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23.03.2011

2011 - Zweiter Eintrag: Wasser und AIDS

Wasser: einmal zu viel, einmal zu wenig

Schwer vorstellbar, dass die Menschen unweit von hier aufgrund der schwersten Dürre seit Jahrzehnten auf der Flucht sind. Hier hat es heute geschüttet, und zwar ordentlich. Innerhalb von wenigen Minuten ist der Straßengraben zum Bach geworden, der dann wegen der Bauarbeiten an der Straße direkt auf das Schulgelände floss. Mit allen Mitteln versuchten wir zumindest einen Teil des Wassers abzuleiten, mit dem Erfolg, dass das Wasser in der Senior School "nur" 40cm hoch stand. Für die Kinder aber eher eine Gaudi als ein Grund zur Beunruhigung. Richtig gut war dann das gemeinsame Aufräumen, irgendwie hatte ich das erste Mal so richtig das Gefühl, dass auch die Senior Lehrer aktiv anpackten. Außerdem auch erfreulich der Umstand, dass nun fast alle Wassertanks voll sind.

[Sensibilisierungsmeeting] Volle Wassertanks sind natürlich super, doch für Thomas, der gerade am Sensibilisierungsprogramm für einen sparsamen Umgang mit Wasser arbeitet,  kam der Regen nicht gerade zur rechten Zeit. Irgendwie hat man hier immer das Gefühl die Menschen, insbesondere die Kinder, haben nie gelernt zu sparen und mit den Ressourcen bedacht umzugehen. Da wird schon Mal mit 20 Litern sauberem Wasser aus dem Regenwassertank  geduscht, auch wenn man dann zwei Wochen später nur noch dreckiges Wasser aus einem Schlammloch zum Kochen hat. Also hat Thomas hier alles in die Wege geleitet, um den Kindern zu erklären, warum es notwendig ist auch dann sorgsam mit dem Wasser umzugehen, wenn die Wassertanks noch fast voll sind. Ab heute zeigen blaue Linien an den Wassertanks an wie lange Wasser zum Duschen verwendet werden darf, ab wann nur noch Wasser zum Kochen und Trinken da ist, und ab wann absoluter Notstand herrscht, und das verbleibende Wasser nur noch zum Trinken verwendet werden kann. Jedes Kind, und jeder Erwachsene, darf nur noch zwei Mal 3 Liter pro Tag zum Duschen aus dem Regenwassertank haben. Will man mit mehr Wasser duschen, muss man sich das Wasser vom Brunnen oder dem Wasserloch holen. Jetzt geht es darum das Programm auch konsequent umzusetzen. Wir sind mal gespannt, wie es klappt.

Besuch in Bongole

Freitag war Zeugnistag. Wir haben die Gelegenheit genutzt in die Schule nach Bongole zu fahren, dort Patenpost auszuteilen und Fotos der Kinder zu machen.

Es macht immer unheimlich Spaß nach Bongole zu kommen. Es liegt so abgelegen, und die Lebensbedingungen dort sind wirklich nicht die einfachsten, und trotzdem haben wir das Gefühl, dass die Schule dort von unserer Direktorin Ruth richtig gut geführt wird. Nur ganz wenige Kinder waren nicht da. Eines davon war Paul. [Paul_und_Stefan] Paul ist aidskrank und bekommt antiretrovirale Medikamente. Ruth erzählte uns, dass es ihm sehr schlecht ginge. Wir machten uns auf, um ihn zu besuchen. Paul lag total abgemagert und schwer atmend in der einfachen Lehmhütte. Schon als ich ihn im Jänner das letzte Mal sah war er von der Krankheit schwer gezeichnet, doch jetzt sah er wirklich todkrank aus. Seine Tante, die seit dem Aidstod seiner Eltern auf ihn aufpasst, erklärte uns, dass sie die Medikamente seit einer Woche abgesetzt habe, da sie glaube, dass es die Medikamente seien, die dem Buben so zu schaffen machen. Seit Tagen trank der Bub nur noch Wasser, hatte Fieber und verlor wohl zusehends an Kräften. Wir haben sie ganz eindringlich aufgefordert ihm unbedingt Porridge mit Zucker, Karotten und anderes Essen zu geben und am Montag sofort ins Krankenhaus zu fahren. Außerdem soll unbedingt auch Pauls kleiner Bruder getestet werden, ob auch er HIV positiv ist, damit notfalls rechtzeitig mit seiner Therapie begonnen werden kann. Natürlich haben wir der Tante entsprechend Geld dort gelassen. Ich hoffe wirklich, dass Paul es schafft und wieder auf die Beine kommt.