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13.04.2015

2015 - Bericht von Alexandra

2015 - Bericht von Alexandra

Erfahrungsbericht von Alexandra

Uganda – die Perle Afrikas – genauso habe ich dieses wunderbare und vielseitige Land erlebt. Schon lange hatte ich den Traum, eines Tages eine gewisse Zeit in einem fremden Land, in einer neuen Kultur und in einer vollkommen neuen Umgebung meinem Beruf als Volksschullehrerin nachzugehen.

Voller Aufregung begann am 28.8.2014 mein großes Abenteuer. Bongole, ein kleines Dorf in der Nähe von Zigoti, sollte für sechs Monate mein neues zu Hause werden. Ich landete um 5 Uhr in der Früh in Entebbe, wo ich von Sebastian, dem Zivildiener und Disan, dem Fahrer der Organisation, abgeholt und direkt nach Zigoti gebracht wurde. Überwältigt von der Stille, dem wunderschönen Sternenhimmel und den vielen unbekannten Tiergeräuschen war mit Schlafen vorerst keine Rede. Gabi und Stefan überraschten mich am nächsten Morgen mit einem guten Frühstück.Der selbstgemachte Mozzarella von Gabi war ein Traum. Ich wurde sehr herzlich empfangen und fühlte mich gleich von der ersten Minute an äußerst wohl. Nach dem Frühstück zeigte mir Sebastian die Farm und machte mit mir einen kleinen Rundgang durch Zigoti. Das Headquater, die Schneiderei, die Tischlerei und so viele unbekannte Gesichter –alles war neu für mich. Jedoch konnte ich mir schon langsam einen kleinen Überblick verschaffen. Zu diesem Zeitpunkt realisierte ich erstmals, dass ich angekommen bin und und endlich wurde mein Traum wahr.

Am Nachmittag gings dann über Stock und Stein nach Bongole. Der Weg dorthin faszinierte mich: der rote Lehmboden, die einfachen Häuser, die unglaublich grüne und fruchtbare Landschaft, die unzähligen Bananenplantagen und Maisfelder, die vielen Kinder, die mit einem Fahrradreifen auf der Straße spielten, mir zuwinkten und „Muzungu“ riefen – diese ersten Bilder habe ich immer noch vor Augen. Zu dieser Zeit fand gerade das Ferienlager statt und ich wurde schon von den Lehrern und Kindern erwartet. Es wurde gesungen, getrommelt und getanzt. Als ich dann selbst zu Wort kam und mich kurz vorstellte, wurde ich von duzenden dunklen Kulleraugen angestarrt. Das war ein unvergesslicher Moment. Anschließend wurde mir das Haus, die große Farm und die Schule mit allen Klassen gezeigt. Dementsprechend müde von den vielen und neuen Eindrücken ging ich früh schlafen.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück nach Zigoti und ich wurde über das Wochenende mit allen anderen Volunteers bekannt gemacht.

Am 1. September begann die Vorbereitungswoche mit den Lehrern in Bongole. Ich nützte gleich in den ersten Tagen die Gelegenheit, einen Materialworkshop gemeinsam mit den Lehrern durchzuführen. Ich war sehr positiv überrascht, denn alle Lehrpersonen waren offen, motiviert und bereit sich auf Neues einzulassen. So schnell konnte ich gar nicht schauen, und die erste Woche war schon vorbei.

Am 8. September war der erste Schultag. In der Früh versammelten sich alle Kinder und Lehrer im Schulhof. Zu Beginn wurde die ugandische Nationalhymne gesungen und gemeinsam gebetet. Anschließend sprach ich ein paar Worte, es wurde kräftig geklatscht und die Kinder schenkten mir ein strahlendes Lächeln.

Während meiner Zeit in Uganda arbeitete ich immer montags in Kakindu, eine kleine Volksschule mit sieben Klassen in der Nähe von Zigoti. Dienstag bis Freitag verbrachte ich in Bongole – über 400 Kinder, aufgeteilt auf sieben Klassen und den Kindergarten. Dementsprechend gewöhnungsbedürftig war zu Beginn die Klassenstärke, denn über 50 Kinder muss man erst mal in Griff bekommen. Die ersten eineinhalb Monate war ich alleine in Bongole – diese Zeit möchte ich aber auf keinen Fall missen, im Gegenteil, es war eine Bereichung für mich. Ich lernte die Lehrer gut kennen, wir führten oftmals am Abend tiefgründige Gespräche und ab und zu wurde sogar gemeinsam gekocht. Mitte Oktober kam dann Katharina, mit der ich bis zum Schluss meines Aufenthaltes zusammenarbeitete. Wir harmonierten sehr gut, hatten eine nette Zeit miteinander und ich war schlussendlich dann schon froh, dass ein bisschen Leben ins Haus kam.

Nun zu meinem Arbeitsbereich – in meiner Zeit konzentrierte ich mich auf das Fach Mathematik in den Klassen P1, P2 und P3, da dort am meisten Hilfe gebraucht wurde. Ich bereitete jeden Tag mit den Lehrern vor, unterrichtete gemeinsam mit ihnen in den einzelnen Klassen und unterstützte sie, wo Hilfestellung nötig war. Weiters legte ich großen Wert auf die Stundenreflexionen – ich beobachtete die Lehrpersonen im Unterricht und bereitete die gehaltenen Stunden mit ihnen zusammen nach, sprach die guten und schlechten Aspekte an und versuchte ihnen Lösungsvorschläge aufzuzeigen.

Wie bereits erwähnt, setzte ich einen weiteren Schwerpunkt auf die Materialarbeit, da mir schon immer ein kindzentrierter Unterricht am Herzen lag. Ich führte einen Nachmittag ein, an dem verschiedene Klassen an vielseitigen Mathematikmaterialien arbeiteten. Dabei war die Freude am Arbeiten und die Dankbarkeit mir gegenüber schön zum Beobachten.

Da viele Spiele von Österreich zur Verfügung gestellt wurden und ich auch einiges an Materialien mitnahm, war mir die Schulbibliothek sehr wichtig. Durch den Bau des Internats und zwei weiteren Klassenräumen konnten wir ein ehemaliges Klassenzimmer als Lehrerraum verwenden, den wir gemütlich einrichteten. Wir platzierten den Materialkasten darin, gestalteten eine Wand mit den notwendigen organisatorischen Punkten (Stundenplan, Fächeraufteilung, etc.) und nutzten diesen Raum gleichzeitig auch zum Vorbereiten.

Zugleich begannen Katharina und ich, den Lehrern einfache Mathematik- und Konzentrationsspiele ohne Materialaufwand nahe zu bringen. Diese Spiele wurden mit der Zeit regelmäßig als „Brain Games“, die ersten 30 Minuten in der Früh und als Auflockerung während den Stunden von den Lehrern eingesetzt.

Um alle meine Ziele zu verwirklichen wurde viel Motivation, Geduld und Energie gefordert. Die Arbeit hat sich jedoch sehr gelohnt. Die Zeit verging wie im Flug und  ich genoss jede Minute meines Aufenthalts, sowohl in guten als auch in anstrengenden Zeiten. Ich bin sehr froh, mich für „Kindern eine Chance“ entschieden zu haben. Eine Sache machte mich besonders glücklich: Es war ein Geben und Nehmen, ich bekam sehr viel Dankbarkeit zurück und konnte für mich selbst auch viel Neues dazu lernen. Mein Aufenthalt in Uganda war eine Bereicherung. Es ist nicht leicht für mich, nach so einer langen Zeit nun alles hinter mir zu lassen.

Das Schöne daran ist- Kindern eine Chance wird immer ein wichtiger Teil in meinem Leben bleiben.

Es bleibt mir noch zu sagen: Danke für die wunderschöne Zeit!