Behindertenarbeit & mehr bei Kindern Eine Chance
1

Behindertenarbeit

KINDERN EINE CHANCE engagiert sich auf mehreren Ebenen für die Förderung von Kindern mit Behinderung, mittlerweile verfügen dafür wir über drei Schulen: Einerseits die zwei Christoph Bettermann Schulen für Kinder mit speziellen Bedürfnissen in Zigoti, Bezirk Mityana, und andererseits eine integrative Schule in Nateete, Bezirk Mubende, die „school for all“. Seit Beginn 2019 ist eine vierte Schule in Busunjju, Bezirk Mityana, im Aufbau.
An allen unseren Standorten befinden sich jeweils Internate für die Kinder mit Behinderung, wir veranstalten regelmäßig Ferienprogramm für Kinder und Angehörige und betreuen Kinder in den umliegenden Dörfern in ihrem Umfeld bei ihren Familien durch regelmäßige Besuche von Sozialarbeitern oder mobile Therapeuten.
Seit 2017 haben wir eine eigene Werkstatt, in der wir Orthesen selbst produzieren, größtenteils aus recyceltem Material.

Außerdem betreiben wir eine Schule für gehörlose Kinder in Ttanda, ebenfalls Mityana District. Da es scih dabei aber um eine Schule nach regulärem Grundschul-Lehrplan handelt, zählen wir diese Schule zu unseren eigenen Grundschulen (Primary Schools).

Die Christoph-Bettermann-Schulen und "School for all"

Mit der Eröffnung der Christoph-Bettermann-Schule hat im März 2012 unsere Arbeit mit Kindern mit Behinderung begonnen. Benannt wurde die Schule nach einem jungen Mann der selbst im Rollstuhl sitzt. Seine Familie hat den Aufbau der Schule weitestgehend finanziert. Unser Fokus liegt auf Kindern mit Körper- und Mehrfachbehinderungen, welche dringend einer Therapie bedürfen.

Seit 2012 haben wir unsere Arbeit mit Kindern mit Behinderung immer weiter ausgebaut. Dazu haben wir im April 2016 eine zweite Christoph-Bettermann-Schule eröffnet. In dieser noch größeren Schule findet auch regelmäßig Ferienprogramm für Familien mit Kindern mit Behinderung statt und dort befindet sich auch unsere erste eigene Orthesenwerkstatt. Momentan sind 22 ugandische MitarbeiterInnen in beiden Schulen beschäftigt und kümmern sich um ca. 130 teils schwer betroffene Kinder – mit Sonderschulunterricht, Physio- und Ergotherapie und der Betreuung im Internat.

 
Unser Konzept in der Behindertenarbeit legt den Schwerpunkt darauf, die Selbstständigkeit der Kinder bestmöglich zu fördern, um sie zu befähigen, später aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können. Dazu werden zum Beispiel in der ergotherapeutischen Gartenarbeit alltagspraktische Fähigkeiten geübt und therapeutisch begleitet, in der Physiotherapie sollen spezielle Kräftigungsübungen die Beweglichkeit von Gelenken und Muskeln verbessern und Fehlstellungen korrigieren.

Dazu fahren unsere Physio- und Ergotherapeuten mehrmals pro Woche mit dem Motorrad in die Dörfer und behandeln Kinder zu Hause und in den Regelschulen, in die wir schon über 30 Kinder integrieren konnten. Außerdem haben wir zusätzlich zwei Mitarbeiter, die – als eine Art Kombination aus Therapeut und Sozialarbeiter – dreimal wöchentlich mit dem Motorrad die umliegenden Dörfer anfahren und dort die bedürftigen Kinder und ihre Familien in regelmäßigen Abständen besuchen. Häufig finden sie auch „neue“ Kinder mit Behinderung vor und überlegen, wie diese bestmöglich gefördert werden können. Die Fortschritte, die wir bei den Kindern miterleben dürfen, sind teilweise enorm.

Die "School for all"

Um unser mittlerweile großes Know-how in der Arbeit mit Kindern mit Behinderung weiter zu nutzen und so noch mehr von ihnen unterstützen zu können haben wir 2017 begonnen einen weiteren großen Standort in Nateete, District Mubende, aufzubauen. Mittlerweile (Stand April 2019) ist die neue Einrichtung schon in Betrieb – wieder mit Klassenräumen für den Unterricht sowie Schlaf-, Wohn und Therapieräumen für die Kinder. Diesmal haben wir ein spezielles Augenmerk darauf gelegt die Schule als Zentralbereich eines größeren Areals mit Verwaltungsgebäuden sowie einer Primary- und Secondary school bestmöglich in ein größeres Umfeld einzubetten, da wir glauben dass alle Seiten von einem regen Austausch profitieren können.

Kinder mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung sind aus unserer Sicht eindeutig das schwächste Glied der ugandischen Gesellschaft. Wir haben uns zum Ziel gesetzt wirklich die „Ärmsten der Armen“ zu unterstützen. Nachdem der Bedarf in diesem Bereich weiterhin enorm ist wollen wir weiter ausbauen – im Jahr 2019 entsteht in Busunjju ein weiterer Standort zur Versorgung von Kindern mit Behinderung und ihren Familien.

Die Fortschritte, die wir bei den Kindern miterleben dürfen, sind teilweise enorm.

– Thomas Knapp

Ein wichtiger Eckpfeiler der Arbeit: Therapiecamps

Damit die Verbindung der Kinder zu ihren Eltern und der dörflichen Gemeinschaft in unserem Internat nicht verlorengeht, ist es uns sehr wichtig, dass sie in den Ferien (dreimal jährlich) zu ihren Familien heimkehren. Um unsere Gebäude dann auch in den Ferien zu nutzen, veranstalten wir regelmäßig Therapiecamps für jeweils 30–50 externe Kinder, welche für zwei Wochen gemeinsam mit ihren Eltern bei uns in der Christoph-Bettermann-Schule wohnen und Intensivtherapie erhalten. Die Eltern werden in dieser Zeit im Umgang mit ihren Kindern (Körperpflege, Lagerung, Nahrungsbegleitung etc.) geschult. Zusätzlich bieten wir auch während des Schuljahres Therapiecamps für Kleingruppen an. 

 

Inklusion und Bewusstseinsbildung im Umfeld

Natürlich möchten wir unser Zentrum für die Arbeit mit Kindern mit Behinderung nicht nach außen hin abschotten, deshalb legen wir großen Wert auf die Anbindung unserer Schule an die dörfliche Gemeinschaft. Für manche Kinder ist die Christoph-Bettermann-Schule ein Sprungbrett zur Regelschule. Anfänglich (2015) schickten wir die ersten sieben Kinder mit Behinderung in eine angrenzende Primary-School, die dort am regulären Unterricht teilnehmen konnten. Einige von ihnen lebten noch in der Christoph-Bettermann-Schule und wurden jeden Tag mit dem Motorrad zur Schule gebracht, andere lebten im Internat der Primary-School und kamen nur mehr für einzelne Therapiestunden zu uns. Nur durch die intensive therapeutische Begleitung im Vorfeld ist dies möglich geworden. Im Laufe der Zeit konnten wir über 20 Kinder in unsere eigenen Grundschulen wie Bongole und Kakindu einschulen. Dort werden sie von den Therapeuten regelmäßig besucht. Die voranschreitende Einbindung von Kindern mit Behinderung in die Dorfgemeinschaft erhöht in der Bevölkerung merklich das Bewusstsein und die Akzeptanz für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Medizinische Unterstützung

Immer wieder werden wir mit medizinischen Notfällen konfrontiert. Teils sind es für unsere Möglichkeiten Kleinigkeiten, wie etwa Operationen von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, die das Leben der Kinder aber enorm verbessern. Manchmal sind es lebensnotwendige Operationen wie eine Herzoperation für ein kleines Mädchen. Zu Beginn unserer Arbeit haben wir uns bemüht einzelne an uns herangetragene Schicksale mit unserem medizinischen Notfallfonds einfach und unbürokratisch zu unterstützen. Mittlerweile verfügen wir über ein breites Netzwerk mit anderen medizinischen Organisationen und Krankenhäusern, welches uns ermöglicht den Kindern schnell durch teilweise lebensrettende Operationen (z.B. neurologische Operationen bei Hydrocephalus) oder orthopädische Operationen (z.B. Klumpfuß) zu helfen.

auf Facebook teilen