Auch am Wochenende wird fleißig gelernt
Das Wochenende stand ganz im Zeichen von Weiterbildung. Für die Lehrer der St. Mary’s School hat der Direktor bereits die zweite Fortbildung seit Schulbeginn vor zwei Wochen organisiert. Diesmal stand vor allem die Unterrichtsplanung und dann die praktische Umsetzung auf der Tagesordnung. Wie plant man seine Stunden so, dass sie nicht nur in der Theorie sondern vor allem eben in der Praxis auch durchführbar sind. In der Vergangenheit war es wohl oft der Fall, dass Unterrichtsplanungen, wenn vorhanden, zwar auf dem Papier gut ausgeschaut haben, der Unterricht selber aber völlig an den Schülern vorbei gelaufen ist. Theoretisches Wissen einfach nur runtergelesen bleibt halt bei keinem Kind hängen. Die Lehrer waren sehr motiviert bei der Fortbildung und in den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob sie das Gelernte auch in der Praxis umsetzen.
Die Kinder haben am Wochenende auch Neues gelernt und zwar wie man schöne Grußkarten anfertigt (Bild unten). Gelehrt hat ihnen das Florence. Sie ist eine junge Frau und Mutter, die an Kinderlähmung erkrankt ist und sich ein wenig Geld verdient, indem sie im Restaurant ihrer Eltern ab und zu kocht. Aber in Wahrheit ist sie recht künstlerisch veranlagt und macht sehr hübsche Grußkarten. Aus getrockneten Bananenblättern und anderen Naturmaterialien werden also verschiedenste Motive geschnitten und dann auf Papier geklebt. Natürlich wollten alle Kinder an dem Workshop teilnehmen und daher mussten sie sich erst einem Auswahlverfahren unterziehen. Die Aufgabe war, ein beliebiges Motiv zu zeichnen, das für sie Afrika symbolisiert. Außerdem galt es, das Zeichenpapier weder schmutzig noch zerknittert zurück zu bringen. An dieser Anforderung scheiterten einige der Hobbykünstler, aber schlussendlich fand sich eine Gruppe von rund 15 Kindern, die mit großer Begeisterung den ganzen Tag mit Florence Grußkarten und auch Tischuntersetzer bastelten. Die Karten, die Florence herstellt, werden wir mit nach Österreich bringen und auch verkaufen.
Die Demonstration Farm wächst und gedeiht
Unsere Farm entwickelt sich prächtig. Josephine, unsere Farm-Managerin, und David, der „Mann für’s Grobe“, arbeiten bestens zusammen und binden die Kinder wirklich toll ein. Täglich nach der Schule gehen die Kinder zur Wasserstelle und bringen Wasser für die Pflanzen. Außerdem wird natürlich ausgiebig geprüft, wie es den Tomaten und Karotten geht und was die kleinen Bäumchen machen, die viele der Kinder eingesetzt haben. Thomas prüft fast täglich, ob sein Maracujabaum gedeiht und Abdul, der bestimmt mal Farmer wird, kümmert sich sehr liebevoll um unser Gemüse. Am Wochenende wird dann auch fleißig gejätet und umgegraben und die Kinder sind wirklich mit viel Spaß dabei. Vor allem den Schülern der Senior School wollen wir aber nicht nur die Feinheiten der landwirtschaftlichen Arbeit beibringen sondern ihnen zeigen, dass man auch eine Leistung bringen muss, wenn man etwas erreichen will. Denn je älter die Kinder werden, umso häufiger lässt die Begeisterung für’s Arbeiten nach. Da die großen Kinder und Jugendlichen aber immer öfter Wünsche äußern, die wir ihnen erfüllen sollen, müssen sie auch mitarbeiten. Denn was wir keinesfalls wollen ist, dass sie glauben, sie müssen nur die Hand aufhalten und dann bekommen sie alles. Die großen Buben Herbibu, Mustafalu, Archilles und Dani arbeiten ja schon seit geraumer Zeit fleißig mit. Aber es gibt einige andere Jugendliche, die sich bis dato eher vor der Arbeit gedrückt haben. In einem Meeting in der Schule machen wir klar, dass ab sofort mehr Mitarbeit gefragt ist. Betätigungsfelder gibt es genug und seit dieser Woche sogar ein großes mehr: wir haben nämlich zwei Kühe gekauft.
Zwei Kühe für unser Projekt
Mit den Kühen ging alles recht schnell. Es war klar, dass wir langfristig gerne ein oder zwei Kühe hätten, die unser Projekt mit Milch versorgen, denn die Ernährung ist nach wie vor verbesserungswürdig. Gute Milchkühe sind aber hier in Uganda unheimlich schwer zu bekommen. Ian machte sich also auf die Suche, und wurde schneller als geplant fündig. Eine wahrscheinlich trächtige Kuh, und ein Kalb. Mit Beratung einer Mitarbeiterin der Organisation „Send a Cow“ wurden die Tiere inspiziert, und dann auch gekauft. Alles etwas plötzlich, aber gute Gelegenheiten muss man beim Schopf packen. Das Tolle an den Kühen ist vor allem auch, dass das meiste Futter, vor allem „Elephantgrass“, hier wild wächst, und von den älteren Kindern im Busch gesammelt werden kann. Eine Art der lokalen „Contribution“ die uns immer wichtiger wird. Wir wollen ja keine Almosenempfänger heranziehen, sondern aktive junge Menschen, die selbst auch bereit sind etwas zu tun um ihre eigene Lebenssituation zu verbessern.
Ulrich Huber in Uganda
Einer, der uns sehr geholfen hat, hier in Uganda einiges zu bewegen ist Ulrich Huber. Der Kitzbüheler hat uns von Anfang an tatkräftig unterstützt. Durch sein finanzielles Engagement konnte in Zigoti in der St. Mary’s School das „Ulrich Huber Buildung“ errichtet werden, in dem jetzt die Bibliothek und die Kindergartengruppe beherbergt sind. Uli Huber war natürlich neugierig, was mit seinem Geld gemacht wurde und so hat er sich entschlossen, Zigoti einen Kurzbesuch abzustatten. Selbstverständlich wurde er gebührend empfangen, mit Gesang, Tanz und zahlreichen Reden der Lehrer- und Schülervertreter. Uli hat sich alles genau angeschaut, den Unterricht verfolgt und selbst auch eine kleine Geografiestunde in einigen Klassen über Österreich gehalten. Am Ende seines fünftägigen Aufenthaltes hat er zufrieden festgestellt, „Es ist unglaublich schön, dass durch unsere Hilfe das Leuchten der Kinderaugen und die Hoffnung, nicht mehr auf der Straße leben zu müssen, größer geworden ist!“
Auch wenn wir diese Woche einen kürzeren Eintrag verfassen, soll nicht der Eindruck entstehen, wir liegen auf der faulen Haut. Wir haben auch hier eine Art Alltag, und Alltägliches ist ja auch oft daheim in Österreich zwar zeitaufwendig aber wenig spektakulär zu beschreiben. Wir verbringen viel Zeit in der Schule, unterstützen Lehrer und Schüler wo möglich. Nach wie vor arbeiten wir daran, endlich ein eingetragener Verein in Uganda zu werden und kennen mittlerweile fast alle Beamten in der Bezirkshauptstadt Mityana. Auf der Farm gibt es immer genug zu tun, egal ob gießen, jäten oder Kühe füttern. Und dann wird natürlich auch nach wie vor fleißig gebaut und ohne Stefans Bauaufsicht würde wohl wenig weitergehen...
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