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23.03.2011

2011 - Fünfter Eintrag: Unser täglich Brot...

Ibrahim, 10 Jahre, AIDS-krank

Fast täglich sitzen jetzt vor dem Büro Kinder mit Verwandten die um Unterstützung bitten. Gabi und mir fällt es immer schwer die Kinder abzuweisen. Doch wir sind uns einig, ehe wir neue Kinder aufnehmen können müssen wir Paten für jene finden, die wir schon aufgenommen haben. Es ist nicht leicht Kinder wegzuschicken, wenn wir sehen, dass sie wirklich Unterstützung bräuchten. Trotzdem es hilft nichts, es muss sein. Doch so fest wir uns das auch vornehmen, immer gelingt es uns einfach nicht. So auch gestern. Vor der Tür saß ein komplett abgemagerter und kränklich ausschauender Bub namens Ibrahim, in zerrissenen, aber sauberen Kleidern. Seine Mutter schaute uns aus müden, eingefallenen Augen an und erklärte uns ihre Situation. Ihr Mann war 2008 an Aids gestorben, sie ließ sich daraufhin testen und war ebenso wie ihr damals 7-jähriger Sohn Ibrahim positiv. Seit der Zeit sind die beiden in Behandlung.

Sie legte uns zwei kleine Schulhefte vor, in die der behandelnde Arzt immer die ausgegebenen Medikamente notiert. Alle drei Monate sollten die beiden zum Arzt. Doch Ibrahim ist viel öfter dort. Auf die Frage warum erklärt die Mutter, dass Ibrahim sehr oft krank ist, der Arzt sagt dann immer sie müsse Ibrahim mehr zu essen geben. Fast entschuldigend fügt sie hinzu, dass sie aber einfach nicht mehr arbeiten kann, als sie ohnehin tut. Sie geht immer auf die Felder der Nachbarn, um dort für ein paar Lebensmittel zu arbeiten. Und wenn sie noch mehr arbeitet wird sie selbst immer krank.

Als Gabi Ibrahim zu essen gibt sehen wir selbst wie hungrig der Kleine ist. Mit einem Strahlen schaufelt er den Maisbrei und Gemüse in sich hinein.

Wieder einmal werfen wir unsere Vorsätze über den Haufen und nehmen Ibrahim ins Programm auf. Er wird zur Schule gehen können, monatlich spezielle Zusatznahrung bekommen und regelmäßig wird eine Mitarbeiterin von KINDERN EINE CHANCE ihn besuchen, um sicherzustellen, dass er die Arzttermine einhält. Denn nur zu oft kommt es vor, dass aufgrund von Geldmangel die Fahrt ins Krankenhaus nicht möglich ist.

Finanziert wird das ebenso wie die Unterstützung der anderen aidskranken Kinder im Projekt mit Geld aus anonymen Patenschaften.

Kontrolle ist einfach notwendig

[aa_Schulinspektion_in_Busenja] Während in Österreich gerade ein neues Schuljahr begonnen hat, starteten die Kinder hier Anfang September in ihr drittes und letztes Term für dieses Schuljahr. Für uns hat damit auch wieder die Zeit begonnen, in der wir verstärkt unsere eigenen und die von uns unterstützen Schulen besuchen. Zwei- bis dreimal wöchentlich fahren daher Stefan und unser hiesiger Obmann Ceasar quer durch die Gegend und kontrollieren ob die Lehrer auch anwesend sind, ob die Klassenbücher geführt werden und ob der von uns zur Verfügung gestellte Porridge auch wirklich an die Kinder ausgegeben wird oder nur von den Lehrern konsumiert wird. Man kann sich in Österreich gar nicht vorstellen, wie miserabel die Einstellung vieler Lehrer hier ist. Anwesenheitsbücher werden einfach am Tag zuvor ausgefüllt und so kann es schon sein, dass laut Buch alle Lehrer seit 7.30 da sein müssten, man aber um 8.00 tatsächlich nur zwei Lehrer antrifft. Die anderen haben einfach vorab schon mal ihre geschätzte (und eigentlich verpflichtende) Ankunftszeit eingetragen.

Aber natürlich gibt es auch genügend positive Beispiele, wo wir uns immer wieder freuen, wenn wir diese Schulen besuchen. Allen voran unsere eigene Schule in Bongole wo wir bis heute noch keinen Grund zur Beanstandung fanden. Die Direktorin ist mittlerweile (nach manchen Schwierigkeiten in der Vergangenheit) hoch motiviert, die Lehrer sind gut vorbereitet und auch das gesamte Schulgelände wird super instand gehalten. Andere Schulen, bei denen wir noch im letzten Term recht unzufrieden waren, bemühen sich nun sichtlich. In der staatlichen Schule in Sala beispielsweise stellen wir im Rahmen unseres Porridge Programms  wöchentlich 60 Kilo Maismehl für die Porridgejause zur Verfügung. Als Gegenleistung erwarten wir aber eben, dass auch unterrichtet wird, und zwar mit einer schriftlichen Vorbereitung der Lehrer. Es war ein langer Weg und wir sind sicher noch nicht am Ziel, aber mittlerweile sind zumindest bei unseren (unangemeldeten) Besuchen fast immer alle Lehrer und der Direktor anwesend und in den Klassenzimmern.

St. Michael bereitet Freude

[aa_St_Michael_Gruppenbild] Auch die Schule St. Michael in Kakiri haben wir letzte Woche besucht. Hier leistet Susan wirklich tolle Arbeit. Die Direktorin war lange Jahre SOS Kinderdorf Mutter und hat ihre Erfahrungen aus der Zeit wunderbar in den Aufbau der neuen Schule gesteckt. Man findet viele liebevolle Details und hat den Eindruck, dass sich Susan wirklich genau überlegt hat, was sie tut. Das Grundstück ist zwar recht klein, aber jeder Fleck ist sinnvoll ausgenützt und auch die Qualität des Unterrichts ist viel versprechend.

14 Paten aus Österreich unterstützen derzeit die ärmsten Kinder hier, die sich den Schulbesuch nicht leisten können und wir haben uns wieder einmal überzeigen können, dass das Geld dort bestens investiert ist.

 

Auch Administration muss sein

[aa_administration] Neben den vielen Field Visits ist ein großer Aufgabenbereich diesmal der Verbesserung der Administration gewidmet. Wir sind neben der Diozöse mittlerweile die größte NGO im Bezirk Mityana, die sich um Waisen- und andere benachteiligte Kinder kümmert („orphans and other vulnerable children“ wird das hier genannt) und da ist natürlich eine ordentliche Verwaltung das Um- und Auf.

Die Berichte der Schulbesuche müssen nicht nur abgelegt (und dann wieder gefunden) werden, sonder regelmäßige Zusammenfassungen werden auch an die Landesschulinspektorin gesandt, da wir ja zahlreiche Schulen unterstützen, die in ihren Aufgabenbereich fallen. Außerdem müssen die Kinderdaten sorgfältig verwaltet werden, Krankenakten werden angelegt und Inventarlisten der Schlafsäle erstellt. Die von uns unterstützen Kinder besuchen über 25 verschiedene Schulen und da muss jemand hinfahren und die Schulgebühren bezahlen.

Selbstverständlich ist es auch ganz wichtig, dass die Kinder fotografiert werden, damit die Paten daheim sehen, wie sich das jeweilige Patenkind im Laufe der Zeit entwickelt. Aber fast 700 Kinder fotografiert man nicht an einem Tag, noch dazu wo sie im ganzen Bezirk verstreut leben. Und es ist ganz klar, dass all diese Aufgaben von lokalen Mitarbeitern erledigt werden sollen. Mit Cindy, Justine und Nuliet haben wir ein tolles Team gefunden, das sich um die Administration kümmert. Nuliet, leider nach wie vor im Krankenstand aber auf dem Weg der Besserung, leitet das Team. Sie ist Cesars Assistentin, unterstützt ihn bei den Schulbesuchen, verwaltet die Buchhaltung und ist die Ansprechpartnerin für alle anderen Mitarbeiter unseres Vereins. Justine ist erst seit wenigen Wochen im Team, sie ist eine erfahrene Sekretärin mit guten Computerkenntnissen (was in Uganda wirklich eine Ausnahme ist) und wird neben den klassischen Sekretariatsarbeiten auch die HIV positiven Kinder regelmäßig besuchen und betreuen. Cindy wurde vom Verein letztes Jahr  der Abschluss der Senior 6 finanziert und sie arbeitet nun 1,5 Jahre für uns, um dann für ihren weiteren Bildungsweg unterstützt zu werden. Das junge Mädel stellt sich richtig geschickt an und ist eine tolle Hilfe für die beiden erfahreneren Damen.

Auch wenn noch nicht alles so reibungslos und vor allem so schnell funktioniert, wie wir das gerne hätten, so sind wir auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.