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23.03.2010

2010 - Woche 9: Ein ganz normaler Tag in Zigoti

Was war heute eigentlich los?

Es ist einer jener Abende an denen ich hier auf der Farm sitze, es langsam ruhig wird und ich mich frage was hab ich den ganzen Tag eigentlich gemacht. Die letzten Kinder sind eben gegangen und ich merke wie müde ich bin. Dabei war heute gar nichts Großartiges los.

Der Tag beginnt

[stefan_cafe] Um halb sieben in der Früh kamen Jerome und zwei andere Buben zum Melken und brachten die Milch ins Internat, wo die Jüngsten sie zum Frühstück bekommen. Ich machte einen kleinen Farmrundgang, sammelte liegengelassene Sandalen ein und freute mich, dass die frisch gepflanzten Cassavabüsche so gut wachsen. Um sieben kam Ian mit dem Schlosser, der für das neue Schulgebäude die Fenster machen soll. Preisverhandlungen folgten. Dann war Zeit um die Buchhaltung mit Ian durch zu gehen. Es ist „Training on the Job“. Ian macht das super, speziell wenn man bedenkt, dass das Führen eines Kassabuches hier wirklich nicht üblich ist. Im Terminus der Entwicklungszusammenarbeit würde man das wahrscheinlich „Capacity building“ nennen. Um 8 Uhr fing Josephine, unsere Farmerin, zu arbeiten an. Ich startete einen neuerlichen Versuch mit ihr die Wirtschaftlichkeit unserer Tierhaltung zu besprechen. Wenn man nur 720.000 Uganda Schilling aus dem Verkauf von Ferkeln einnimmt, kann man nicht gleichzeitig 1 Million für den Kauf von Schweinefutter veranschlagen. Also diskutieren wir die Frage was noch alles verfüttert werden kann, anstatt teures Futter zu kaufen. Und siehe da, wir finden doch einige Ansätze wie wir lokale Ressourcen besser nutzen können. Danach brauchte ich einen Kaffee ehe ich in die Schule ging. Bereits 5 Minuten nach Pausenschluss sind alle Schüler und sogar die Lehrer in den Klassen. Vor dem Office sitzen zwei Frauen mit 4 Kindern. Sie wollen Unterstützung. Ian ist schon auf einer der Baustellen, also mache ich mit Hilfe von Nuliet, der Administratorin der Schule, die Interviews. Bei einer der Frauen ist klar, dass sie keine Unterstützung für ihre Kinder bekommen wird, die zweite werde ich demnächst besuchen.

Basil, der Direktor von St. Agnes, ruft mich dann an. Die erste Rate des Geldes für das neue Schulgebäude ist aufgebraucht. Der Baufortschritt ist auch fast so weit wie kalkuliert. Ian und ich werden am Nachmittag hinfahren, und das machen was man wohl Controlling nennt.

Mülltrennung und die Behandlung von Büchern

[mulltrennung_in_afrika] Der Rundgang in der St. Mary School Schule zeigte, dass immer noch nicht alle die mühsam eingeführte Mülltrennung zwischen organischem Müll und anorganischem befolgen. Nuliet wird nochmals am Nachmittag, wenn sich alle Schüler versammeln, darauf hinweisen.
Everest, unser Bibliothekar, wollte mit mir reden da er nicht zufrieden ist wie manche Schüler die Bücher behandeln. „Ja und was soll ich da machen?“ denk ich mir, bin aber schon froh, dass ihm das Verhalten der Kinder überhaupt auffällt. Wir einigen uns darauf, dass genau das sein Job ist. Er soll den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Büchern beibringen. Die Bücher wegsperren, nur damit sie schön sauber bleiben, ist kontraproduktiv.

Der nächste Anruf kommt vom Arzt aus der Augenklinik. Beatrice muss doch operiert werden, Brillen alleine reichen nicht, die Kosten sind mehr als doppelt so hoch wie vorher besprochen...

[stefan_am_bau] Ian kommt zurück, wir essen was und fahren dann gleich die 40 Minuten weiter nach St. Agnes. Die Grundmauern des zweiten Gebäudes, das wir hier errichten, stehen. Basil hat Angst, dass jetzt, wenn die Regenzeit richtig anfängt, die Trucks nicht mehr herfahren können. Das heißt Ziegel, Sand und Zement müssen jetzt möglichst rasch für den ganzen Bau angeliefert werden. Okay, die Buchhaltung stimmt, wir vertrauen Basil. Er bekommt das Geld für Bauabschnitt zwei und drei umgehend.

Umweg zur behinderten Maria

Auf der Rückfahrt machen wir noch einen kleinen Umweg um die behinderte Maria zu besuchen. Die Creme für ihre wund gelegenen Stellen und die Finger ist fast aufgebraucht. Ian verspricht neue zu bringen. Das Bett das wir bestellt haben wird in der kleinen Hütte zusammengebaut werden müssen. Die Tür ist so winzig, dass man ein Bett hier nicht rein bekommt.

Ich komme gerade noch rechtzeitig zum Lehrermeeting zurück nach Zigoti. Wünsche über Wünsche. Ich musste wieder mal klar machen, dass wir hier sind, um gemeinsam was weiter zu bringen, und dass wir nicht nur Wünsche erfüllen, sondern auch etwas von ihnen erwarten. Wir wollen, dass sie als Lehrpersonen Vorbilder sind, pünktlich und vorbereitet zum Unterricht erscheinen, selber auch Lehrmaterialien erstellen, Engagement zeigen und so weiter. Wenn mein Frustpegel mal wieder steigt, weil wir solche Meetings schon drei Mal hatten, dann muss ich mir in Erinnerung rufen, was wir hier schon alles erreichen konnten. Wie sah diese Schule noch vor zwei Jahren aus? Also denk ich mir „schön ruhig bleiben“.
Dann noch Abendessen auf der Farm mit Ian und Cesar. Der Entwurf für den Bericht an die Vereinsbehörde und alle anderen Offices, die glauben uns kontrollieren zu müssen, wird besprochen.

Der Feierabend naht

[stefan] Josephiene beschwert sich, dass die Senior Students nicht genug Futter für die Kühe bringen. Drei der Mädchen, die Elefantengras als Futter gebracht haben, legen mir ihr „Farmwork Buch“ vor in das sie alles eintragen was sie so tun. Ich unterschreibe und notiere lobende Bemerkungen. Ich begleite Ian und Cesar noch runter nach Zigoti.

Das Bier, das ich im Dorf kaufe ist warm, heute gab es wieder mal keinen Strom. Ich werde mich vors Haus auf der Farm setzen und es dort genießen, und mir dann überlegen was ich ins Tagebuch schreibe, weil eigentlich war heute ein ganz normaler Tag in Zigoti.