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25.03.2013

2013 - „Kulika yo wa ka!“ - Willkommen zu Hause

2013 - „Kulika yo wa ka!“ -  Willkommen zu Hause

„Kulika yo wa ka!“ -  Willkommen zu Hause

Mit den Kindern lachen, Klopapier und Bananen kaufen, mit Händen und Füßen und in Luganda kommunizieren, Trinkwasser verteilen, Zahnbürsten kontrollieren, Mitarbeiter zum Arbeiten auffordern, den Kindern meinen Fotoapparat wieder abluxen, Spielzeug sortieren, mit der Direktorin diskutieren, Essen austeilen, herumblödeln, sich über Feuerholz den Kopf zerbrechen, 22 mal Gute Nacht wünschen…

[barbara-cbs b350] Woraus besteht der Alltag für einen Volunteer an der Christoph Betterman Schule?

Ich kann es auch jetzt, in meinem insgesamt 6. Monat, nicht wirklich definieren. Meistens überlege ich mir am Morgen, was ich heute alles erledigen und machen will und werfe meine Pläne noch mindestens zweimal um, weil immer etwas Dringenderes dazwischen kommt. So sind meine ersten 3 Monate in Zigoti letzten Herbst viel zu schnell vergangen und ich habe noch in Uganda beschlossen, dass ich ein zweites Mal herreisen „muss“. Also bin ich im Jänner wieder aufgekreuzt und habe mich sehr auf die Mitarbeiter und vor allem die Kinder gefreut.

Die Kinder sind total witzig, frech, lustig und lieb. Was mich immer wieder freut ist, dass genau die Kinder, die in der Schule schlecht sind und sich kaum verbessern eine andere Art von Intelligenz haben. So durchschaut zB Abel sehr schnell technische und mechanische Vorgänge und Gloria versteht mein brüchiges Luganda sehr gut und lernt mir zum Teil auch neue Wörter oder bessert mich aus. Andere Kinder stechen durch ihre schulischen Leistungen heraus, Brian schreibt wunderschön und Godfrey kann sich richtig gut in Englisch ausdrücken und übersetzt auch für andere Kinder. Und alle zusammen lachen gerne und sind unglaublich fröhlich.

[barbara-cbs1 b350] Trotzdem ist die Arbeit, die ich mache oft hart, weil hier in Uganda einfach nichts von selber geht und die Menschen zum Teil eine andere Einstellung zur Arbeit haben als wir es gewohnt sind. So gibt es einfach mal kein Trinkwasser, weil sich keiner zuständig fühlt es abzukochen oder die Kinder schlafen seit Längerem unter löchrigen Moskitonetzen, weil es die Erzieherinnen trotz ständigem Erinnern nicht schaffen Nadel und Faden zur Hand zu nehmen. Überhaupt gibt es kaum jemanden der selbstständig ein Problem sieht und löst oder die tägliche Routine mit eigenen, kreativen Ideen aufpeppt. So ist es oft sehr ermüdend und entmutigend von Tag zu Tag erneut darauf zu schauen, dass jeder einfach nur seinen Job macht.

Aber dann sind da die Kinder, für die es sich auszahlt und die alle Mühen wieder wettmachen. Einer der schönsten Moment in der Christoph Betterman Schule war, als Gloria ihre ersten Schritte ohne Krücken gemacht hat und dabei ihre glücklichen Augen zu sehen.

[barbara-cbs2 b350] Oder wenn Frank mich anstrahlt von einem Ohr zum anderen. Er hat trotz seiner schlimmen Lebensgeschichte und allem Leid das er erfahren musste immer noch solch eine Lebensfreude und sein Lachen nicht verloren. Inzwischen kann er schon mithilfe einer Bildertafel und Kopfschütteln/einem Laut seine Grundbedürfnisse mitteilen.

Alle Kinder sind mir inzwischen sehr vertraut und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es sein wird, sie nicht mehr jeden Tag zu sehen und zu hören. Als ich nach ein paar Tagen Abwesenheit wieder bei der Schule vorbeigegangen bin und nur schnell Hallo sagen wollte, haben die Kinder so einen Lärm gemacht, dass es sogar meine Mitbewohnerin oben in unserem Häuschen gehört hat. 3 Kinder sind mir entgegen gesprungen und haben mich umarmt.


Als Ivan Sseruyange mich mit „Kulika yo wa ka!“ begrüßt hat, hab ich mir gedacht, genau das ist es „Willkommen zu Hause“! Und ein Stück meines Herzens wird wohl immer dort bleiben, bei „meinen“ Kindern, bei meinem Zuhause in der Christoph Bettermann Schule in Zigoti.