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23.03.2010

2010 - Woche 8: Rückschläge und neue Hoffnung

Ein Rückschlag in Bongole

Bongole ist da wo bestimmt kein Ugandatourist je hinkommt. Zwar nur 15 Kilometer weit von der Hauptstraße entfernt fühlt man sich hier wirklich vom Rest der Welt abgeschnitten. Erreichbar praktisch nur mit dem Motorrad und dem LKW. Umso froher waren wir als Richard, ein qualifizierter Lehrer mit guten Referenzen die Leitung unserer Schule dort übernahm. Wir sind auch wirklich begeistert, wie diszipliniert und gut organisiert hier in pädagogischer Hinsicht alles abläuft. Die Unterrichtsstunden der insgesamt 6 Lehrer sind gut vorbereitet, fangen pünktlich an und die Kinder sind mit Eifer dabei. So begeistert wir aus pädagogischer Sicht sind, so schockiert waren wir als wir Richards Buchführung diese Woche überprüften. [Stefan_Richard_und_Cesar] Er hatte angefangen einfach irgendwelche Gebühren von den Eltern ein zu heben, die weder abgesprochen waren, noch in der Buchhaltung aufschienen. Irgendwelche Bücher waren laut Buchhaltung angeschafft worden, aber nicht da. Kurzum: Richard (Bild vlnr: Stefan, Richard, Cesar) hat Geld unterschlagen. Zur Rede gestellt bestritt er alles und sagte er habe das Geld nur aus Angst vor Diebstahl auf sein privates Konto gegeben.
Als er es von der Bank holen sollte tauchte er unter und war nicht mehr gesehen. Wirtschaftlicher Gesamtschaden etwa 120 Euro. Viel schlimmer ist der mögliche Vertrauensverlust bei den Caretakern (Erziehungsberechtigten) der unterrichteten Kinder, denen wir aber natürlich das zu unrecht eingehobene Geld zurück zahlen. So ist für nächste Woche ein großes Elterntreffen vereinbart, wo wir die Situation erklären werden.

Das Schockierende aus europäischer Sicht ist vielleicht, dass die ganze Angelegenheit hier fast wie selbstverständlich angesehen wird. Da hat halt einer der die Möglichkeit hatte sich Geld unter den Nagel gerissen, so wie die ganzen Polizisten die bei Verkehrskontrollen auf private Rechnung kassieren, oder die Beamten die halt für eine Unterschrift privat die Hand aufhalten.
Für uns bedeutet das ganz konkret, dass Cesar sich wieder auf die Such nach einem neuen Direktor macht, und wir einstweilen noch öfter nach Bongole fahren um dort nach dem Rechten zu sehen.

Die Großeltern sind wieder da

Im Februar 2009 haben Hans und Renate Ziller für zwei Wochen Zigoti und Madudu besucht. Die Arbeit von ihrer Tochter Gabi und von Stefan zu sehen, war den beiden einfach wichtig und hat sie beeindruckt. So sind sie nun heuer wieder da und bleiben 4 Wochen. Hans, als pensionierter Volksschuldirektor, kümmert sich um die lernschwachen Kinder. Renate engagiert sich als gute Seele für alle und vor allem führt sie die Kinder auch ins Nähen ein.

Bücher, Bücher, wir brauchen Bücher

Dieser Tage feiern wir 500 Jahre Buchdruck. Wer sich ein Bild davon machen will wie es wohl war, als nur ganz wenigen das Privileg zuteil wurde lesen zu können und Lesestoff zu haben hat hier in Uganda gute Voraussetzungen dazu. Wenn in einer Schule nicht ein einziges Buch zur Verfügung steht, ist es schon recht schwer wirklich lesen zu lernen. Immer nur die wenigen Wörter von der Tafel ist auf Dauer auch nicht das Wahre. Da sind wir doch recht stolz, auf unsere Schule in Zigoti mit ihrer GENUTZTEN Bücherei. Man merkt sofort, dass die Kinder bei weitem besser lesen, und wenn die Älteren anfangen richtige Romane zu lesen wissen wir – das hat’s gebracht.

[zeitung] Also werden wir versuchen auch in Bongole, St. Agnes und Butimba kleine Büchereien auf zu bauen, die mehr umfassen als nur Schulbücher. Die 500 Jahre alte Erfindung des Buchdrucks sollte auch hier nicht nur den Reichen zu mehr Bildung verhelfen.

Seit dieser Woche funktioniert übrigens auch unsere Versorgung mit der aktuellen Tageszeitung. Joyce, eine der Senior Schülerinnen ist verantwortlich, dass täglich eines der 15 Exemplare (!) der Tageszeitung New Vision, die nach Zigoti geliefert werden, bei uns in der Bücherei landet. Und siehe da, es klappt. Nicht nur die Lehrer lesen mit Begeisterung, sondern auch einzelne Schüler geben sich jetzt der Lektüre einer Tageszeitung hin. Neid kommt gerade bei mir auf: wie gerne würde ich jetzt die eine oder andere Tageszeitung aus Österreich konsumieren. Wie gerne wüsste ich etwa, was so über die scheidende und die neue Bürgermeisterin Innsbrucks geschrieben wird. Übrigens war (und ist) Hilde Zach von KINDERN EINE CHANCE sehr angetan. Zweimal sprach sie mich aktiv auf unser Projekt an und bat Gabi und mich - von sich aus - vor unserer Abreise im letzten Juli zu sich ins Büro, um uns 500 Euro mit zu geben. Geld das wir damals übrigens auch in Schulbücher investiert haben.