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23.03.2010

2010 - Zweiter Eintrag: Eine wahre Freude!

Zweiter Eintrag
Bongole – eine wahre Freude

Die erste Schule, die gänzlich von KINDERN EINE CHANCE aufgebaut und geführt wird ist die Pimary School Bongole. Im Februar diesen Jahres hat sie den Betrieb aufgenommen, und es war anfänglich nicht ganz so problemlos. Wir wurden zwar von Schulkindern praktisch überrannt, aber in einer so abgelegenen Region gutes Lehrpersonal zu finden war schwierig. Niemand verwunderte es damals, daß der erste Direktor mit einem Teil des Schulbudgets praktisch über Nacht verschwand. Um so größer unsere Freude als wir jetzt nach Bongole kamen.
Die Kinder sitzen in den neuen Klassenzimmern. Alle Lehrer sind anwesend und bei ihren jeweiligen Klassen. Fast alle Kinder tragen die grüne Schuluniform mit unserem kleinen Logo, und ein wenig stolz sind wir schon darauf, was KINDERN EINE CHANCE hier geschafft hat.

[bongole_1] Ruth, die neue Direktorin ist hoch motiviert. Hat Ordnung in den Lehrbetrieb gebracht und ist von ihren Lehrerkolleginnen und Kollegen anerkannt. Und auch die Unterstützung der Dorfgemeinschaft ist gut. Natürlich haben wir die Buchhaltung gecheckt, und auch hier eine freudige Überraschung. Sie ist sauber und ordentlich. Unterschriebene Belege, ein Kassabuch, das fast up to date ist und obendrein keine Beschwerden über zu geringe Bezahlung. Man merkt, daß Ruth eine zeitlang in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, gearbeitet hat. Sie bringt einfach ein etwas anderes Niveau hier in diese ländliche Region. Die ausführliche Diskussion mit ihr ist überaus interessant.

[bongole_3] Von den über 260 Schulkindern haben nur 21 den kleinen Selbstbehalt für Schulbesuch, Jause und Lehrmaterial von etwa 1,- Euro pro Monat nicht bezahlt. Diesen kleinen Selbstbehalt hatten wir eingeführt, um den Wert von Schulbildung zu zeigen. Außerdem kommen die Kinder wesentlich regelmäßiger zur Schule, wenn die Familie, die Verwandten, oder bei wem die Kinder auch immer leben, zumindest eine minimale Summe zahlen müssen. In der nächsten staatlichen Schule, wo es laut Gesetzt keine Schulgebühren gibt, müssen die Kinder alle möglichen anderen Gebühren ("Fees") zahlen. Etwa Building Fee, Porrege Fee ect. Das heißt am Ende, daß sie in der staatlichen Schule die gratis sein sollte, schlichtweg das doppelte zahlen, als in der „A CHANCE FOR CHILDREN Primary School Bongole“.

Aber zurück zu den 21 Kindern die selbst diese minimale Summe von 1.- Euro im Monat nicht aufbringen konnten. Gemeinsam mit Ruth machen wr uns auf den Weg genau diese Kinder zu besuchen. Und schon beim ersten Hausbesuch ist wieder klar warum und für wen wir hier sind. Die 22 jährige Maggi ist Mutter dreier Kinder. Der Vater starb vor einem Jahr. Sie sagt an einem Unfall, für Ruth und uns ist klar: Es war AIDS. Mit der einjährigen Winnie am Rücken füllt sie Holzkohle in große Säcke. Die 4 jährige Florence hilft ihr dabei, statt mit den Gleichaltrigen in der Schule zu sein. Es ist klar, daß wir den zwei Kindern im Schulalter den Selbstbehalt erlassen und sie ab sofort gänzlich gratis Unterricht und Essen in der Schule bekommen.

Ein alter Bekannter

[emanuell] Der nächste Hausbesuch ist eine echte Überraschung. Ruth war selbst noch nie dort, hat nur von dem Mann gehört. Ein Schulkind begleitet uns am Motorrad und weist uns den Weg. Als wir die Hütte erreichen ist mir, Stefan, klar: Genau hier war ich vor knapp drei Jahren mit einer Organisation für die ich Projekte dokumentierte. Der Mann heißt Emanuel. Eine Miene hat ihm den rechten Arm weggerissen und ihm das Augenlicht genommen. Als wir kommen liegt er in Lumpen am Boden seiner Hütte. Die 5 Kinder sind nicht da. Sie sind Feuerholz suchen, um es gegen etwas essbares ein zu tauschen. Zwischen 3 und 13 Jahre sind sie alt. Als ich ihn damals besuchte gab es noch eine Frau, ein paar Schweinchen und Hühner. Die Frau hat ihn verlassen. Sie hielt die erbärmlichen Bedingungen nicht mehr aus. Die Kinder ließ sie zurück. Wie muss es in einer Frau aussehen, die ihre 5 Kinder zurückläßt. Wie hoffnungslos und verzweifelt muss sie gewesen sein?

Die Schweinchen, die beim Verkauf zumindest ein wenig Geld brachten, sind eingegangen. Ebenso die Hühner. Manchmal bringen Nachbarn ein paar Casavawurzeln vorbei, oder die Kinder tauschen das gesammelte Brennholz gegen Maismehl. Es ist klar, hier wird es nicht reichen den Kindern nur den Selbstbehalt zu erlassen, wir müssen auch schauen, daß genug Essen für den Mann da ist. Sonst werden die Kinder schnell wieder Brennholz sammeln gehen müssen. Nach so einem Besuch weiß man wieder warum man hier ist.