder und Lehrer sind versammelt und bestaunen die Besucher neugierig. Hans und Renate werden ihre Eindrücke später selber noch beschreiben.

Leben mit AIDS

godfrey_und_margaret.jpgAm Mittwoch besuchen wir die lokale AIDS-Hilfegruppe. Wir haben den Gründer der Gruppe, Robert, vor ein paar Tagen bei Bürgermeisterin Betty kennen gelernt und wurden von ihm eingeladen, einmal an einem Treffen der Gruppe teilzunehmen. Ca. 25 Personen sitzen beisammen, mehr Frauen als Männer, und diskutieren über die Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben. Manche haben neue Medikamente bekommen und vertragen sie nur schwer, andere wiederum fühlen sich sehr gut und haben fast vergessen, dass sie krank sind. Fast alle können sich die Fahrten nach Mityana ins Krankenhaus, wo sie die Medikamente erhalten, kaum leisten. Wir lernen Margaret und Godfrey (Bild links) kennen, ein Ehepaar, das vor 7 Monaten herausgefunden hat, dass beide HIV positiv sind. Während Godfrey ARVs (Anti Retro Virale Medikamente) verschrieben bekommen hat und sie bestens verträgt, kann Margaret die ARVs nicht nehmen. Sie verträgt sie überhaupt nicht. Margaret ist total mager und es ist erschreckend, wie unterschiedlich die beiden aussehen. Ihm merkt man nicht an, dass er HIV positiv ist, während sie sehr krank wirkt. Die beiden erzählen uns, dass sie ihren Nachbarn nichts von ihrer Krankheit erzählen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist nach wie vor schlecht und viele Leute werden verspottet, wenn sie zugeben, dass sie positiv sind.
Wir haben diese Erfahrung auch schon bei den Kindern gemacht: Viele sagen, ihre Eltern wären bei einem Unfall ums Leben gekommen, kaum jemand gibt zu, dass die Eltern AIDS hatten.
Die Gruppe setzt sich aber sehr stark genau dafür ein, dass das Bewusstsein und Verständnis in der Bevölkerung besser wird. Es gibt eine „Drama Group“, die in die Dörfer fährt, um die Bevölkerung dort zu animieren einen AIDS Test zu machen. Robert und seine Mitstreiter sind gute Beispiele dafür, wie relativ gut man mit dem HI-Virus leben kann, wenn man Medikamente nimmt.

Unsere Patenkinder in Madudu

Neben mittlerweile 140 Patenkindern in Zigoti haben wir ja auch rund 60 Kinder im Patenprogramm, die in der Pfarre Madudu, ca. 2 Stunden von Zigoti entfernt, leben. Wir haben uns schon sehr auf den Besuch dort gefreut, denn die Gastfreundschaft der 3 Pfarrer ist wirklich wunderbar und wir fühlen uns immer sehr willkommen. Auch Gabis Eltern werden herzlichst begrüßt und wir besuchen fast 40 unserer Patenkinder. Ein strenges Programm, denn in Madudu kann man nicht von Straßen wie wir sie kennen reden. Es handelt sich hier um schmale schlammige Wege, die großteils nur mit dem Motorrad befahrbar sind. Was wir während unserer Besuche sehen geht uns sehr nahe und es würde den Rahmen sprengen, von allen Kindern zu schreiben, daher haben wir uns 3 Beispiele ausgesucht, von denen wir genauer erzählen wollen. (in der Bildergalerie gibt es zusätzliche Fotos).

Gertrud geht es viel besser!

gertrud_mit_nhmaschine.jpgGertrud haben wir von Anfang an betreut und regelmäßig besucht. Sie ist HIV positiv und 4 ihrer Kinder sind teil unseres Patenprogrammes. Bei unserem letzten Besuch im Sommer war sie einer Sekte aufgesessen, die sie überzeugt hatte, die Medikamente abzusetzen und auf die Heilung durch Gott zu vertrauen. Sie wurde sehr schwach und konnte sich nicht um ihre Kinder kümmern. Father Joseph und Verwandte konnten Gertrud aber Gott sei Dank überzeugen, sich wieder behandeln zu lassen. Bereits vor einiger Zeit haben wir Father Joseph Geld zukommen lassen, damit er Gertrud eine Nähmaschine kauft. Mittlerweile konnten wir auch eine kleine Hütte an der Straße finanzieren, wo Gertrud künftig Ihre Näh-Dienste anbieten kann. Es geht ihr offensichtlich wieder sehr gut und wir freuen uns sehr, wie lebensfroh sie wieder ist. Bald kommen auch alle Kinder zu ihr zurück, denn die Mädchen Sylvia und Anna leben derzeit noch bei Verwandten, aber die Buben Patrick und Steven sind schon wieder bei der Mutter. Wir machen uns sehr gut gelaunt zur nächsten Familie auf.

lazarus.jpgLazarus und das Wasser

Lazarus ist bestimmt noch einigen Lesern in guter Erinnerung. Wir haben ihn im Sommer besucht und sein Schicksal hat viele berührt. Er kümmert sich um seine 5 Enkel und versucht trotz ärmster Umstände ein schönes Heim zu schaffen. In den letzten Monaten konnten wir den Kindern neue Kleider kaufen und Father Joseph bringt regelmäßig Parafin vorbei, damit abends Lampen angezündet werden können. Diesmal nehmen wir uns der Wasserproblematik an, denn die nächste Wasserstelle mit halbwegs sauberem Wasser ist 20 Minuten zu Fuß entfernt. Dank der Unterstützung von Werner Fischer und Christof Federle, 2 Paten der Kinder, können wir eine 220 Liter Regentonne besorgen und in den nächsten Tagen werden noch richtige Dachrinnen montiert, sodass das Wasser bestens gesammelt werden kann.


Todgeweihte leben länger

rosemary.jpgRosemary Namata hat im Dezember von Father Joseph die letzte Ölung erhalten, da sie aufgrund von AIDS schon sehr schwach war und sich vor allem selbst aufgegeben hat. Rosemary ist 36 Jahre alt und Mutter von 5 Kindern (zwischen 16 und 2 Jahren). Als ihr Mann vor gut eineinhalb Jahren starb, ließ sie sich wegen ihrer andauernden Schwäche auf HIV testen. Sie war positiv.
Das wenige Geld, das sie sich noch durch Feldarbeit verdienen konnte, gab sie für Essen für die Kinder aus und daher blieb nichts für Medikamente übrig. Nach dem Besuch des Pfarrers im Dezember erholte sie sich wieder ein wenig, aber nach wie vor ist kein Geld vorhanden. Die Kinder sind somit eigentlich, obwohl sie noch eine Mutter haben, jetzt schon Vollwaisen. Die älteste Tochter Maxensia kümmert sich um das Baby und kocht für die Familie. Die Buben bemühen sich durch Feldarbeit genug zu essen zu bekommen. Wieder einmal hat uns Father Joseph genau die richtige Familie zur Unterstützung anvertraut.

Rosemary wird gleich am Dienstag nach Mubende ins Krankenhaus fahren, um sich dort untersuchen zu lassen und auch gleich die ersten Medikamente zu bekommen. Die Schulgebühren für die Kinder haben wir schon bezahlt und auch um die Ernährung werden wir uns kümmern. Es mag Leute geben die sich fragen warum wir Aidskranken helfen, wo wir uns doch der Unterstützung von Kindern verschrieben haben. Die Erklärung ist einfach, wir wollen Rosemarys Kindern ihre Mutter zurückgeben. Mit Medikamenten kann sie Ihre Aufgaben als Mutter zumindest zum Teil wieder erfüllen, und das ist für die Kinder sicher die beste Unterstützung.

Madudu hat uns zum wiederholten Male vor Augen geführt, wie wichtig unsere Arbeit hier ist und wie viel wir durch die Spenden aus Österreich bewegen können. Vielen Dank!


 

spendenbutton_rechts

Ihre Spende an uns ist steuerlich absetzbar!

Wir im Netz

facebook twitter youtube picasa

Aktuelle Bilder