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30.12.2014

2014 - Bericht von Susi Mair

2014 - Bericht von Susi Mair

Bericht von Susi Mair

In Zigoti von August bis Dezember 2014

Ich kann immer noch die zarten hellen Kinderstimmen hören, wie sie mir „Muzungu“ = Weiße/Weißer nachschreien, gar nicht böse gemeint, nur um meine Aufmerksamkeit zu erregen, dass ich ihnen zuwinke.

Morgens wache ich auf und höre die Vögel zwitschern, es ist ein ganz anderes Zwitschern als hier, es sind afrikanische Vögel, die ich noch immer höre.

Und noch etwas, der Sternenhimmel, noch nie in meinem Leben habe ich so viele Sterne gesehen, die Milchstraße, wie ein Bogen spannt sie sich über den Himmel.

Zigoti, ein kleines Dorf in Uganda, war für fast 5 Monate meine zweite Heimat.

Meine Aufgaben waren sehr vielschichtig, ich arbeitete im Office, dem Hauptquartier von „A Chance for Children“ Uganda, dadurch konnte ich in mehreren Bereichen mitarbeiten.

Montags war der Buchhaltung gewidmet. Die lokale Mitarbeiterin Betty brachte im November ein süßes „Babygirl“ zur Welt, und ich sollte sie während ihres Mutterschafturlaubs bestmöglich vertreten.

Dienstags und mittwochs war ich mit den Fieldoffice-Mitarbeitern Alexander und Raphael in den staatlichen Schulen. Mittlerweile sind es 49 Schulen, die zum sog. Porridge-Programm gehören. Porridge ist ein sehr nahrhaftes Maisbreigetränk zur Jause, für nur 10 Euro kann ein Kind zur Schule gehen und einen ganzen Monat lang Porridge trinken. Nur jene staatlichen Schulen bekommen das Maismehl von unserer Organisation zur freien Verfügung gestellt, die über einen längeren Zeitraum beweisen, dass qualitativ hochwertiger Unterricht stattfindet (derzeit 25). Genau das war unsere Aufgabe, wöchentlich zu überprüfen, ob der Lehrkörper anwesend ist und sich auf die Unterrichtsstunden vorbereitet. Verwundert war ich oft, wie unmotiviert und abgestumpft einige Lehrer/-innen in öffentlichen Schulen sind - sich ihrer Verantwortung den Kindern gegenüber und somit der Zukunft Ugandas nicht bewusst. Die baulichen Zustände in einigen öffentlichen Schulen sind ebenfalls verheerend. Aber leider musste ich auch miterleben, dass immer noch körperliche Züchtigung - trotz Verbot - als gängiges Bestrafungsmittel eingesetzt wird.

Mit den meisten Schulen jedoch funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut, wir waren immer „highly welcome“! Die Direktoren, Lehrer und vor allem die Kinder sind sehr froh und dankbar für den Porridge. Ein leerer Bauch studiert nicht gern, das ist in Afrika nicht anders als hier.

Sehr gefreut habe ich mich immer auf Donnerstag und Freitag. An diesen beiden Tagen durfte ich mit der Sozialarbeiterin Rose die Familien besuchen, die von uns durch Patenschaften Unterstützung in Form von Bezahlung der Schulgebühren und schulischen Materialen erhalten. Nicht selten schenkten uns sogar die ärmsten Familien aus Dankbarkeit Obst oder einen Sack Erdnüsse. Gerade Rose ist mir sehr ans Herz gewachsen. Mit ihrer offenen verständnisvollen Art findet sie einen sehr guten Zugang zu den Menschen und kann auf höchst professionelle Weise unterscheiden, ob eine Familie finanzielle Hilfe benötigt, oder ob nur das Selbsthilfepotential gestärkt werden muss.

Mit Rose war ich hautnah bei den Familien in ihren Lehmhäusern, so bekam ich Einblick in ihre Lebensweisen und erfuhr vieles über ihre schwierigen Lebensumstände.

Das war von allen meinen Aufgaben meine schönsten Momente und zugleich intensivsten.

Samstags gab ich Flötenunterricht. Die Kinder sind sehr motiviert die Noten zu lernen, wollen doch einige von ihnen später in der Zigoti Brassband aufgenommen werden.

Es hat bei mir ca. 2 Wochen gedauert, bis ich mich in Zigoti eingelebt hatte, vor allem bis ich den starken Akzent in ihrem Englisch verstand. Das Duschen mit regenwassergefüllten 1 ½-Liter-Flaschen hat mir nichts ausgemacht, vor allem wenn die Sonne das Wasser untertags erwärmt hat.

Viele zusätzliche Erlebnisse (Termiten- und Spinnenbekämpfung, Mozzarella selber herstellen, mehrstündige Spaziergänge mit Sonnenbrand und Blasen, das legemüde Hendl schlachten ausnehmen und grillen, Motorradfahren auf Schlammwegen, die HIV-Party und ein Workshop Wochenende über Verhütung, Aufklärung und Drogen, …) machten meinen Aufenthalt in Afrika unvergesslich!

Bis vor 5 Monaten war Uganda für mich ein Land in Afrika, eines von vielen Entwicklungsländern in Afrika. Nun gibt es Gesichter, Gerüche, Geräusche und Gefühle und viele, viele Erinnerungen!

Die Organisation „A Chance for Children“ in Zigoti ist viel mehr als nur eine „Organisation“. Ich kann euch versichern, dass jeder lokale Mitarbeiter und Mitarbeiterin in Uganda stolz ist, bei ACFC zu arbeiten und ich habe dort keinen Menschen getroffen, der es nicht zu schätzen wusste, was Gabi und Stefan mit ihrem Team in Österreich leisten.

Ich soll euch, liebe Spender/-innen die herzlichsten Grüße von den Kindern aus Uganda mitbringen, und ein großes DANKE für eure Unterstützung!