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Die aktuellen Reisetagebücher von Gabi und Stefan:
Reise Jänner - März 2012


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Volunteer bei KINDERN EINE CHANCE

IMG_3940Thomas ist seit nunmehr 4 Monaten hier in Zigoti. Diese Woche feierte er seinen 23. Geburtstag. Als er uns in Innsbruck anrief, und sagte er würde gerne freiwillig nach Uganda gehen und mitarbeiten, dachten wir anfänglich er wäre zu jung, um die Aufgabe zu bewältigen. Doch nach einem persönlichen Treffen waren wir überzeugt, dass er hier sehr viel beitragen kann. Und was Thomas, der hauptsächlich im Internat arbeitet, leistet ist echt enorm. Ein Teil seiner Aufgabe ist es auch immer wieder mit Kindern ins Krankenhaus zu fahren. Wie das so ist beschreibt Thomas am besten selbst:

Abenteuer Krankenhaus

Beatrice ist 8 Jahre alt. Sie wohnt im Internat in Zigoti und besucht dort zur Zeit die „Primary 1“ (Vergleichbar mit der ersten Klasse Volksschule bei uns)

Sie schielt stark und hatte deshalb auch schon vor ca. einem Jahr eine Operation, welche jedoch nicht ausgereicht hat um das Schielen zu beheben.

Nach einigen Untersuchungen in einem Krankenhaus in Kampala stand fest, dass sie noch eine zweite Schieloperation benötigt. Da unsere Krankenschwester Kathi vor ca. einer Woche wieder nach Österreich gereist ist, habe ich Beatrice ins Krankenhaus begleitet.

Am Sonntag, dem 31. Juli begannen unsere Vorbereitungen. Wenn man in Uganda in einem Krankenhaus stationär aufgenommen wird muss man so ziemlich alles was man eben so zum Leben braucht selbst mitbringen. Eine Matratze für die Begleitperson (welche dort als eine Art Hilfsschwester agiert), Leintücher, Decken, Teller, Besteck... Und dann natürlich noch einiges an Spielzeug und Bastelsachen, da es gilt eine 8 Jährige 3 Tage lang zu beschäftigen

IMG_3993Montags in der Früh sitzt Beatrice dann schon lange vor der ausgemachten Zeit schön angezogen und fix und fertig zur Abfahrt auf ihrem Bett und wartet auf mich. Sie ist sehr glücklich und aufgeregt dass wir gleich in die große Stadt fahren. Dann gehts gleich los, mit dem Matatu (eine Art öffentliches Verkehrsmittel) nach Kampala ins Mengo-Hospital.

Nach einigen Formalitäten, wo ich zum Beispiel unterschreiben muss, dass ich mich Tag und Nacht um die Patientin kümmere, Medikamente verabreiche usw.., weist uns die Krankenschwester ein Bett im Schlafsaal zu und wir beginnen auszupacken.

In Krankenhäusern in Uganda gibt es kein Personal das sich um die Patienten kümmert, weshalb jede/r jemanden mitbringen muss der für einen sorgt. Krankenschwestern agieren dort eher als Ärzte, und Ärzte selbst trifft man nur sehr selten an. (In unserem Fall nur für die Operation selbst.)

Nach einer kleinen Untersuchung und einem Bluttest gibts für uns den ganzen restlichen Tag nichts mehr zu tun und wir gehen ins Freie spielen. Wir verbringen einen lustigen Nachmittag und Abend.

Beatrice ist sehr müde nach diesem ereignisreichen Tag und nach einer Gute-Nacht-Geschichte schläft sie sofort ein. Die Nacht im Krankenhaus gestaltet sich für mich eher unbequem. Man versteht in Uganda unter Privatsphäre etwas ganz anderes als bei uns. In dem Raum, in dem wir uns befinden, schlafen noch ca. 30 andere Patienten und es stört niemanden wenn mitten in der Nacht laut durch die Gegend geschrien oder telefoniert wird. Das Licht wird nie ausgeschaltet und die ganze Nacht läuft lautstark Kirchenmusik.

Wir werden um 5 geweckt um Beatrice für die Operation vorzubereiten. Dann müssen wir lange warten weil vor Beatrice noch viele andere Kinder operiert werden. Langsam ist sie schon nicht mehr so glücklich und ein bisschen ungeduldig, weil sie bis zur Operation nichts essen darf, doch die gute alte Stricklisl schafft ein wenig Ablenkung.

IMG_3966Um 4 am Nachmittag werden wir dann endlich zum OP bestellt und ich begleite Beatrice bis zur Tür. Während sie operiert wird habe ich Zeit zum duschen.

Nach der Operation werde ich zum Aufwachraum gebracht, warte bis Beatrice aufwacht und bringe sie zurück zum Bett. Sie ist sehr durcheinander, weint viel und spricht die nächsten Stunden nur noch Luganda. (Wobei sie sonst eigentlich sehr gut Englisch kann.) Gott sei dank verstehe ich mittlerweile kleine Dinge wie „Ich muss aufs Klo“ oder  „Ich habe Hunger“. Als sie dann IMG_3895wieder halbwegs zu sich kommt ist das erste das sie tun will zähneputzen. Dies ist für mich sehr erstaunlich da dies in Uganda nicht so verbreitet ist wie bei uns. Im Internat haben wir immer wieder große Probleme die Kinder zum zähneputzen zu bringen, doch anscheinend zeigen unsere Bemühungen schon Erfolg.

Nachdem ich Beatrice überzeugt habe, dass jetzt noch nicht die Zeit zum zähneputzen ist und wir jetzt etwas essen, isst sie nicht nur ihre Portion Reis sondern auch die Hälfte von meiner.

In der Nacht kann Beatrice immer wieder nicht schlafen weil sie Schmerzen hat, und auch am nächsten Morgen weint sie noch sehr lange. Immer wieder kommen Leute die versuchen Beatrice zu trösten und sich liebevoll um sie kümmern, während ich z.B. schnell etwas zu Essen hole. Wir haben eine Kontrolle bei der Ärztin die Beatrice operiert hat. Sie sagt uns dass die Operation erfolgreich war und wir schon heute nach Hause fahren können, worüber wir beide sehr froh sind.

Wir packen unsere Sachen zusammen und trinken eine letzte Tasse Tee in der Wiese vor dem Krankenhaus, dann fahren wir mit dem ganzen Gepäck ins Stadtzentrum und suchen uns ein Matatu zurück nach Zigoti. Beatrice ist total müde und schläft während der Fahrt sofort ein.

Zurück im Internat freuen sich alle, dass wir wieder zurück sind. Beatrice ist den nächsten Tag noch müde und traurig, doch jetzt, zwei tage später, sitzt sie schon wieder lachend neben mir und redet so viel, dass ich mich kaum konzentrieren kann um diesen Bericht zu schreiben.

Thomas, August 2011

 

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