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26.03.2014

2014 - Christoph Bettermann Schule - Bericht von Alexandra

2014 - Christoph Bettermann Schule - Bericht von Alexandra

Christoph Bettermann Schule - Eine Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen

Ein Bericht von Alex, die fast 5 Monate als Ergotherapeutin in der Schule gearbeitet hat

Heute gab es frittierten Kasava zur Jause, selbst zubereitet von Kindern der Christoph Bettermann Schule (CB Schule). Recht kalorienreich, aber sehr lecker. Und auch die gestrigen Pancakes, die die Kinder selbst machten, waren allseits beliebt. Stefan Pleger, der auf einen Sprung in der Schule vorbei kam, hat die Chance gleich genützt, um einen Pancake zu verkosten. Diesen ließ er sich mit den Worten:“Die sind ja richtig gut!“ sichtlich schmecken.  

Derzeit ist ein Ferienlager für die Kinder der CB Schule. Das heißt statt ruhigem Sesselsitzen und Lernen von der Tafel, wird täglich allerhand praktisch gemacht. Es wird gekocht, Bohnen sortiert, Geschirr abgewaschen, Spiele gespielt, bewegt, gebastelt, gesungen, Geschichten erzählt, und verschiedene andere Alltagsfertigkeiten geübt (anziehen, Zähne putzen etc.). Dieses Ferienlager hat Anfang Jänner gestartet und dauert insgesamt vier Wochen. Daran anschließend beginnt wieder der normale Schulunterricht (In Uganda sind für alle Schulkinder von Anfang Dezember bis Anfang Februar die langen Schulferien).
Dieses Ferienlager wird heuer zum ersten Mal durchgeführt. Dahinter steht die Absicht, die Therapiepause, die zwingend durch die Schulferien entsteht, zu verkürzen. Rückschritte sollen so möglichst vermieden werden. Zudem erhalten die Kinder während dieser Zeit verstärkt die Möglichkeit, alltagspraktische Fertigkeiten zu entwickeln. Und dies bereitet ihnen sichtlich Freude. Es ist schön zu sehen, mit welcher Begeisterung sie an den Aktivitäten teilnehmen und mit welch strahlendem Gesicht und Stolz sie zum Beispiel ihren abgewaschenen Becher präsentieren.

Die CB Schule wurde vor zwei Jahren gegründet und entwickelt sich seitdem beständig weiter. Neben dem Ferienlager wird es so im Jänner noch andere Veränderungen geben. In einer Woche werden acht neue Kinder in die Schule aufgenommen. Um ihnen einen guten Start zu ermöglichen, muss einiges organisiert werden. Es werden Betten, Stühle und Tische in der Tischlerei und Schuluniformen in der Schneiderei von „A Chance for Children“ in Auftrag gegeben. Schlafräume werden umstrukturiert, ein neuer Lehrer bzw. Lehrerin gesucht und verschiedenste Alltagsgegenstände wie Becher, Teller, Handtücher, etc. eingekauft.

Alle Kinder, die neu aufgenommen werden, waren schon Mitte Dezember für zwei Wochen hier in der Schule. Denn wenn die CB Schulkinder Anfang Dezember nach Hause in die Ferien starten, wird externen Kindern die Möglichkeit geboten, für zwei Wochen in die Schule zu kommen, um hier physiotherapeutisch behandelt zu werden. Letzten Dezember nahmen 24 Kinder diese Chance wahr. Zeigt sich innerhalb dieser zwei Wochen, dass ein Kind davon profitieren kann, in diese Schule aufgenommen zu werden, wird ein möglicher Schulstart mit den Eltern besprochen. Die Freude der Eltern ist in der Regel groß, wenn ihnen ein Schulplatz für ihr Kind angeboten wird. Einerseits sind Sonderschulen in Uganda kaum vorhanden. Anderseits gestaltet sich für Kinder mit körperlicher Beeinträchtigung, die auf Grund ihrer kognitiven Fähigkeiten eine Regelschule besuchen könnten, ein Schulbesuch häufig als unmöglich. Sie sind zum Beispiel unfähig selbst in die Schule zu gehen und niemand aus der Familie besitzt die Zeit und/oder die Ressourchen (z.B. Auto, Motorrad), um sie dorthin zu bringen. In anderen Fällen wäre ein Caretaker in der Schule erforderlich, da das Kind z.B. Hilfe beim Toilettengang braucht. Diesen kann sich die Familie jedoch nicht leisten. Und könnte auch von Seiten der Familie ein Schulbesuch ermöglicht werden, so gibt es genügend Schulen, die per se keine Kinder mit Beeinträchtigung aufnehmen. Gründe für die Verhinderung eines Schulbesuchs gibt es somit verschiedenste, die Folgen sind jedoch immer dieselben. Diese Kinder verbringen ihre Kindheit daheim und werden der Möglichkeit beraubt, sich Schulbildung anzueignen. Wieviele so ein Schicksal teilen, das ist kaum abschätzbar. Denn großteils sind sie die vergessenen Kinder, die die meiste Zeit Zuhause gelassen werden, abseits vom gesellschaftlichen Leben. Wieviel Potenzial jedoch in all diesen Kindern steckt, das sieht man an den Schulkindern der Christoph Bettermann Schule.

Die CB Schule bietet einerseits Kindern mit sowohl kognitiver als auch körperlicher Beeinträchtigung einen Ort, an dem sie möglichst viele alltagspraktische Fertigkeiten und Selbstständigkeit erlangen können. Andererseits werden Kinder aufgenommen, die keine kognitive Beeinträchtigung haben, aber auf Grund von einer körperlichen Beeinträchtigung keine Schule besuchen. Diese Kinder profitieren in erster Linie von der täglichen Physiotherapie. Aber auch die Strukturen und Angebote in der Schule wie im Internat helfen diesen Kindern, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Um jedoch einmal ein unabhängiges Leben führen zu können, sollten diese Kinder die Möglichkeit erhalten, eine normale Schulausbildung zu absolvieren. Derzeit gibt es drei Kinder in der Christoph Bettermann Schule, die auf Grund ihrer kognitiven Fähigkeiten eine normale Regelschule besuchen könnten. Das sind Alex, Toni und Edren (siehe Foto). Und diese Chance sollen sie auch erhalten. Es wird somit derzeit geplant, wie sie die nahegelegende Volksschule „St. Mary`s“ besuchen können. Diese Volksschule ist eine der unterstützten Schulen von „A Chance for Children“ und befindet sich ebenfalls in Zigoti. Demnächst startet das neue Trimester. Und dieses sollen die drei Buben auch schon in der St. Mary’s Volkschule bestreiten.
Vergessen werden diese Kinder somit sicherlich nicht, und wer weiß, vielleicht kann man ja sogar in einem Bericht in einigen Jahren von diesen Kindern erneut lesen. Denn was ich in den letzten viereinhalb Monaten in der Arbeit von „A Chance for Children“ vielfach gesehen habe, ist eine unbeschreibare Überzeugung davon, dass jeder junge Mensch vielerlei Fähigkeiten entwickeln und sich Fertigkeiten aneignen kann, wenn er ein Umfeld erhält, das ihn fördert und fordert.

Was ich mir von meiner Zeit in Uganda mitnehme, ist wohl kaum mit Worten zu beschreiben. Sei es die Freude der Kinder, wenn sie einen kleinen Schritt Selbstständigkeit dazugewannen, die Herzlichkeit einiger Mitarbeiter, die Wichtigkeit, Missstände klar anzusprechen und die Erfüllung von Aufgaben konsequent einzufordern, die Werte- und Arbeitshaltung von „A Chance for Children“, verschiedenste kulturelle Facetten, oder die immergrüne, wunderschöne Natur,...

Ich wünsche allen zukünftigen Freiwilligen eine unvergessliche Zeit in Uganda mit vielerlei schönen, wie prägenden Erlebnissen. Ich bin froh und dankbar darüber, eine zeitlang in diesem Projekt mitwirken zu können.

Alexandra Stix, Ergotherapeutin, September 2013  bis Mitte Feber 2014, Christoph Bettermann Schule Zigoti