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23.03.2011

2011 - Vierter Eintrag: Abschied

Die Schule beginnt

Nachdem die letzte Woche bei uns hier in Zigoti ganz unter dem Motto „das kommende Schuljahr vorbereiten“ stand, hüllten sich all die staatlichen Schulen die ich in der Zeit besuchte noch in eine dicke Staubschicht. Nicht, dass in unseren Schulen alles so laufen würde, wie wir das gerne hätten, doch zumindest waren schon die meisten der Lehrer hier und nahmen an den - bei uns würde man sagen - Konferenzen teil. Auch Leopold, einer unserer Freiwilligen, der nun in vier unserer Schulen Lehrerfortbildung macht, war dabei und musste immer wieder feststellen, dass manche Dinge in Uganda doch etwas anders ablaufen wie in Tirol. Aber Leopold sieht es als Herausforderung und ich bin sicher, dass ihm so schnell nicht langweilig wird.

[Besuch_mit_der_DEO_in_diversen_Schulen_inkl_Elternmeetings._JPG] Die erste Schulwoche war vor allem von Sensibilisierungsmeetings geprägt. Gemeinsam mit der Landesschulrats-Präsidentin, die hier District Educational Officer (DEO) heißt, besuchten wir neben unseren Einrichtungen auch 5 staatliche Schulen. Und nicht ganz ohne Stolz darf ich sagen: Der Vergleich macht uns sicher :-)

Während zum Beispiel in unserer Schule in Bongole von etwa 260 Schülern am ersten Schultag knapp 200 anwesend waren, waren es in der staatlichen Schule in Saala von 360 Schülern gerade einmal 3. In Worten DREI Schüler. Allerdings mit enormer Steigerung, denn am 3. Schultag waren neben 2 der 8 Lehrer auch schon 10 Schüler da. Auch für die DEO war diese Tatsache schockierend. Aber was soll sie tun, meinte sie: Sie hat zwar 3 Inspektoren für die etwa 400 Schulen die ihr unterstehen, aber kein Geld um Sprit für die Motorräder zu kaufen. Das größte Problem für die Schulen im Distrikt sei, so wurde bei einer Evaluation vor 8 Jahren erkannt, dass es keine Lehrerunterkünfte bei den Schulen gibt, und daher die Lehrer nicht regelmäßig anwesend sind. Darauf wurde natürlich reagiert…sage und schreibe 2 (in Worten ZWEI) Lehrerunterkünfte wurden bei den staatlichen Schulen in den letzten 8 Jahren gebaut. Die DEO kann einem richtig Leid tun.

Handshake with the Präsident

[Handshake_Museveni] Unsere Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden in Uganda war ja nicht immer leicht. Da wurde schon mal der eine oder andere Baustopp verhängt, mit Hinweis auf irgendwelche Vorschriften die wir angeblich nicht einhalten würden. Aber genauso deutlich war auch der Hinweis, dass man gegen eine kleine Geldsumme natürlich eine „Ausnahmeerlaubnis“ erteilen könnte. Was haben mich diese ständigen Schikanen und Versuche Bestechungsgelder zu ergaunern Geduld und Nerven gekostet? Heute bin ich heilfroh, dass wir unsere strikte Linie gefahren sind und anstatt zu zahlen allen davon erzählt haben, um es öffentlich zu machen. Manch ein Behördenvertreter fühlte sich einfach um „seinen Anteil“ an den Spendengeldern geprellt. Denn anstatt wie vielfach üblich die Gelder einfach an hoher Stelle abzugeben, um dann erstaunt festzustellen wie wenig „on the ground“ ankommt, haben wir es gewagt, das Geld direkt und selbst-kontrolliert dort auszugeben wo es ankommen soll. Nämlich in den Dörfern beim Schulbau, direkt beim Zahlen der Schulgebühren für die Kinder etc. Dass da manch ein Beamter oder Politiker sauer war, weil die unterschiedlichsten Provisionen auf den unterschiedlichsten Ebenen eben nicht abgezweigt werden konnten, ist ja fast verständlich. Dass wir es wagten, das öffentlich anzuprangern, hat uns anfänglich nicht nur Freunde gebracht, doch irgendwann kam der Umschwung, und keiner traute sich mehr uns Steine in den Weg zu legen. Plötzlich sind alle voll des Lobes für unsere Arbeit, und haben uns ja immer schon tatkräftigst unterstützt, wenn nicht sogar die Arbeit von KINDERN EINE CHANCE in Uganda überhaupt erst ermöglicht… Wie auch immer, auch Ugandas Präsident Yoweri Museveni wurde mittlerweile über unsere Arbeit informiert und würdigte anlässlich eines Besuches in Mityana, unserem Haupteinsatzbezirk, die Arbeit von KINDERN EINE CHANCE. Eine große Ehre, wie mir von allen Seiten gesagt wurde. Und wie ich Cesar, unseren Obmann in Uganda kenne, wird demnächst das Bild des Handshakes mit dem Präsidenten in unserem Minibüro in Zigoti hängen. Damit kann man in Uganda eventuellen korrupten Beamten die uns besuchen kommen schon von Anfang an den Wind aus dem Segeln nehmen. Was die Arbeit für unsere Leute vor Ort um einiges einfacher macht.

Abschied

Ich gehe diesmal, zwar wie immer ein wenig traurig, aber mit einem sehr guten Gefühl zurück nach Österreich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit den zwei Krankenschwestern Manuela und Elvira, und den beiden Pädagogen Leopold und Herbert jetzt vier Österreicher hier sind und für die nächsten 3 Monate hier mitarbeiten. Und auch wenn wir ein gutes ugandisches Team haben, Mitarbeiter aus Österreich sind unheimlich wertvoll für unser Ziel, den bedürftigsten Kindern über eine gute Schulbildung und Betreuung eine Chance zu geben. Über die Arbeit unserer Krankenschwestern und von Leopold habe ich ja schon einiges berichtet. Herbert, unser Neuzugang, war langjähriger Direktor eines Polytechnischen Lehrgangs, und ist ein echter Praktiker. So wird er sich in den nächsten Monaten vor allem um unsere Tischlereiwerkstatt, die Schneiderei und die Farm kümmern. Gemeinsam mit den jeweiligen Handwerkern und unserem Farmer wird er auch den Unterricht in den jeweiligen praktischen Fächern organisieren. Ich bin echt froh, dass wir Spezialisten wie ihn aber auch die anderen Volontärs hier haben. Ich bin überzeugt, dass alle vier unheimlich viel zur Qualitätsverbesserung unserer Projekte beitragen.

Wie bei jedem Aufenthalt in Uganda wird die Zeit zum Schluss unheimlich knapp. Da müssen Arbeitspläne für die nächsten Monate erstellt und Pläne für die nächsten größeren Projekte besprochen werden, noch diese oder jene Schule besucht und Fotos gemacht werden, und und und ...

[Habibu_bei_der_Firstfeier] Auch ein weiteres wichtiges Projekt musste dieses Mal noch zum Abschluss gebracht werden solange ich da war, und zwar der Hausbau von Habibu und seinem Team. Vier Wochen hatten die vier Jungs in den Ferien fast vollkommen selbständig an dem kleinen Haus gearbeitet. Nicht ein einziges Mal hatte ich sie antreiben müssen. Das Haus war IHR Projekt. Das Dach war drauf, der Rohbau fertig. Nun stand auch für Habibu der Schulanfang vor der Tür, und somit musste dieses Projekt einen würdigen Abschluss finden. Und was wäre besser geeignet als eine echte Firstfeier. Ich weiß nicht wer mehr stolz war, Habibu oder ich. Er stand da vor uns, den geladenen Gästen, und hielt eine richtig nette kleine Rede, stellte sein Team vor und berichtete was er und die anderen in diesen vier Wochen alles gelernt hatten. Er machte das in einer Art und Weise die ich ihm nie und nimmer zugetraut hätte. Für ihn, sein Team aber auch für mich war das eine große Sache, und ich bin froh, dass wir es noch vor meiner Abreise geschafft haben.

Ja und dann gibt es auch kleine Dinge die mir persönlich einfach immer unheimlich wichtig sind ehe ich wieder zurück nach Tirol komme. Ein letzter Rundgang ganz allein über die Farm, der Abschiedsbesuch bei unserer behinderten Maria, noch einmal mit Isahia und Peter Fußball spielen, oder die Kinder beim Wasserholen zum Brunnen begleiten. Irgendwie ist es nicht leicht hier wegzugehen, aber was soll´s ich komm - ja wieder.