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25.03.2013

2013 - Frank

2013 - Frank

Frank

Als wir zu den zwei kleinen Hütten der Familie kommen, werden wir von zahlreichen Kindern herzlich begrüßt. Wir fragen nach Frank. Die Kinder schauen sich an und rufen nach der Oma. Eine etwa 50jährige Frau kommt kurz darauf herbei. Offenbar war sie gerade bei der Feldarbeit. Wir wollen Frank besuchen, sagen wir. Die Frau holt einen Schlüssel aus ihrer Rocktasche und geht zu einer kleinen Lehmhütte. Sie sperrt die Türe auf und gibt den Blick auf einen kleinen, abgemagerten und schwer behinderten Buben frei, der nackt am Boden liegt.

[Frank-mit-Clement-und-gabi_b350] Das ist Frank. Er ist 9 Jahre alt und der Enkel der Frau. Bis er etwa zwei war konnte er alles, wie andere Kinder auch. Sogar die ersten Worte hat er gesprochen und gelaufen ist er fast so schnell wie sein älterer Bruder. Erzählt die Oma. Doch dann wurde er krank. Wahrscheinlich war es Malaria. Und danach war nichts mehr wie früher. Frank konnte nur noch seine linke Hand ein wenig bewegen, aber die Beine sind verkrüppelt und sprechen kann er auch nicht mehr. Er schaut uns aber sehr interessiert aus den trüben Augen an, als wir in die Hütte kommen. Wir fragen die Oma, warum Frank eingesperrt ist. Sie habe Angst, dass ihn jemand mitnimmt, wenn sie am Feld arbeitet und der Bruder in der Schule ist. Wir wissen, dass das eine Ausrede ist und befürchten, dass er selten aus der Hütte getragen wird. Wir bringen ihn ins Freie.

Was isst Frank? Und wann hat er zum letzten Mal etwas gegessen, wollen wir wissen. Er esse regelmäßig mit der Familie mit und heute in der Früh habe er schon Tee bekommen. Wir haben ihm Porridge (Maisbrei) und ein hartgekochtes Ei mitgebracht. Frank verschlingt das Ei und trinkt zwei Becher Porridge gierig aus. Es ist offensichtlich, dass der Junge kaum etwas zu essen bekommt. Das einzig positive, was wir an diesem Vormittag wahrnehmen ist die Fürsorge, mit der sich Clement, der zwölfjährige Bruder, um Frank kümmert. Ernimmt ihn in den Arm und hilft ihm beim Trinken des Frühstücks. [Frank-mit-Clement-und-gabi-stefan_b350]

Wir sind schockiert über die Situation, denn wir glauben, dass die Großmutter hier wirklich sehr nachlässig ist und den Jungen kaum ernährt hat. Er ist ein lästiges Anhängsel mit dem sie nichts anzufangen weiß. Die Mutter der Buben ist vor längerer Zeit gestorben und die Oma hat die Enkel bei sich aufgenommen. Aber sie hat noch eigene Kinder, die teilweise noch zur Schule gehen, und einen neuen Mann, der sich nicht für die Enkel interessiert.
Kürzlich ist die Großmutter dann ins Büro von uns in Zigoti gekommen und hat um Hilfe gebeten. Daher wissen wir von Frank. Aber wir sind uns nach dem Besuch unsicher, ob sie wirklich Hilfe will oder einfach nur froh ist, wenn sie den Buben nicht mehr bei sich haben muss. Für uns ist klar, dass ihr das lieber ist.

Frank bekommt seine Chance
Und nicht weil wir die Oma entlasten wollen sondern weil Frank eine Chance verdient hat, bringen wir ihn und seinen Bruder nach Zigoti in die Christoph Bettermann Schule. Franks Behinderung ist zu schwer, als dass er dem Unterricht folgen könnte, aber hier bekommt er viel zu essen und wird von unserem Physiotherapeuten Philipp betreut. [Frank-und-Clement-in-der-CB-school_b350] Clement hilft mit, wo es nur geht und freut sich über jeden kleinen Fortschritt den Frank macht. Eigentlich sollten die Buben nur während der Ferien hier bleiben. Aber wir sehen die unglaubliche Entwicklung, die der Bub durchmacht und beschließen, ihn bei uns zu behalten. Und so wohnen Clement und Frank nun auch in der Christoph Bettermann Schule. Clement besucht tagsüber die Primary 5 der St. Mary’s School in Zigoti und auch Frank nimmt am Unterricht teil. Er sitzt in der Bettermann Schule in der neuen Klassse C, die mit diesem Schuljahr begonnen hat, und freut sich, dass er dabei sein darf.

Besonders gefällt es ihm, wenn Lehrer Silas mit seinen Schülerinnen und Schülern singt. Dann ist was los und dann strahlen Franks mittlerweile gar nicht mehr so trübe Augen mit der Sonne um die Wette. Er begrüßt uns auch schon mit der linken Hand und antwortet mit einem kleinen Laut auf die Grußworte. Wer weiß, was aus Frank noch wird. Wir sind uns sicher, dass es viel ist.