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25.03.2013

2013 - Ein neues Zuhause

2013 - Ein neues Zuhause

Ein neues Zuhause

Als wir vor fünf Jahren mit unserer Arbeit in Uganda angefangen haben, wussten wir aus heutiger Sicht vieles nicht. Die Kultur war uns noch nicht so vertraut, die Übersetzung mancher Worte und Begriffe von Luganda ins Englische war oft nicht ganz verständlich und so lernten wir vieles erst im Laufe der Zeit. So kam es auch, dass aus vielen Waisen, unter denen wir Vollwaisen verstanden haben, dann doch Halbwaisen wurden. Denn in Uganda ist jedes Kind ein „orphan“ sobald es mindestens einen Elternteil verliert. Gleichzeit haben sich aber manche „mothers“ als Tanten herausgestellt, denn auch die Schwester der leiblichen Mutter wird als „mother“ bezeichnet. Mittlerweile werden die Kinder, die um Unterstützung bitten also gefragt, ob beide Eltern verstorben sind und ob die „mother“ auch die Frau ist, die das Kind zur Welt gebracht hat.

Das Gute an Uganda ist auf jeden Fall, dass die Großfamilie eigentlich nach wie vor sehr gut funktioniert und auch wenn es an allen Ecken und Enden fehlt und kein Geld zum Schulbesuch da ist – man kümmert sich schon umeinander. Daher können auch fast alle Kinder aus dem Programm, auch die, die im Internat leben, auf ihre Familie zählen und in den Ferien heim fahren. Auch wenn der Begriff „daheim“ ein anderer ist, wie bei uns, denn daheim ist man oft dort, wo gerade der große Bruder lebt oder dort, wo die kranke Oma ist. Uns ist es sehr wichtig, dass die Kinder den Bezug zu ihren Verwandten erhalten und daher werden die Internatskinder aus Zigoti in den Ferien eben auch „heim“ geschickt.

Ein Heim für Waisen
Was aber mit denen tun, die wirklich nirgends hinkönnen? Gott sei Dank sind das derzeit nur eine Hand voll Kinder. In der Vergangenheit haben wir diese immer bei Mitarbeiterinnen von uns verbracht. Dass das aber keine Dauerlösung war, war auch klar. Ein „home“ ist uns schon lange im Kopf herumgegeistert. Wir wollten eine Frau finden, die möglichst selber auch Kinder hat, die sich dann auch um unsere Vollwaisen kümmert. Aber man kann sich vorstellen, dass man so eine Frau auch nicht gerade leicht findet.

Jaja Peace
Und so meinte es das Schicksal gut mit uns, als es uns im letzten Sommer Jaja (Oma) Peace brachte. Die 50-jährige Frau kam zu uns, weil sie um medizinische Hilfe für ihre Enkelin Peace bat, die einen inneren offenen Gaumen hat und daher kaum Nahrung aufnimmt und daher total unterentwickelt ist. Mittlerweile ist klar, dass Peace noch zu klein für eine OP ist, aber die Oma, mit wirklichem Namen heißt sie Cissy, hatte noch mehr Probleme. Weil sie sich fast rund um die Uhr um Peace (die zu allem Überfluss noch taub ist) kümmern muss, konnte sie nicht arbeiten und so weder die Schulgebühren für den älteren Enkel Moses noch die Miete bezahlen. Und zu essen gab es für sie und ihre 4 Enkel sowieso nicht genug.

[neues-zuhause-b350] Und damit begann unsere Zusammenarbeit mit Cissy. Wir haben ihre Mietschulden bezahlt und sie ist mit den vier Enkeln und den wenigen Besitztümern nach Zigoti übersiedelt. Im ersten von KINDERN EINE CHANCE 2008 erbauten Haus lebt sie nun mit mittlerweile 9 Kindern. Drei davon, Paul, Robert und Julius sind HIV positiv, bzw AIDS krank und die Leute, die sich bis jetzt um sie gekümmert hatten, konnten keine ausreichende Fürsorge mehr garantieren. Und daher leben auch sie jetzt bei Jaja Peace. Sie kocht für die Kinder, wäscht die Wäsche, spielt mit ihnen, kontrolliert, dass sie auch die Hausaufgaben machen und flickt die Moskitonetze, wenn sie kaputt sind. Natürlich achtet sie besonders darauf, dass die drei Burschen täglich ihre Medikamente einnehmen, und wenn Paul leider wieder einmal krank ist, kümmert sie sich um ihn, als wäre sie wirklich seine Oma. Man kann sich vorstellen, dass es ihnen allen sehr gut geht.

Sie haben jetzt ein wirkliches Daheim. Ganz ohne Sprachverwirrungen – auch in unserem Sinne.